Einschulung: Ersten Schultag nicht überbewerten

Kinder sollen ihren Schulanfang ohne Druck und Ängste erleben. Dies wünscht sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Etwa 118.000 Mädchen und Jungen werden in dieser Woche in Baden-Württemberg eingeschult.

19.09.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Der Schulanfang stellt für jeden Erstklässler etwas Neues und Aufregendes dar. Allerdings kann dies auch Ängste auslösen", sagte der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem am Dienstag (19.09) in Stuttgart. Die meisten Einschulungsfeiern finden am Samstag (23.09.) statt. Die GEW empfiehlt Eltern, den Schulstart nicht zu groß zu feiern, sondern ihren Kindern einen ungezwungenen Start in die Schule zu bereiten.

Studien zeigen, dass etwa jedes zehnte Kind unter Schulangst leidet. "In Familien, in denen der Schulbesuch als Eintritt in den "Ernst des Lebens" dargestellt wird, erzeugt man unnötigen Leistungsdruck auf die Kleinen" so Dahlem. Dieser wirke sich jedoch nur negativ aus. "Kinder, die Angst vor der Schule haben, geraten oft in Isolation. Schlechte Leistungen können die Folge sein. Eltern sollen die Befürchtungen der Kinder ernst nehmen und sie motivierend auch über die ersten Schultage hinaus begleiten", sagte Dahlem.

Eltern sind zur Mitwirkung eingeladen

Für die optimale Entwicklung der Kinder sei eine Einbindung der Eltern in den Schulalltag wichtig. "Zu einem funktionierenden Schulsystem gehören auch interessierte und engagierte Eltern. Regelmäßiger Kontakt hilft einerseits, Probleme frühzeitig zu erkennen. Andererseits gibt es den Kindern das Gefühl, begleitet und unterstützt zu werden. Jetzt zu Schulbeginn ist das Interesse der Eltern an der Schule erfahrungsgemäß am stärksten. Diese Chance sollten die Lehrerinnen und Lehrer nutzen", so Dahlem.

Kindreife Schule statt schulreifes Kind

Die Kultusministerkonferenz hat 1994 das Thema Schulfähigkeit von der Empfehlungsliste gestrichen. "Die Schule muss sich allen Kindern öffnen, sie mit ihren Stärken und Schwächen aufnehmen, angstfrei lernen lassen und bestmöglich fördern", so Dahlem. Die GEW befürchtet, dass die Landesregierung dieses Ziel mit dem Projekt "Schulreifes Kind" nicht erreicht. "Das Projekt steht im Widerspruch zum Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen und knüpft an überholte pädagogische Diskussionen der 70er Jahre an. Außerdem gibt es im kommenden Schuljahr keine einzige zusätzliche Lehrerstunde für Oettingers Projekt. Die Einführung wird so auf Kosten von Arbeitsgruppen und Förderunterricht gehen", so Dahlem.

Schulsystem verändern - auf den Anfang kommt es an

In Deutschland wird am meisten Geld pro Schüler/in für die Gymnasien, am wenigsten für die Grundschule ausgegeben. "Wenn wir unsere Leistungen verbessern und unsere Kinder rechtzeitig fördern wollen, muss dieses System verändert und mehr in den Elementar- und Primarbereich investiert werden. In den PISA-Sieger-Ländern Schweden und Finnland wird für Kindertageseinrichtungen und Grundschulen weit mehr ausgegeben. Dort arbeiten die Lehrkräfte gemeinsam mit Erzieherinnen sowie Sozialpädagoginnen- und Sonderpädagogen und können so die Kinder von Anfang an gezielt beobachten und fördern", sagte Dahlem.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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