Elternabstimmung gegen gegliedertes Schulsystem geht weiter

Die Bildungsgewerkschaft GEW geht nach den neuen Übergangsquoten auf weiterführende Schulen davon aus, dass das gegliederte Schulsystem auf Dauer keine Zukunft hat und macht sich für integrative Schulen stark. "An den Hauptschulen wird engagierte Arbeit geleistet, aber wenn diese Schulart von Arbeitgebern und Eltern nicht mehr akzeptiert wird, müssen wir unser Schulsystem auf neue Füße stellen", sagte am Mittwoch (16.01.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

16.01.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Zum Schuljahr 2007/08 wechselten von 112.700 Grundschülern 39,5 Prozent auf Gymnasien, 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf die Realschulen gingen 32,8 Prozent und 26,5 Prozent auf die Hauptschulen.

"In 10 Bundesländern wird es demnächst keine Hauptschulen mehr geben. Baden-Württemberg gehört zu den Ländern, die bisher nicht auf die Krise unseres Schulsystems reagieren. Wie weit muss die Übertrittsquote auf die Hauptschule noch sinken, bis die Landesregierung reagiert und die Diskussion über integrative Schulen zulässt", so Dahlem. In Bremen, Hamburg, im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Rheinland-Pfalz ist Bewegung in die Schulstrukturfrage gekommen. Dort werden zwischen 2009 und 2013 neue Schultypen eingeführt.

Gleichzeitig warnt die GEW davor, nur über Strukturen zu reden: "Ein bloßer Wechsel des Türschildes reicht nicht aus. Notwendig ist ein Umdenken in den Köpfen. Schulstruktur und Schulkultur hängen aber eng zusammen. Wir streiten für eine Schule, in der der Umgang mit Vielfalt und Heterogenität eine Selbstverständlichkeit ist und in der niemand mehr sagen darf, dass dieses Kind nicht in diese Schule gehört", so Dahlem.

Entwicklungen in anderen Bundesländern

Die Hauptschule ist in der Regel in den 60er Jahren aus der Volksschule entstanden. In Deutschland gibt es rund 5.000 Hauptschulen (Schuljahr 2004/05). Im Schuljahr 2006/07 sank bundesweit die Zahl der Hauptschüler um 6,9 Prozent gegenüber der Vorjahr. Die Schülerzahl aller allgemein bildenden Schulen sank im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent.

Das Ende der Hauptschule ist in Bremen, Hamburg, in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Schleswig-Holstein beschlossen, in den fünf neuen Bundesländern gibt es keine Hauptschulen. Hamburg schafft ab 2009 Stadtteilschulen an Stelle von Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Die anderen Bundesländer gehen ähnliche Wege, dort heißen die neuen Schultypen Regionalschule, erweiterte Realschule oder Sekundarschule.

Mehrere Abschlüsse sollen unter einem Dach möglich sein: Von der Berufsschulreife über die Mittlere Reife bis zum Fachabitur. In Rheinland-Pfalz sollen die Schüler/innen bis zur Klasse 6 gemeinsam unterrichtet werden, dann folgen abschlussbezogene Klassen. Schülern, die nach der 9. Klasse noch keine Berufsschulreife haben, wird ein spezielles 10. Schuljahr angeboten.

Die GEW erinnert bei jeder Schulstruktur-Debatte:

Von den 30 bei PISA untersuchten OECD-Staaten sortieren nur Deutschland und Österreich die Kinder im Alter von zehn Jahren. In der Mehrheit der Länder (19 Staaten) werden Jugendliche auf verschiedene Schularten verteilt, wenn sie zwischen 14 und 16 Jahre alt sind. (Quelle: OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2006")

Initiative für längeres gemeinsames Lernen: www.laenger-gemeinsam-lernen-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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