Ganztagsschulen für mehr Chancengleichheit

(bikl) "Für Bildungschancen darf es keine Rolle spielen, ob jemand aus einer Professoren-, Arbeiter- oder Einwandererfamilie kommt", erklärte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD heute zur Eröffnung des zweiten Ganztagsschulkongresses der Bundesregierung in Berlin.

02.09.2005 Artikel
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Sie machte deutlich, dass die Bundesregierung den Ausbau von Ganztagsschulen weiterhin vorantreiben will, um die Chancengleichheit von Kindern zu erhöhen. Denn es sei der größte gesellschaftspolitische Skandal, dass in Deutschland wie in kaum einem anderen Industriestaat die Bildungschancen von der sozialen Herkunft abhingen.

Größtes Schulentwicklungsprogramm

Nach dem schlechten Abschneiden der deutschen Schüler beim internationalen PISA-Test hatte die rot-grüne Bundesregierung vor zwei Jahren beschlossen, den Ausbau von Ganztagsschulen bundesweit zu fördern. Ganztagsschulen sollen mehr Zeit bieten, um auf die unterschiedlichen Stärken, Interessen und Voraussetzungen der Schüler einzugehen. Bis zum Ende des nächsten Schuljahres werden in ganz Deutschland 5.000 zusätzliche Ganztagsschulen mit dem größten Schulentwicklungsprogramm, das es in Deutschland je gegeben hat, gefördert. Jede achte allgemein bildende Schule in Deutschland wird mittlerweile mit Bundesmitteln zur Ganztagsschule ausgebaut. Bis 2007 will die Bundesregierung den Auf- und Ausbau von 10 000 Ganztagsschulen mit vier Milliarden Euro Bundesmitteln zu fördern.

Nicht alle Länder engagiert

Bulmahn kritisierte auf dem Kongress, dass die Länder das Angebot des Bundes sehr unterschiedlich nutzten und mit sehr unterschiedlichem eigenen Engagement umsetzten. "Hier gibt es noch einiges zu optimieren", erklärte sie. Das Ganztagsschul-Programm ist bei vielen Ländern umstritten, weil der Bund zwar die Baukosten für die Schulen trägt, nicht aber die Folgekosten für das Personal. Außerdem fühlen sich die Länder in ihrer Kulturhoheit eingeschränkt. Nach einer Übersicht des Bundesbildungsministeriums liegen die Stadtstaaten, allen voran Bremen, bei der Einrichtung neuer Ganztagsschulen vorn. Auch Rheinland-Pfalz und Thüringen haben ihre Ganztagsangebote deutlich ausgeweitet. Hessen und Sachsen-Anhalt verhalten sich bislang eher zurückhaltend.

Positiv äußerte sich die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Johanna Wanka (CDU). Sie erklärte, das Investitionsprogramm des Bundes habe zusätzliche Bewegung in den Ausbau von Ganztagsschulen gebracht. Im vergangenen Schuljahr seien zwölf Prozent mehr Kinder auf Ganztagsschulen gegangen.
Bei dem Kongress mit 1400 Teilnehmern wollten Lehrer, Eltern und Schüler Erfahrungen und pädagogische Konzepte für Ganztagsschulen austauschen.

Prominente Botschafter

In den kommenden Wochen werden Prominente als "Botschafter für Ganztagsschulen" bundesweit aktiv werden: Schauspieler Peter Lohmeyer ("Das Wunder von Bern"), Profiboxer Dr. Vitali Klitschko, Autorin Alexa Hennig von Lange, Moderator Peer Kusmagk und DJ Tomekk.

Weiterführender Link

www.ganztagsschulen.org/


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