Digitalisierung

„Generelles Handyverbot ist nur Scheinlösung“

„Ein generelles, gesetzliches Verbot hilft uns nicht weiter. Die Schulen brauchen vor allem Regelungen, mit denen Grenzen gezogen werden können, aber gleichzeitig das Erlernen von Medienkompetenz ermöglicht werden kann", kommentiert der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, das Handyverbot an französischen Schulen.

31.07.2018 Bundesweit Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
  • © Martin Stengel / die-journalisten.de GmbH

Udo Beckmann: "Die derzeitige Situation ist: Deutsche Schulen haben größtenteils noch steinzeitliche Ausstattungen, aber die Generation von heute muss auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet werden. Das Versprechen, 5 Milliarden Euro für den Digitalpakt Schule in die Hand zu nehmen, ist fast zwei Jahre alt und noch immer warten die Schulen auf tatsächliche Mittel. Solange die Schulen also nicht entsprechend ausgestattet sind, um mit staatlich finanzierten Geräten Medienkompetenz zu vermitteln, sind wir gezwungen, auf die Medien zurückzugreifen, die die Kinder mitbringen."

Dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht zum Beispiel Nachrichten schreiben und damit stören, sei natürlich nicht hinnehmbar. Der VBE-Bundesvorsitzende weiß, dass es auch Lehrkräfte gibt, die deshalb ein Handyverbot befürworten würden. „Es ist erforderlich, dass es an den Schulen klare Regelungen gibt, wann und zu welchem Zweck Handys eingesetzt werden dürfen. Wird im Schulkodex festgeschrieben, dass das Schreiben von Nachrichten während des Unterrichts nicht gestattet ist, muss es zudem Konsequenzen haben, wenn das passiert. Die Grundlage dafür ist eine verantwortungsbewusste Schulgemeinschaft, eine funktionierende Eltern-Lehrkraft-Erziehungspartnerschaft und auch die Rückendeckung der Schulverwaltung.“

Beckmann meint: „Wir müssen uns frei machen von der Vorstellung, dass man Kinder und Jugendliche fernhalten kann von der Technologie. Deshalb muss es Aufgabe sein, dass sie den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien erlernen und erleben können. Die Lehrkräfte in Deutschland sehen zudem viele Vorteile darin, digitale Endgeräte einzusetzen. Unsere letzte Umfrage hierzu zeigte, dass es 98 Prozent der Lehrer positiv sehen, dass sie mit Computer und Internet Lehrinhalte um aktuelle Informationen ergänzen können, 96 Prozent sehen durch den Einsatz eine höhere Motivation der Schüler und 89 Prozent sagen, dass sich Inhalte und Zusammenhänge mit Hilfe digitaler Medien besser darstellen lassen.“ Zudem betont er: „Um die Generation von heute auf die Arbeitswelt von morgen vorzubereiten, ist Medienkompetenz zentral. Die Schülerinnen und Schüler müssen nicht nur wissen, wie sie einen Computer bedienen, sondern auch fähig sein, Quellen im Internet nach ihrer Glaubwürdigkeit, Informationsdichte und damit Nützlichkeit für die Beantwortung einer Fragestellung einzuschätzen. Zudem müssen sie lernen, ihre Mediennutzung selbst zu kontrollieren.“


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