Gesetzentwurf macht Werkrealschule zur Sackgasse

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg (GEW) reagiert mit großer Verärgerung auf die vorgesehenen Zulassungsbeschränkungen für das 10. Schuljahr an den neuen Werkrealschulen. "Sie sind für mich aktiver und planmäßiger Betrug der Hauptschüler/innen um ihre Bildungschancen unter dem Deckmantel besserer Chancen – versprochen hatte die Landesregierung etwas anderes", stellte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz am 9. April in Stuttgart fest.

09.04.2009 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Das Land gibt vor, im Unterschied zur bisherigen Werkrealschule einen 6jährigen durchgängigen Bildungsgang zu konzipieren, macht aber gleichzeitig Notenvorgaben als Zulassungskriterien für die Abschlussklasse dieses Bildungsgangs. Die GEW geht davon aus, dass dadurch realistischerweise mehr als die Hälfte der Schüler/innen nach der 9. Klasse zu Abbrechern der Werkrealschule werden. Damit ist diese Schule für die meisten nicht mit einer zusätzlichen Chance, sondern mit größeren Versagenserlebnissen, mit Aussortieren und Beschämen verbunden. Die Werkrealschule bietet keineswegs gleiche Chancen wie die Realschule.

Allen Schüler/innen mit einer echten Realschulempfehlung muss geraten werden, dass sie auf eine echte Realschule gehen. Denn dort brauchen sie nur ein Versetzungszeugnis nach Klasse 10, während in der Werkrealschule ein Notendurchschnitt von 3,0 in den Kernfächern notwendig sein soll. Ausgerechnet das Kultusministerium, das die Hauptschule zur Schule der "praktisch Begabten" erklärt, macht den Zugang zum Werkrealschulabschluss nur von den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch abhängig.

Offensichtlich ist es das einzige Ziel der Landesregierung, viele kleine Hauptschulen zu schließen und die Diskussion um die Schulstruktur zu unterdrücken. Dem fällt jede pädagogische und bildungspolitische Vernunft zum Opfer. Das Wirrwarr, das mit der beabsichtigen Verzahnung der Werkrealschule mit der Berufsfachschule entstehen wird, sorgt außerdem für völlig unpraktikable Zustände an den Schulen.

Doro Moritz erklärte: "Ein Ministerium, das versucht, so etwas als Fortschritt zu verkaufen, hat die Bezeichnung "Bildungsministerium" nicht verdient. Ich erwarte vom Kultusministerium, dass es diesen Entwurf zurückzieht."

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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