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GEW Bayern mahnt regulären Schulbeginn für geflüchtete Kinder an

Die Schule hat auch in Bayern wieder begonnen – aber nicht alle Kinder dürfen hin. Geflüchteten Kindern und Jugendlichen in diversen Flüchtlingsunterkünften des Freistaats wird der Zugang zu regulären Schulen außerhalb der Lager verwehrt. Sie bekommen höchstens eine Art „Rumpf-Unterricht“ in den „Lagerschulen“.

11.09.2018 Bayern Pressemeldung GEW Bayern
  • © ZouZou/Shutterstock

„Bis zu zwei Jahre Isolation in den Unterkünften, das verstößt klar gegen die UN-Kinderrechtskonvention“, sagte heute der GEW-Landesvorsitzende Anton Salzbrunn in München. Die ebenfalls gesetzlich vorgeschriebene Inklusion stelle man sich anders vor. Salzbrunn weiter: „Wir appellieren an die Staatsregierung, alle Wege zu prüfen, um geflüchteten Schulpflichtigen den Besuch regulärer Schulen außerhalb der Unterkünfte zu ermöglichen. Die Staatsregierung und alle Behörden fordern wir dazu auf, sich zum Grundsatz Bildung und Schule von Anfang an zu bekennen.“ 

Das Verwaltungsgericht München hatte Anfang diesen Jahres sechs Kindern aus dem Lager Ingolstadt das Recht zuerkannt, die reguläre Schule außerhalb der Unterkunft zu besuchen. In einem dürren Schreiben an den Bayerischen Landtag hat Minister Sibler am 3. September2018 berichtet, dass „insgesamt 8 Vollzeitschulpflichtige“ aus dem „Transitzentrum Manching/Ingolstadt den Unterricht in einer Sprengelschule“ besuchen durften. Auf einen Beschluss des Landtags hin listet die Staatsregierung insgesamt auf, dass 1350 Schulpflichtige in den diversen Unterkünften leben. Zum Auftrag des Landtags zu berichten, ob nach dem Gerichtsurteil allen Schulpflichtigen der Besuch von regulären Klassen ermöglicht wird, schweigt Minister Sibler. Die GEW erwartet hier eine rasche Antwort. 

Ansonsten bleibt die Staatsregierung weiter hinter ihrem Anspruch zurück, eine humane Asyl- und Migrationspolitik zu gestalten. Gerade auch die für den 11. September wieder angesetzten Abschiebungen nach Afghanistan lehnt die GEW Bayern als klar menschenrechtswidrig ab. Nachdem die Abschiebungen nach Afghanistan im August besonders brutal durchgeführt wurden und auch Schüler aus Berufsintegrationsklassen trafen, plant die Staatsregierung jetzt unter anderen die Deportation eines gesundheitlich schwer beeinträchtigten Flüchtlings nach Kabul.

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Ein Kommentar vorhanden

  • Susann Dohm 07.10.2018 15:31 Uhr
    Nicht nur Flüchtlinge. Auch Kinder mit einer festgestellten Schwerbehinderung, die eine inklusive Beschulung am Wohnort benötigen, müssen oft viele Monate oder gar Jahre daheim sitzen, weil die inklusiven Rahmenbedingungen in Bayern / Deutschland nicht ausreichend geschaffen werden und schaffen dann den Anschluss in der Regelschule nicht, wenn sie dorthin durch erfolgreiche Verhandlungen vor dem Gericht, an die Regelschulen zurückgeführt werden. Ist dies dann auch ein Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention? Gut zu wissen.

    Inklusion ist, wenn anders sein normal ist.
    Was heute an vielen Grundschulen versucht wird, ist dagegen Integration bzw. die erste Stufe des Versuchs von Inklusion. Diese erste Stufe ermöglicht es Kindern mit "festgestellter Schwerbehinderung von mindestens 50%" (denn für diese Kinder wurde die UN-Behindertenrechtskonvention nämlich gemacht und nicht für die Integration von NICHTBEHINDERTEN Kindern, denn es heißt ja auch nicht "UN-Mit_festgestellten_sonderpädagogioschen_Förderbedarf-Konvention", den Besuch an einer Regelschule unter den bisherigen Rahmenbedingungen, die ursprünglich für Nichtbehinderte entwickelt wurden.

    Für die wirklich behinderten Kindern, reicht diese Form der Integration jedoch nicht aus, weil es kein "offenens Lernen" gibt, die Regelschullehrer/innen keine sonderpädagogische Ausbildung haben, es in den Inklusionsklassen keine Sonderpädagogin für die gesamte Unterrichtszeit gibt, es keine "schulischen Assistenzkräfte" in ausreichender Form gibt und der Lehrplan nicht entsprechend den inklusiven Bedingungen angepasst werden. Die Schulgesetze wurden bisher nicht ausreichend novelliert. Die bisherigen Schulgesetze wurden ursprünglich für die nichtbehinderten Kinder entwickelt.

    Wenn richtige Inklusion gelebt wird, lernen Kinder im "offenen Unterricht". Hier lernen jüngere und ältere Schüler aus 3 Jahrgängen gemeinsam in wechselnden gemischten Lerngruppen. Es gibt keine Schulklassen mehr. Jeder Schüler verfolgt seinen ganz individuellen Lehrplan. Dies funktioniert mit der Wochenplanarbeit. Mit der Wochenplanarbeit bekommt jedes Kind seinen eigenen Lehrplan, dieser kann dann im eigenen Tempo abgearbeitet werden. Dadurch verringern sich Schulängste und der Leistungsdruck und die soziale Kompetenz wird dadurch verbessert.

    Natürlich müssen auch die nichtbehinderten Kinder ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend begleitet werden, aber bei "richtiger" Inklusion, wäre das automatisch der Fall. So würden Lehrer zu Lernbegleitern werden.

    Dafür benötigen die Schulen mehr finanzielle Unterstützung vom Bund und Lehrerausbildungen im sonderpädagogischen Bereich. Solange es auf Länderebene bleibt und die kalten selektiven Systeme erhalten bleiben und diese Einrichtungen durch genügend Nachschub bestehen bleiben dürfen, werden sich die Regelschulen nicht inklusiv ausreichend entwickeln können und die Gewalt wird weiter zunehmen.

    Viele Mitarbeiter vom Jungendamt wissen noch nicht viel von "schulischer Inklusion" und konnten bei unserer Verhandlung vor dem Sozialgericht direkt vom Richter erfahren, welche Rechte wir Eltern bereits heute haben. Selbst Lehrer/innen an Schulen mit dem Schulprofil Inklusion, wissen oft nicht was Inklusion wirklich bedeutet. Auch die Mitarbeiter der Ministerien oder Politiker wissen oft nicht was Inklusion wirklich bedeutet und welches Recht die Eltern bereits heute haben, außer sie haben selbst behinderte Kinder. Solange man selbst nicht davon betroffen ist, interessiert man sich nicht dafür. Dabei kann eine Behinderung jeden Treffen. Durch einen Unfall oder einer schweren Krankheit.

    Nur wir Eltern können durch Aufklärung in der Gesellschaft einen Bewußtseinswandel bewirken. Denn Italien hat es doch auch geschafft und lebt "schulische Inklusion " bereits seit über 35 Jahren erfolgreich. Dort gehen die Kinder gemeinsam 5 Jahre zur Grundschule. Danach gehen alle 3 Jahre zur Mittelschule und danach wird entschieden, wer das Abitur machen möchte. In Italien gibt es keine Förderschulen mehr.

    Wir Eltern müssen uns verbinden und voneinander lernen. Regional können Eltern anfangen sich in kleinen Gruppen zu helfen. Oft reicht es zu Beginn, wenn zwei Familien sich unterstützen. Als Beistand/Zeuge mit zu den Gesprächen gehen. Öffentlichkeitsarbeit ist ein sehr wichtiges Thema. Manchmal muß man leider vor Gericht gehen, aber das ist wichtig um das Recht einfordern zu können. Jede Behörde lernt dann daraus und versteht etwas mehr von Inklusion. Das ist zwar alles nicht unsere Aufgabe als Eltern, aber es geht derzeit nicht anders.

    Wir, Inklusionsbewegung Starnberg, beraten andere Familien in ganz Deutschland nun seit einigen Jahren und es ist immer der gleiche Ablauf. Die Institutionen wissen nicht was "schuliche Inklusion" ist und kennen nicht die Rechte, die durch die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 geschaffen wurden. Da müssen wir nachhelfen, es wird sonst kein anderer für unsere Kinder tun, da es keine Lobby für Behinderte gibt.

    Ihr könnt selbst diese "Selbsthilfegruppen" regional gründen und sie "Inklusionsbewegung Hamburg", "Inklusionsbewegung Stuttgart", "Inklusionsbewegung Frankfurt", "Inklusionsbewegung Magdeburg", "Inklusionsbewegung Berlin" usw. nennen.

    Eine Internetseite ist sehr wichtig, damit Ihr andere beroffene Familien erreichen könnt, denn viele nutzen Facebook noch nicht. Aber mit dem Baukastensystem kann man heute ganz leicht eine eigene Webseite erstellen und so teuer sind sie nicht mehr in der geringsten Variante. Später könnt ihr regionale Elterntreffen planen, wenn ihr euch stark genug fühlt und gemeinsam zu politischen Veranstaltungen gehen oder auch die Presse ansprechen.

    Ihr habt viel mehr Möglichkeiten, als Ihr denkt und natürlich gibt es auch bereits gute Schulen und einzelne Erfolge, aber es sind Ausnahmen. Noch!

    Gebt nicht auf. In jeder Schulklasse gibt es derzeit bis zu 5 Kinder mit festgestellten sonderpädagogischem Förderbedarf. Davon sind unter 1 % Kinder mit einer echten anerkannten Schwerbehinderung (größer GdB 50%=Grad der Behinderung).

    Würden alle Schulen Inklusion machen, wären in jeder Klasse ca. 1-2 Kinder mit einer festgestellten Schwerbehinderung.

    An jedem Stein der mir von den Institutionen in den Weg gelegt wird, wachse ich und erst wenn "anders sein normal geworden ist", haben wir wirklich "schulische Inklusion" erreicht und dann wird das Wort Inklusion überflüssig werden.

    Und wenn der Freistaat weiterhin keine Inklusion ermöglicht, dann werden wir unsere eigenen Schulen gründen und zeigen wie Inklusion möglich ist und welche großartigen Erfolge diese Kinder erreichen können, wenn man ihnen mehr Zeit gibt und neue Lernmöglichkeiten und vor allem mehr Verständnis und Vertrauen in ihre Fähigkeiten und sie annimmt wie sie sind.

    Bitte unterstützt unsere neue Petition auf change.org

    https://www.change.org/p/bernd-sibler-endlich-inklusion-oder-die-%C3%A4nderung-der-schulpflicht-f%C3%BCr-behinderte-in-eine-bildungspflicht

    Euch allen Viel Erfolg
    Susann Dohm

    Inklusionsbewegung Starnberg
    Wir sind eine Selbsthilfegruppe von Angehörigen von Menschen mit Behinderung/-en und Interessenvertretung auch gegenüber der Politik, zur Vernetzung von Institutionen, sammeln hilfreiche Informationen, betreiben Aufklärung, um Inklusion von Anfang an sicherzustellen und damit die Selbstbestimmung und Persönlichkeitsbildung innerhalb der gesellschaftlichen Teilhabe von behinderten Menschen zu fördern.
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