Baden-Württemberg

GEW: Gymnasien stehen vor großen Herausforderungen

"Wenn bis zu 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule auf ein Gymnasium wechseln, ist das nicht mehr das Gymnasium, das wir bisher kennen. Die Lehrerinnen und Lehrer an allen weiterführenden Schulen stehen derzeit vor großen Herausforderungen, bei denen sie besser unterstützt werden müssen. Stattdessen erleben sie, dass Sparmaßnahmen ihre Arbeit immer schwerer machen" sagte am Montag (04.02). in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

04.02.2014 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Beim landesweiten Gymnasialtag der GEW sprach der Bildungs- und Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann aus Berlin über das "Gymnasium der Zukunft". Hurrelmann sprach sich für ein "Zwei-Wege-Modell" aus. Ein starkes leistungsorientiertes Gymnasium und als zweiter Weg die Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe sollen zur Hochschulreife führen. Er sieht in diesem Modell auch eine Chance für die bestehenden Gymnasien, um ihr eigene Stärke erhalten und weiterentwickeln zu können.

Bei der GEW-Fachtagung zeigte sich, dass ein Schulsystem als Zwei-Säulen-Modell aus Gemeinschaftsschule mit gymnasialen Standards und dem Gymnasium derzeit die richtige Antwort auf die Herausforderungen in Baden-Württemberg sein kann. Voraussetzung sei, dass die in der Expertise Gemeinschaftsschule formulierten Bedingungen für die Erreichung gymnasialer Standards erfüllt werden. "Keine Schulart hat zum Beispiel derzeit die Rahmenbedingungen, um der Verpflichtung zur Umsetzung der Inklusion gerecht werden zu können. Durch die veränderten Übergangszahlen werden an den Gymnasien der hohe Leistungsanspruch und gymnasiale Standards in Frage gestellt. Auch die beste Förderung kann nicht jeden und jede zur Hochschulreife führen. Die Landesregierung steht vor der großen Herausforderung, eine neue Schullandschaft zu gestalten, in der auch die Gymnasien ihre Aufgaben in hoher Qualität erfüllen können", sagte Moritz.

Sachliche Diskussion nötig – Kritik an Kretschmann

Die GEW macht sich für eine sachliche Diskussion stark, die keine Fronten zwischen den Schularten eröffnet. "Die steigenden Mitgliedszahlen bei den Gymnasiallehrkräften in der GEW zeigen, dass die pädagogischen Profis die anstehenden Aufgaben nicht mit Schlagwörtern und großen Buchstaben lösen wollen. Gerade angehende junge Lehrerinnen und Lehrer für das Lehramt Gymnasien signalisieren, dass sie sich vorstellen können, später sowohl an allgemein bildenden Gymnasien als auch an Gemeinschaftsschulen zu unterrichten. Das eröffnet dieser Gruppe auch bessere Einstellungschancen", sagte Moritz.

Die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz kritisierte auf dem Gymnasialtag auch die Aussagen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der bei der DGB-Bezirkskonferenz eine Qualitäts- statt einer Quantitätsdiskussion gefordert hatte. "Der Ministerpräsident sollte seinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien erklären, wie die Qualität verbessert werden kann, wenn gleichzeitig keine Gelder mehr für die Hausaufgabenbetreuung mehr da sind, keine Stunden für die aufwendige Betreuung der Fachmittelräume zur Verfügung stehen oder die Gymnasien beim Ausbau der Ganztagsschulen bisher außen vor bleiben", sagte Moritz.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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