GEW: "KMK verspielt Chancen"

"Die Kultusminister sind auf dem besten Weg, die Chancen, die die Bildungsstandards bieten, zu verspielen. Statt konsequent auf die Karte ,Förderung der Schüler' zu setzen, dienen auch die neuen Bildungsstandards in erster Linie dazu, die Auslese der Kinder zu perfektionieren", sagte Eva-Maria Stange, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Montag in Frankfurt a.M. zur Vorlage neuer Bildungsstandards durch die Kultusministerkonferenz (KMK).

21.06.2004 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Bildungsstandards machten nur Sinn, wenn sie rechtzeitig zur Feststellung von Kompetenzdefiziten der Schüler eingesetzt werden. Nicht ausreichende Kenntnisse müssten sofort durch zusätzliche individuelle Fördermaßnahmen ausgeglichen werden. "Standards in Klasse 4 und 9 helfen den Schülern überhaupt nicht. Unterstützungsleistungen können zu diesem Zeitpunkt nicht mehr greifen", betonte Stange. Die Standards würden missbraucht, um Kinder vermeintlich gerechter als Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten einzusortieren sowie sie in den Beruf oder weiter auf die Schule zu schicken. "So werden soziale und ethnische Benachteiligungen verstärkt. Die KMK gibt damit genau die falsche Antwort auf die miserablen PISA-Ergebnisse ", unterstrich die GEW-Chefin. Die Schulleistungsstudie PISA hatte gezeigt, dass in Deutschland die soziale Herkunft der Kinder ihre Bildungschancen stärker bestimme als in allen anderen vergleichbaren Industriestaaten.

"Die Standards müssen endlich in ein Gesamtkonzept der Schul- und Qualitätsentwicklung eingebettet und von unabhängigen Wissenschaftlern begleitet werden. Im Moment steuern 16 Kapitäne mindestens ebenso viele Häfen an - ohne gemeinsames Ziel und ohne Kompass. Die KMK muss die Lehrkräfte in den Prozess einbeziehen, damit die Standards auch an den Schulen ankommen. Die bisherigen Aktivitäten tragen wenig dazu bei, Benachteiligungen abzubauen und das Leistungsniveau an unseren Schulen zu verbessern", sagte Stange. Sie verlangte, sich von dem Vorhaben zu verabschieden, für jede Schulart eigene Standards zu entwickeln. "Wir brauchen Standards, die für alle Schulen gelten!

Vor dem Hintergrund der grundsätzlichen Kritik ihrer Organisation forderte Stange, die Hauptschulstandards für das Fach Deutsch zurückzuziehen. Die Standards für die erste Fremdsprache müssten gründlich überarbeitet werden, die für Mathe seien als Grundlage für die weitere Diskussion geeignet. Die vorgelegten Grundschulstandards entsprächen dem Stand der fachlichen Diskussion, Schwächen müssten jedoch noch ausgeglichen werden.

Info: Die KMK stellt heute in Berlin die Bildungsstandards für den Hauptschulabschluss Klasse 9 in den Fächern Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache sowie für die Klasse 4 in den Fächern Deutsch und Mathematik vor.


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