World Teachers' Day

GEW & VBE: „Bildungsqualität nur durch massive Investitionen sicherzustellen“

„Recht auf Bildung heißt Recht auf gut ausgebildete Lehrkräfte“, lautet das Motto des World Teachers‘ Day 2018, der am 5. Oktober von der UNESCO, der internationalen Arbeitsorganisation ILO und dem Gewerkschaftsdachverband Bildungsinternationale (Education International) begangen wird.

04.10.2018 Bundesweit Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
  • © www.pixabay.de

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sind Gründungsorganisationen der Bildungsinternationale. Sie setzen sich in Deutschland und international für gute Bildung sowie Anerkennung und Stärkung der Profession der Lehrenden ein. Mit Blick auf die sowohl in Deutschland als auch international eklatanten Missstände im Bildungssystem mahnen sie von den politisch Verantwortlichen mehr Geld für den Bildungsbereich an.

„Bildung ist Menschenrecht und das Fundament individueller und gesellschaftlicher Entwicklung. Die Politik ist unseren Kindern, unseren Lehrkräften und unserer Gesellschaft gegenüber verpflichtet, dieses Recht einzulösen. Das bedeutet: Es braucht seit langem und nicht erst ab morgen massive Investitionen in die Ausbildung qualifizierter Lehrkräfte. Der aktuell eklatante Lehrermangel ist nicht vom Himmel gefallen, sondern Folge jahrelanger Versäumnisse der Politik, vorausschauend und ausreichend zu investieren. Dort, wo wir Unterricht derzeit über Seiten- und QuereinsteigerInnen gewährleisten, braucht es entsprechende Vorqualifizierungen für diese Personen“, so Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).

„Es mangelt an Wertschätzung gegenüber Lehrerinnen und Lehrern, das belegen nicht zuletzt auch Umfragen des VBE. Was Lehrkräfte in Zeiten von Lehrermangel und zusätzlicher Herausforderungen wie etwa Integration und Inklusion leisten und mit welch hohem Engagement sie dies zu tun, verlangt höchsten Respekt. Und dieser muss sich endlich auch in angemessenen personellen und finanziellen Ressourcen im Bildungswesen widerspiegeln“, so Beckmann.

„Fast könnte man denken, dass UNESCO, ILO und Bildungsinternationale die deutsche Bildungsmisere zum Anlass für die Wahl des Mottos zum Weltlehrertag genommen haben“, betont GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. „Doch nicht nur in Deutschland fehlen tausende qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer: Nach Angaben der UNESCO werden rund 69 Millionen zusätzliche Lehrkräfte benötigt, um allen Kindern weltweit eine Schulausbildung zu ermöglichen. Dieses Ziel will die internationale Staatengemeinschaft bis 2030 erreichen.“ 

„Gute Bildung gibt es nur mit gut ausgebildeten Fachkräften“, unterstreicht Tepe, die auch Vizepräsidentin der Bildungsinternationale ist. „Das UN-Nachhaltigkeitsziel einer inklusiven und hochwertigen Bildung gilt auch für Deutschland. Wir steuern jedoch auf einen Bildungsnotstand zu. Deshalb brauchen wir einen Schulterschluss von Bund, Ländern und Kommunen. Die Länder haben es schlicht verschlafen, ausreichend Lehrkräfte insbesondere für Grundschulen auszubilden, um die Unterrichtsversorgung trotz Pensionierungswelle und steigender Schülerzahlen sicherzustellen. Jetzt ist es wichtig, den vielen Seiten- Quereinsteigern Wertschätzung entgegenzubringen und sie pädagogisch zu qualifizieren. Dafür müssen erhebliche Anstrengungen unternommen werden. Die Bundesregierung ist gefordert, ihrer nationalen und internationalen Verantwortung gerecht zur werden und mehr Mittel für Bildung in der Bundesrepublik und der Entwicklungszusammenarbeit bereitzustellen.“

Hintergrund

Seit 1994 wird der World Teachers‘ Day jährlich am 5. Oktober gefeiert – in Erinnerung an die „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“, die 1964 von UNESCO und ILO gemeinsam verkündet wurde. Seitdem heißt das Ziel: qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer für eine gute Bildung für alle Menschen. Die Bildungsinternationale, die weltweit rund 400 Lehrer- und Bildungsgewerkschaften mit mehr als 30 Millionen Mitgliedern vertritt, setzt sich für die „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“ und das 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedete Nachhaltigkeitsziel 4 zur Bildung ein. Dieses will bis 2030 „für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern“.


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Ein Kommentar vorhanden

  • Susann Dohm 07.10.2018 15:34 Uhr
    Genau und aus diesem Grunde konnte bisher keine "schulische Inklusion" entwickelt werden.

    Inklusion ist, wenn anders sein normal ist.
    Was heute an vielen Grundschulen versucht wird, ist dagegen Integration bzw. die erste Stufe des Versuchs von Inklusion. Diese erste Stufe ermöglicht es Kindern mit "festgestellter Schwerbehinderung von mindestens 50%" (denn für diese Kinder wurde die UN-Behindertenrechtskonvention nämlich gemacht und nicht für die Integration von NICHTBEHINDERTEN Kindern, denn es heißt ja auch nicht "UN-Mit_festgestellten_sonderpädagogioschen_Förderbedarf-Konvention", den Besuch an einer Regelschule unter den bisherigen Rahmenbedingungen, die ursprünglich für Nichtbehinderte entwickelt wurden.

    Für die wirklich behinderten Kindern, reicht diese Form der Integration jedoch nicht aus, weil es kein "offenens Lernen" gibt, die Regelschullehrer/innen keine sonderpädagogische Ausbildung haben, es in den Inklusionsklassen keine Sonderpädagogin für die gesamte Unterrichtszeit gibt, es keine "schulischen Assistenzkräfte" in ausreichender Form gibt und der Lehrplan nicht entsprechend den inklusiven Bedingungen angepasst werden. Die Schulgesetze wurden bisher nicht ausreichend novelliert. Die bisherigen Schulgesetze wurden ursprünglich für die nichtbehinderten Kinder entwickelt.

    Wenn richtige Inklusion gelebt wird, lernen Kinder im "offenen Unterricht". Hier lernen jüngere und ältere Schüler aus 3 Jahrgängen gemeinsam in wechselnden gemischten Lerngruppen. Es gibt keine Schulklassen mehr. Jeder Schüler verfolgt seinen ganz individuellen Lehrplan. Dies funktioniert mit der Wochenplanarbeit. Mit der Wochenplanarbeit bekommt jedes Kind seinen eigenen Lehrplan, dieser kann dann im eigenen Tempo abgearbeitet werden. Dadurch verringern sich Schulängste und der Leistungsdruck und die soziale Kompetenz wird dadurch verbessert.

    Natürlich müssen auch die nichtbehinderten Kinder ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend begleitet werden, aber bei "richtiger" Inklusion, wäre das automatisch der Fall. So würden Lehrer zu Lernbegleitern werden.

    Dafür benötigen die Schulen mehr finanzielle Unterstützung vom Bund und Lehrerausbildungen im sonderpädagogischen Bereich. Solange es auf Länderebene bleibt und die kalten selektiven Systeme erhalten bleiben und diese Einrichtungen durch genügend Nachschub bestehen bleiben dürfen, werden sich die Regelschulen nicht inklusiv ausreichend entwickeln können und die Gewalt wird weiter zunehmen.

    Viele Mitarbeiter vom Jungendamt wissen noch nicht viel von "schulischer Inklusion" und konnten bei unserer Verhandlung vor dem Sozialgericht direkt vom Richter erfahren, welche Rechte wir Eltern bereits heute haben. Selbst Lehrer/innen an Schulen mit dem Schulprofil Inklusion, wissen oft nicht was Inklusion wirklich bedeutet. Auch die Mitarbeiter der Ministerien oder Politiker wissen oft nicht was Inklusion wirklich bedeutet und welches Recht die Eltern bereits heute haben, außer sie haben selbst behinderte Kinder. Solange man selbst nicht davon betroffen ist, interessiert man sich nicht dafür. Dabei kann eine Behinderung jeden Treffen. Durch einen Unfall oder einer schweren Krankheit.

    Nur wir Eltern können durch Aufklärung in der Gesellschaft einen Bewußtseinswandel bewirken. Denn Italien hat es doch auch geschafft und lebt "schulische Inklusion " bereits seit über 35 Jahren erfolgreich. Dort gehen die Kinder gemeinsam 5 Jahre zur Grundschule. Danach gehen alle 3 Jahre zur Mittelschule und danach wird entschieden, wer das Abitur machen möchte. In Italien gibt es keine Förderschulen mehr.

    Wir Eltern müssen uns verbinden und voneinander lernen. Regional können Eltern anfangen sich in kleinen Gruppen zu helfen. Oft reicht es zu Beginn, wenn zwei Familien sich unterstützen. Als Beistand/Zeuge mit zu den Gesprächen gehen. Öffentlichkeitsarbeit ist ein sehr wichtiges Thema. Manchmal muß man leider vor Gericht gehen, aber das ist wichtig um das Recht einfordern zu können. Jede Behörde lernt dann daraus und versteht etwas mehr von Inklusion. Das ist zwar alles nicht unsere Aufgabe als Eltern, aber es geht derzeit nicht anders.

    Wir, Inklusionsbewegung Starnberg, beraten andere Familien in ganz Deutschland nun seit einigen Jahren und es ist immer der gleiche Ablauf. Die Institutionen wissen nicht was "schuliche Inklusion" ist und kennen nicht die Rechte, die durch die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 geschaffen wurden. Da müssen wir nachhelfen, es wird sonst kein anderer für unsere Kinder tun, da es keine Lobby für Behinderte gibt.

    Ihr könnt selbst diese "Selbsthilfegruppen" regional gründen und sie "Inklusionsbewegung Hamburg", "Inklusionsbewegung Stuttgart", "Inklusionsbewegung Frankfurt", "Inklusionsbewegung Magdeburg", "Inklusionsbewegung Berlin" usw. nennen.

    Eine Internetseite ist sehr wichtig, damit Ihr andere beroffene Familien erreichen könnt, denn viele nutzen Facebook noch nicht. Aber mit dem Baukastensystem kann man heute ganz leicht eine eigene Webseite erstellen und so teuer sind sie nicht mehr in der geringsten Variante. Später könnt ihr regionale Elterntreffen planen, wenn ihr euch stark genug fühlt und gemeinsam zu politischen Veranstaltungen gehen oder auch die Presse ansprechen.

    Ihr habt viel mehr Möglichkeiten, als Ihr denkt und natürlich gibt es auch bereits gute Schulen und einzelne Erfolge, aber es sind Ausnahmen. Noch!

    Gebt nicht auf. In jeder Schulklasse gibt es derzeit bis zu 5 Kinder mit festgestellten sonderpädagogischem Förderbedarf. Davon sind unter 1 % Kinder mit einer echten anerkannten Schwerbehinderung (größer GdB 50%=Grad der Behinderung).

    Würden alle Schulen Inklusion machen, wären in jeder Klasse ca. 1-2 Kinder mit einer festgestellten Schwerbehinderung.

    An jedem Stein der mir von den Institutionen in den Weg gelegt wird, wachse ich und erst wenn "anders sein normal geworden ist", haben wir wirklich "schulische Inklusion" erreicht und dann wird das Wort Inklusion überflüssig werden.

    Und wenn der Freistaat weiterhin keine Inklusion ermöglicht, dann werden wir unsere eigenen Schulen gründen und zeigen wie Inklusion möglich ist und welche großartigen Erfolge diese Kinder erreichen können, wenn man ihnen mehr Zeit gibt und neue Lernmöglichkeiten und vor allem mehr Verständnis und Vertrauen in ihre Fähigkeiten und sie annimmt wie sie sind.

    Bitte unterstützt unsere neue Petition auf change.org

    https://www.change.org/p/bernd-sibler-endlich-inklusion-oder-die-%C3%A4nderung-der-schulpflicht-f%C3%BCr-behinderte-in-eine-bildungspflicht

    Euch allen Viel Erfolg
    Susann Dohm

    Inklusionsbewegung Starnberg
    Wir sind eine Selbsthilfegruppe von Angehörigen von Menschen mit Behinderung/-en und Interessenvertretung auch gegenüber der Politik, zur Vernetzung von Institutionen, sammeln hilfreiche Informationen, betreiben Aufklärung, um Inklusion von Anfang an sicherzustellen und damit die Selbstbestimmung und Persönlichkeitsbildung innerhalb der gesellschaftlichen Teilhabe von behinderten Menschen zu fördern.
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