Hessen

Gewerkschaften erneuern Kritik an Lernstandserhebungen!

Nach den Erhebungen ist vor den Erhebungen: GEW und VBE erneuern Forderung nach Freiwilligkeit und kindgemäßer Aufgabenstellungen der Lernstandserhebungen in den 3. Klassen:

30.05.2011 Pressemeldung GEW Hessen

Mit Nachdruck erneuern die GEW Hessen und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen ihre Kritik an den Lernstandserhebungen, die dieser Tage in den dritten Klassen aller Grundschulen durchgeführt wurden. "Leider wurde die Chance für eine Neuorientierung bei den Lernstandserhebungen nicht genutzt", so Engelbert Jennewein, Sprecher der Fachgruppe Grundschule der GEW-Hessen. "Wir fordern keine kosmetische Korrekturen, sondern passendes Handwerkszeug für selbstkritische Unterrichtsentwicklung."

Dem landesweiten Sturm der Entrüstung nach den Lernstandserhebungen 2011 folgten Zusagen des Hessischen Kultusministeriums und des Institutes für Qualitätsentwicklung (IQ), Veränderungen inhaltlicher und organisatorischer Art zu bewirken. So wollte man sich bezüglich der Aufgabenstellungen beim entwickelnden Institut in Berlin für eine kindgemäßere Einbettung einsetzen, die Durchführung im Fach Mathematik wurde auf zwei Tage geteilt und die Schulen erhielten die Aufgabenhefte fertig gedruckt.

"Es ist wichtig, dass wir uns jetzt nicht einfach nur freuen, dass wir die tausendfachen Kopien für die Lernstandserhebungen in diesem Jahr nicht selbst auf dem Schulkopierer machen mussten. Auch inhaltlich sind weitere Verbesserungen nötig", so Stefan Wesselmann, stellvertretender Landesvorsitzender des VBE-Hessen. Die Aufgaben in Mathematik seien zwar in diesem Jahr besser an der Lebenswelt der Kinder orientiert gewesen, jedoch verhindere die große Sprachlastigkeit weiterhin, die mathematischen Fähigkeiten bei Kindern mit Leseschwierigkeiten zuverlässig zu diagnostizieren. "Zudem hilft es den Kindern ohne ausreichende Deutschkenntnisse bei der sprachlichen Überforderung auch nicht weiter, dass ihre Ergebnisse aufgrund ihres Migrationshintergrundes im Landesmittelwert korrigiert werden."

Auch in Bezug auf die Schwerpunktsetzungen sind sich die Vertreter der beiden Gewerkschaften einig: "Wenn die Kompetenzen inhaltlich einseitig überprüft werden, verfälscht dies das Bild der Leistungen einer Lerngruppe erheblich", kritisiert Stefan Wesselmann und Engelbert Jennewein ergänzt: "So sind die Lernstandserhebungen für die Lehrkraft als Evaluationsinstrument für den eigenen Unterricht unbrauchbar. Im vergangenen Jahr wurde in Mathematik beispielsweise im Wesentlichen der Bereich Daten und Wahrscheinlichkeit abgefragt, in diesem Jahr der Bereich Muster und Strukturen.

Jennewein sieht die bundesweite Verpflichtung für die Lernstandserhebungen im dritten Schuljahr als erneuten Beleg, dass die beschworene "Selbstständigkeit von Schulen" nur eine Chimäre ist. "Nach wie vor nimmt die Kultusbürokratie offensichtlich nicht zur Kenntnis, dass bereits sehr viele Grundschulen erfolgreich ihren Unterricht evaluieren, sei es durch kompetenzorientierte Lesetests, sei es durch Rechtschreiberhebungen, wie z.B. die Hamburger Schreibprobe. Die Schulen entwickeln mit viel Aufwand entsprechende Konzepte und wenden für standardisierte Diagnoseinstrumente gar erhebliche Finanzmittel auf." Er erwarte für die Kolleginnen und Kollegen, dass ihre Kosten, Mühen und Erfolge endlich anerkannt und vergolten werden. "Wenn ich jedoch zusätzlich zu den schulinternen Evaluationsverfahren auch noch viele Stunden für die Durchführung und Auswertung eines aufgezwungenen Diagnoseverfahrens aufbringen muss, dann muss an anderer Stelle Entlastung erfolgen". Mit Blick auf die Lernstandserhebungen an den weiterführenden Schulen erneuerte er die Forderung, auch für die Grundschule die Teilnahme frei zu stellen.

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GEW Hessen

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