Gleiche Chancen für Arbeiter- und Chefarztkind

"Wir begrüßen, dass Kultusminister Helmut Rau die individuelle Förderung von Kindern ausbauen will. Damit stoppt er die Kürzungspolitik seiner Vorgängerin Schavan, unter der zuletzt für jede Schülerin und jeden Schüler in der Grund- und Hauptschule im Durchschnitt nur noch 30 Sekunden Förderunterricht pro Woche angeboten wurde. Bei gleicher schulischer Leistung muss ein Arbeiterkind die gleichen Chancen haben wie ein Chefarztkind. Um dies zu erreichen, brauchen wir gezielte Förderprogramme für benachteiligte Schülergruppen", sagte am Donnerstag in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

03.11.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Die Bildungsgewerkschaft macht sich auch für längere gemeinsame Schulzeiten stark. "Zwei Drittel der baden-württembergischen Realschüler und gut ein Viertel der Hauptschüler könnte bezogen auf ihre Mathematikleistungen auch ein Gymnasium besuchen. Das zeigt, wie fragwürdig die frühe Trennung der Kinder nach der vierten Klasse ist. Durch die erfolgreiche Arbeit an den Beruflichen Gymnasien erreichen zwar viele junge Erwachsene die Hochschulreife. Mit einer längeren gemeinsamen Schulzeit und bei gleichzeitigem Ausbau der gezielten Förderung von Schülerinnen und Schülern könnten aber noch weit mehr Jugendliche einen höheren Abschluss erreichen und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern", so Dahlem.

Die GEW geht davon aus, dass durch den Rückgang der Schülerzahlen in Baden-Württemberg langfristig viele Schulstandorte gefährdet sind und spätestens dann auch in Baden-Württemberg über neue Schulstrukturen diskutiert werden müsse.

In fünf Jahren Sitzenbleiberquote halbieren

Die GEW schlägt Kultusminister Helmut Rau außerdem vor, die Sitzenbleiberquote in den nächsten Jahren zu halbieren. "Sitzen bleiben ist nicht nur pädagogisch fragwürdig, weil damit dem einzelnen Kind nur wenig geholfen wird, sondern auch teuer. Wir schlagen vor, dass sich die Schulen das Ziel setzen, in einem Zeitraum von fünf Jahren die Sitzenbleiberquote zu halbieren. Dadurch wird Geld gespart, dass für die gezielte Förderung von Kindern und Jugendlichen ausgegeben werden kann", so Dahlem.

Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass die 25.189 Sitzenbleiber in Baden-Württemberg im Schuljahr 2003/04 Gesamtkosten in Höhe von 123 Millionen Euro verursachten. In Baden-Württemberg mussten 2,1 Prozent der Schüler/innen eine Klasse wiederholen. Bundesweit hat der Südwesten die zweitniedrigste Sitzenbleiberquote.

7.120 Wochenstunden Stütz- und Förderunterricht

In den 2.722 Grund- und Hauptschulen in Baden-Württemberg gab es im Schuljahr 2003/04 für die 665.601 Schüler/innen nur 7.120 Wochenstunden für Stütz- und Förderunterricht. "Das entspricht knapp 30 Sekunden Förderunterricht für jede Schülerin und jeden Schüler. Dieses Beispiel zeigt, dass wir dringend einen Ausbau der individuellen Förderung vor allem in den Grundschulen brauchen. Kein Kind darf zurückgelassen werden", so Dahlem. (Quelle: Kultusministerium Baden-Württemberg)

Weitere Informationen zu PISA 2003: www.gew-bw.de.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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