Große Verunsicherung an Schulen

"Nach den irrationalen und sich jeder Vorstellungskraft entziehenden Gewalttaten an deutschen Schulen ist die Verunsicherung groß. Schüler, Lehrer und Eltern müssen nun spüren, dass ihre Ängste und Gefühle ernst genommen werden und vor allem, dass etwas geschieht. Schon bald zur Tagesordnung überzugehen, wäre ein fürchterliches Signal der Ignoranz", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, wenige Tage nach dem Amoklauf in Ansbach. An den Schulen sei nicht erst seit Winnenden und Ansbach eine Entwicklung zu beobachten, die schwer greifbar und dennoch spürbar sei.

21.09.2009 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Aus Sicht Wenzels liegen die Ursachen für extreme Gewaltausbrüche tief. "Ich glaube, sie haben viel mit innerer Vereinsamung, mit extremen Druck und Emotionen zu tun, die außerhalb jeder Kontrolle liegen. Sie haben auch viel mit unserer neurotischen Lebensweise zu tun, die sich in den Schulen lediglich wieder spiegelt. Wir müssen deshalb in Kindertagesstätten und Schulen gesunde Lern- und Lebensbedingungen schaffen, die dazu führen, dass sich junge Menschen wohl und ernst genommen fühlen. Familien brauchen jede erdenkliche Unterstützung und dürfen nicht allein gelassen werden. Kinder gehören klar zur Familie, das darf aber nicht bedeuten, dass sich die Gesellschaft von der Mitverantwortung verabschiedet."

"Bisher hat jede schreckliche Tat, die an Schulen begangen wurde, Betroffenheit und eine Flut an Vorschlägen zur Verbesserung der Sicherheit und Forderungen ausgelöst. Tiefgreifende und spürbare Veränderungen haben jedoch nicht stattgefunden. Das vermittelt weder den unmittelbar Betroffenen, noch allen anderen Lehrkräften und Schülern ein Gefühl der Sicherheit", stellte Wenzel fest.

Es gibt bislang beschämend wenig Anlaufstellen und Ansprechpartner für Heranwachsende - "und das in einer Zeit, in der Gewalt präsent wie nie zuvor ist. Darauf muss die Politik in einem ersten Schritt reagieren." Wenzel forderte die Bayerische Staatsregierung auf, so viele Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter einzustellen, die nötig sind, um die extrem langen Wartezeiten von teilweise bis zu sechs Wochen für einen Gesprächstermin abzubauen. "Betroffene brauchen schnelle Hilfe und keine Vertröstungen auf spätere Termine." Schulleitungen und Lehrer/innen müssen zudem systematisch fortgebildet werden und angemessenes Verhalten in extremen Krisenszenarien trainieren können."


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