Thüringen

Grundschulhorte: tlv fordert Entscheidung

In der seit einigen Tagen über die Medien geführte Debatte um eine mögliche Verlängerung des Modellversuchs zur Kommunalisierung der Horte hat sich heute der tlv thüringer lehrerverband zu Wort gemeldet. In einem Rundschreiben an die Thüringer Schulen informierte die tlv Landesleitung die Lehrer und Erzieher des Freistaates über die aktuellen Entwicklungen – und sparte dabei nicht mit Kritik am Kommunikationsverhalten der Landesregierung.

11.06.2015 Pressemeldung thüringer lehrerverband

"Es ist nicht anders als rücksichtslos zu nennen, wie hier an den eigentlich Betroffenen vorbei diskutiert und letztlich auch gehandelt wird", beklagt der tlv Landesvorsitzende Rolf Busch die derzeitige Situation. "Das kann, das darf doch nicht sein, dass wir erst aus der Tagespresse von den Plänen der Landesregierung erfahren. Seit zehn Tagen ist dieses Thema jetzt in den Medien. Der Sprecher des Kultusministeriums bestätigt gegenüber den Journalisten Entscheidungen, von denen die Betroffenen selbst offiziell noch gar nichts wissen!"

Besonders ärgerlich, so Busch, sei dies vor dem Hintergrund der gegebenen Versprechungen des Kultusministeriums beim Antritt der rot-rot-grünen Regierung. "Kommunikation auf Augenhöhe, so wie sie uns zugesagt wurde, geht anders", moniert er. "Schließlich geht es hierbei um Menschen, um deren Biografien und berufliche Werdegänge, die nun wieder zwei Jahre lang in Frage stehen sollen."

Dabei gehe es dem thüringer lehrerverband nicht darum, sich dem jetzt genannten Ziel einer gebundenen Ganztagsschule entgegenzustellen. Auch die Frage, ob alle Horte wieder vom Land verwaltet werden sollen, wird innerhalb des Verbands differenziert betrachtet. "Unsere Mitglieder haben durchaus auch positive Erfahrungen in den kommunalen Einrichtungen gemacht", erklärt Rolf Busch. "Was jedoch völlig inakzeptabel ist sind die unterschiedlichen Bedingungen, die für die Kollegen in Abhängigkeit vom jeweiligen Dienstherren herrschen." So hätten viele der Erzieher, die momentan in kommunal verwalteten Horten arbeiten, nur befristete Arbeitsverträge – woran sich bei einer Fortsetzung des Modellversuchs auch nichts ändern würde.

In seinem heutigen Rundschreiben an alle Thüringer Grundschulen informiert der tlv die Kollegen landesweit über den aktuellen Stand der Debatte. Gleichzeitig legt der Verband den Pädagogen einen an die Landesregierung gerichteten Forderungskatalog zur Diskussion vor. Dieser umfasst fünf Punkte, die aus Sicht der thüringer Lehrer und Erzieher zwingend abgeklärt werden müssen, falls der Modellversuch tatsächlich in eine Verlängerung geht und keine endgültige Entscheidung getroffen wird.

"Ein bloßes Hinausschieben, um Zeit zu gewinnen, ist nicht mehr hinnehmbar", fasst Busch das Anliegen des Forderungskatalogs zusammen. "Wenn die Landesregierung tatsächlich diese zwei zusätzlichen Jahre nutzen will, um ein Konzept für die Ganztagsschule zu entwerfen, dann müssen bereits jetzt die Eckpfeiler gesetzt werden." Zu diesen Eckpfeilern gehören nach Ansicht des tlv beispielsweise die Zusicherung von mindestens 0,7 Stellen für alle Erzieher, die Beschränkung der Hortgruppengröße auf maximal 20 Kinder pro Erzieher und die ausschließliche Einstellung von gut qualifizierten Fachkräften.

In seinem Schreiben an die Kollegen formuliert Busch die Erwartungen des tlv an die Landesregierung sehr deutlich: "Wir erwarten, dass bereits jetzt über die grundsätzliche Richtung entschieden wird, damit die Unsicherheit ein Ende hat. Wir erwarten, dass die Frau Ministerin unseren Forderungskatalog sehr ernst nimmt. Und wir erwarten, dass die Landesregierung in Zukunft mit uns kommuniziert, bevor Entscheidungen durch die Presse veröffentlicht werden.


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