Datenerhebung

Grundschullehrkräfte schultern klaglos viel zu viel

Neue Erhebung zeigt mehr Unterrichtsausfälle an Schulen. Nicht die Gymnasien werden zum „Sündenfall der Kultusministerin“, wie es der SPD-Bildungsexperte Dr. Stefan Fulst-Blei behauptet.

16.04.2019 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg
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Der eigentliche Skandal ist, so der Sprecher des Verbands Bildung und Erziehung (VB) Baden-Württemberg, dass von der Politik schlichtweg nicht wahrgenommen wird, dass der extrem niedrige Unterrichtsausfall an den Grundschulen nicht der besonders robusten Gesundheit der Grundschullehrkräfte geschuldet ist, sondern ausschließlich der von der Kultusbehörde proklamierten Verlässlichkeit der Grundschulen bzw. dem dortigen Ganztagesbetrieb. Eltern erwarten, dass kein Grundschulkind vorzeitig nach Hause kommt, und die Grundschullehrkräfte versuchen das nach Kräften umzusetzen. Da werden Klassen zusammengelegt, Teilzeitkräfte über deren übliches Deputat eingesetzt und, wenn die Mathelehrerin wegen Krankheit ausfällt, übernimmt eben der Deutschlehrer zusätzlich den Unterricht. Das wäre an Gymnasien undenkbar; die Schüler werden bei Erkrankung oder Fortbildung des Lehrpersonals dann nach Hause oder in die Hohlstunde geschickt – sie sind ja auch entsprechend älter und selbständiger. Grundschullehrkräfte dagegen schultern annähernd klaglos viel zu viel.

Der VBE setzt sich mit Vehemenz für die schon lange überfällige Aufwertung der Grundschularbeit ein, denn „das Fundament sei nicht nur beim Hausbau von größter Bedeutung“, so der VBE-Sprecher. Ohne hervorragende Grundschulen erübrigten sich auch Hochbegabtengymnasien und Elite-Universitäten.

Der VBE hält es für unredlich, die schlechten Rahmenbedingungen an den Schulen und den Unterrichtsausfall jetzt der CDU-Kultusministerin anzuhängen. Es war die grün-rote Landesregierung mit dem damaligen und heutigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Die Grünen), die lauthals getönt hatte, dass zu viele Lehrer im System seien und 11.600 Lehrerstellen gestrichen werden müssten. Jeder Abiturient hatte es sich damals zweimal überlegt, ob er unter dieser Voraussetzung überhaupt auf Lehramt studieren sollte. Studium und Referat dauern rund sieben Jahre. Wer jetzt über Lehrermangel und Unterrichtsausfall klagt, hat zwar in der Sache Recht, sollte aber mit den Vorwürfen an die Adresse der Kultusministerin zurückhaltend sein, besonders wenn derjenige damals selbst in Regierungsverantwortung gestanden hatte.


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