Grundschulreform ist nicht konsequent

Die Grundschulreform, wonach Kinder entsprechend ihrer Entwicklung in den ersten beiden Jahrgangsstufen ein, zwei oder drei Jahre unterrichtet werden können, ist sicher gut gemeint, geht aus Sicht des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) aber an den Bedürfnissen der Kinder vorbei: "Kindgerechtes Lernen setzt Beziehungsarbeit voraus. Kinder wollen in gewohnter Umgebung arbeiten und in der gemeinsamen Lerngruppe Wir-Gefühle entwickeln. Sie brauchen die Möglichkeit, mit viel Zeit und Ruhe ihr eignes Lerntempo zu entwickeln, um individuelle Lernerfolge zu erzielen. Diese Prozesse werden durch die Reform empfindlich gestört", kritisierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. "Anstatt Ruhe in die Grundschule zu bringen, werden Aus- und Umsortierrituale nun auch zu Beginn der Grundschulzeit praktiziert."

23.09.2009 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Wenzel: "Der Kultusminister schafft innerhalb der Grundschulen neue Strukturen, die ´begabte Kinder´ von ´weniger begabten´ trennen. Die Schüler stehen nun in zusätzlicher Konkurrenz zueinander, der Auslesestress wird in die erste Klasse vor- verlagert. Wer länger Zeit braucht, fühlt sich ´abgehängt´". Auch die Heterogenität innerhalb der Klassen, ein besonderer pädagogischer Vorzug der Grundschulen, werde nun empfindlich gestört. "Die Reform ist daher weder konsequent noch kindgerecht, sondern ein pädagogischer Rückschritt", erklärte Wenzel.

Ein weiteres Ärgernis liegt in der Einführung so genannter Proben- und Übungsphasen, sowie im neu eingeführten "Ansagen von Proben" in vierten Grundschulklassen. "Ich sehe nicht, wie mit diesen Maßnahmen der Druck aus der Grundschule genommen werden soll", sagte der BLLV-Präsident. Mit reglementierten Proben- und Übungsphasen würden Schüler/innen und Lehrer/innen in ein Korsett gezwungen, "obwohl erfolgreiche Schulen viel pädagogische Freiheit brauchen."

Fazit des BLLV: Die von Kultusminister Spaenle propagierte "kindgerechte Grundschule" ist alles andere als kindgerecht. Das Hauptproblem bayerischer Grundschulen wird nicht gelöst: Die alles dominierende zu frühe Aufteilung von Kindern auf verschiedene Schularten


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