Lehrermangel

Gymnasiallehrer an Grundschulen: VBE lehnt Halbierung der Qualifizierung ab

Gerhard Brand, Landesvorsitzender des VBE Ba-Wü: „In der aktuellen Notlage begrüßen wir den Versuch, den Lehrermangel an Grundschulen dadurch zu bekämpfen, indem man weitere Anreize für fachlich und pädagogisch vorgebildetes Personal wie Gymnasiallehrkräfte setzt.“

09.02.2018 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg
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Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Gerhard Brand, kommentierte das aktuelle Vorhaben des Kultusministeriums.

Brand moniert aber deutlich: „Dass sich der Lehrermangel besonders an Grundschulen niederschlägt, ist kein Wunder. Nicht umsonst haben wir 2.000 Lehrkräfte mit gymnasialer Ausbildung, die keine Stelle finden, während 500 Stellen an Grundschulen unbesetzt bleiben. Die Botschaft an die Landespolitik ist eindeutig: Wir brauchen A 13 für alle Lehrkräfte – und das angesichts des bevorstehenden Schülerzuwachses so schnell wie möglich.“

Bei den beabsichtigen Maßnahmen sieht der VBE Baden-Württemberg die Halbierung der berufsbegleitenden Qualifizierung auf ein Jahr kritisch. „Gymnasiallehrkräfte müssen die Gelegenheit bekommen, um sich methodisch und didaktisch den Anforderungen der Grundschule anpassen zu können. Wir sehen dies durch eine Halbierung der berufsbegleitenden Qualifizierung nicht mehr gegeben und fordern dringend, dass die Einarbeitungszeit bei zwei Jahren bleibt“, stellt der Landesvorsitzende des VBE Baden-Württemberg eine klare Forderung auf.

„Auch wenn Gymnasiallehrkräfte fachlich sehr gut vorgebildet sind: Grundschulen haben ein anderes Anforderungsprofil als Gymnasien. Lehrkräfte müssen hier erheblich mehr Erziehungsarbeit leisten und sie werden Klassen vorfinden, die um ein Vielfaches heterogener sind als Gymnasialklassen. Das liegt auch daran, dass Grundschulen die Hauptarbeit bei Inklusion und bei der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund leisten. Für diese Herausforderungen ist eine begleitende zweijährige Qualifizierung dringend nötig“, erläutert Gerhard Brand.

Dass künftig auch Gymnasiallehrkräfte, die nur ein grundschulaffines Fach mitbringen, eingestellt werden, heißt der VBE Baden-Württemberg ebenfalls nicht gut. „Die Lehrkräfte werden an Grundschulen zwei bis drei Fächer unterrichten müssen, um ihr Deputat zu erfüllen. Das heißt, es gibt mindestens ein bis zwei Fächer, in denen diese Lehrkräfte weder fachliche noch die entsprechenden methodischdidaktischen Vorkenntnisse haben“, konstatiert der Landesvorsitzende.

„Lehrerinnen und Lehrer mit nur einem grundschulaffinen Fach einzustellen und gleichzeitig die begleitende Qualifizierung um ein Jahr zu reduzieren, wird Auswirkungen haben. Wir sehen dadurch die Gefahr, dass Grundschulen dann ihre Schülerinnen und Schüler für den Übergang an weiterführende Schulen nicht mehr ausreichend vorbereiten können“, zeigt sich Brand über die beabsichtigen Maßnahmen besorgt.


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