Bayern

Gymnasiallehrer lehnen derzeitiges G8 ab

Gymnasiallehrkräfte haben sich in einer Befragung des Bayerischen- Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) mehrheitlich dafür ausgesprochen, das G8 in seiner aktuellen Form abzuschaffen. An der Befragung mit dem Titel "Was muss sich am Gymnasium ändern?" haben sich 670 Lehrkräfte aus ganz Bayern beteiligt. Davon lehnen 93% das G8 ab.

15.04.2014 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Sie fordern vor allem strukturelle Veränderungen, wie zum Bespiel die Überwindung der Fächerzersplitterung: 73% wünschen sich eine Vermeidung einstündiger Fächer. Über 85 % fordern, Inhalte in den Lehrplänen so zu gestalten, dass sie tatsächlich fächerübergreifend bzw. in einem echten Fächerverbund behandelt werden können. Eine ähnlich breite Zustimmung findet mit über 80 % die Forderung nach einer deutlichen Kürzung der Lehrplaninhalte, um nachhaltiges Lernen und mehr Raum für das Einüben, Anwenden und Lernen in der Schule zu ermöglichen. Die befragten Lehrkräfte wollen zudem deutlich mehr Möglichkeiten zur individuellen Förderung ihrer Schüler (90% wollen ihre Schüler gezielt coachen) sowie eine Reform der Oberstufe - fast 90 % stimmen einer Wiedereinführung des Kurssystems mit Grund- und Leistungskursen zu.

Die BLLV-Befragung fand von Mitte März bis Anfang April statt. Initiiert wurde sie von den Leitern der Fachgruppe Gymnasium im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Sie wollten von ihren Mitgliedern wissen, welche Vorstellungen sie über die künftige Entwicklung des Gymnasiums haben. Über 670 Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich an der Aktion, etwa ein Viertel von ihnen sind noch Studierende des Lehramts Gymnasium. "Die Ergebnisse sind natürlich nicht repräsentativ, sie geben aber dennoch einen interessanten Einblick in die Stimmung an den Gymnasien", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel heute in München.

Die Ablehnung des derzeitigen G8 ist mit 93% eindeutig. Doch auch die diskutierten Alternativmodelle finden zumindest unter den im Dienst befindlichen Gymnasiallehrern keine klaren Mehrheiten: Nur jeweils gut 40 % plädieren dafür, das G9 in Zukunft zum Regelmodell zu machen. Das G8 soll es nach ihren Vorstellungen nur als gebundene Ganztagsschule bzw. als Angebot für wenige, besonders begabte Schüler, geben. Der Vorschlag des Philologenverbandes, das G9 zur Regelschule zu machen, und die 10. Jahrgangsstufe dabei übersprungen werden kann, wird von gut 42 % befürwortet, trifft jedoch auch auf die Ablehnung von über 57 %

Das Gymnasium der Zukunft muss nach dem Willen der BLLV-Mitglieder deutlich stärker auf Förderung ausgerichtet sein. Während etwa 62 % eine Abschaffung der Intensivierungsstunden ablehnen, fordern über 71 % dass die hierfür aufgebrachten Ressourcen und Zeitkontingente für eine individuelle Leistungsdifferenzierung mittels Modularisierung der Wahlpflichtangebote eingesetzt werden. Fast 90 % wollen, dass gezieltes Coaching für Schüler (Lernstrategien, Zeitmanagement usw.) integraler und praktizierter Bestandteil des Curriculums sein soll. Noch höher fällt die Zustimmung für eine systematische, qualifizierte und zusätzliche Sprachförderung für Kinder, insbesondere aus Migrantenfamilien, mit über 92 % aus.

Auch die Oberstufe muss laut Befragungsergebnis reformiert werden. Fast 90 % stimmen einer Wiedereinführung des Kurssystems mit Grund- und Leistungskursen zu. Dagegen treffen die verschärften Abituranforderungen auf weitgehende Ablehnung. Jeweils über 70% fordern, dass die Schülerinnen und Schüler wie früher lediglich in vier Abiturfächern geprüft werden sollten und wieder die Möglichkeit eröffnet werden sollte, aus Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache zwei verpflichtende Prüfungsfächer auswählen zu können. Lediglich die Seminarfächer treffen auf überwiegende Zustimmung. Jeweils fast 70 % sprechen sich für deren Beibehaltung aus.

"Die Befragung zeigt noch einmal drastisch auf, wie groß der Handlungsbedarf ist", sagte Wenzel. Er appellierte an die Staatsregierung, auf diejenigen zu hören, die die Reformen am Gymnasium umsetzen müssten: Die Lehrerinnen und Lehrer. Sie wüssten am besten, was ihren Schülern gut tue.


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