Lehrermangel

Hamburg will deutlich mehr Lehrkräfte ausbilden

Schulbehörde reagiert auf steigende Schülerzahlen und Lehrermangel in vielen Bundesländern. Schulsenator Ties Rabe will die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte in Hamburg nochmals deutlich erweitern.

22.11.2018 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)
  • © Kinga/Shutterstock

Senator Rabe: „Wir wollen die bislang gute Lehrerversorgung in Hamburg langfristig sichern. Stetig wachsende Schülerzahlen sowie eine stärkere Konkurrenz der Bundesländer um Lehrkräfte machen es deshalb notwendig, deutlich mehr Lehramts-Referendare in der Hansestadt auszubilden. Entsprechend werden wir die Zahl der Ausbildungsplätze in kurzer Zeit um über 40 Prozent erhöhen, so dass statt bisher rund 570 künftig rund 810 Lehrerinnen und Lehrer jedes Jahr die Ausbildung am Hamburger Landesinstitut abschließen können. Anders als viele andere Bundesländer haben wir in Hamburger zurzeit noch deutlich mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. Diese Chance wollen wir nutzen.“

„Der Lehrermangel nimmt bundesweit dramatische Ausmaße an. Hamburg steht zwar vergleichsweise gut da, aber wir müssen aufpassen, dass der Mangel an Lehrkräften in anderen Bundesländern nicht auf uns übergreift. Deshalb wollen wir vorbehaltlich der Zustimmung durch die Hamburgische Bürgerschaft die bereits eingeleiteten Maßnahmen noch einmal deutlich aufstocken.“

Seit Jahren bietet Hamburg den Lehramtsstudenten 855 Referendariatsplatz. Da die Ausbildung eineinhalb Jahre dauert, führt diese Ausbildungskapazität dazu, dass jedes Jahr rund zwei Drittel der Referendare (570) ihre Ausbildung beenden können. Die Zahl der Ausbildungsplätze soll jetzt in vier Halbjahresschritten von Februar 2019 bis August 2020 um 360 auf 1.215 Referendariatsplätze angehoben  werden. Dank der so erhöhten Ausbildungskapazität  können dann künftig jedes Jahr 810 Referendare die Ausbildung beenden.

Anders als in fast allen anderen Bundesländern gibt es in Hamburg nach wie vor deutlich mehr Bewerber als Referendariatsplätze. Ein Grund dafür ist sicher die Attraktivität der Hansestadt, ein anderer Grund ist die Tatsache, dass Hamburg alle Lehrkräfte zügig verbeamtet und ihnen im Vergleich der Bundesländer deutlich bessere Aufstiegsmöglichkeiten bietet.

Deutlich mehr Bewerber als Ausbildungsplätze

Auch im laufenden Jahr lag die Zahl der Bewerber insbesondere in den beiden zahlenmäßig größten Lehramtsausbildungen für das Lehramt am Gymnasium sowie an Grund-, Haupt- und Realschulen daher bis zu fünfmal höher als die Zahl der Ausbildungsplätze. Rechnet man die Bewerberlage in den weniger stark nachgefragten Ausbildungsgängen für Sonderschule und Berufsschule hinzu, gibt es derzeit in Hamburg durchschnittlich für jeden Referendariatsplatz drei Bewerber. Schulsenator Ties Rabe: „Das sind gute Voraussetzungen. Doch wir wollen jetzt zügig handeln, denn auch in Hamburg geht die Zahl der Bewerbungen zurück, weil viele junge Menschen in anderen Bundesländern unbegrenzt viele Referendariatsplätze finden.“

Quereinstieg nur in Mangelfächern

Wie in allen anderen Bundesländern können auch in Hamburg Studenten, die in einem anderen Studiengang einen Studienabschluss gemacht haben, als Quereinsteiger ein Referendariat beginnen. Dies aber nur, wenn ein absoluter Mangel an Bewerbern mit einem echten Lehramtsstudium vorliegt. Das war bislang nur in sehr wenigen Ausnahmefällen der Fall,  beispielsweise in den Fächern Physik und Informatik an Gymnasien sowie in den Fachrichtungen Metalltechnik, Elektrotechnik und Chemietechnik an beruflichen Schulen. Zwingende Voraussetzung für einen solchen Quereinstieg ist ein abgeschlossenes und vollwertiges Masterstudium in diesem Fachbereich. Die Möglichkeit eines Seiteneinstiegs in den Schuldienst ohne entsprechendes Studium und auch ohne Referendariat ist in Hamburg derzeit – anders als in zahlreichen anderen Bundesländern  - nicht möglich.

Weitere Maßnahmen zur Lehrkräfte-Rekrutierung

Zusätzlich zu der erheblichen Erhöhung der Referendariatsplätze sind in Hamburg bereits weitere Maßnahmen umgesetzt worden, damit die Hansestadt vom bundesweiten Lehrermangel verschont bleibt. So können einfacher und schneller als bisher pensionierte Lehrkräfte über Stundenverträge in der Schule unterrichten. Auch Referendare können, künftig ihr Stundenkontingent aufstocken und mehr als die für die Ausbildung nötigen zehn Unterrichtsstunden pro Woche erteilen.

Darüber hinaus wurden die Zulassungskriterien für das Referendariat überarbeitet:  Mit der neuen Zulassungsverordnung zählen nicht nur der Notendurchschnitt und ein eventuelles Mangelfach, sondern es werden auch solche Bewerber bevorzugt eingestellt, die im Rahmen ihres Studiums oder während der Wartezeit bereits in Schulen gearbeitet haben. Dadurch gewinnt Hamburg nicht nur Lehrkräfte mit Praxiserfahrung und besonderem Engagement, sondern umgekehrt auch mehr Aushilfen für befristete Verträge an Schulen. 

Um weiterhin für den Lehrberuf zu werben und auch künftig genug Bewerberinnen und Bewerber zu bekommen, prüft und entwickelt die Schulbehörde fortlaufend weitere Maßnahmen und hat dafür eine Arbeitsgruppe von Expertinnen und Experten einberufen. Es gibt regelhaft Informationsveranstaltungen an der Universität Hamburg, auf denen Lehramtsinteressierte umfassend über Einstellungschancen, Bedarfe und Fragen zur Bewerbung informiert werden.

Hintergrund: Sehr gute Lehrkräfteversorgung in Hamburg

Um den Unterricht zu verbessern und die Schulen besser auf ihre Aufgaben vorzubereiten, hat der Senat seit 2011 zahlreiche Personalverbesserungen umgesetzt: So gab es für alle neuen Aufgaben der Schulen zugleich zusätzliche Lehrkräfte, beispielsweise für die neuen Ganztagsangebote, für den neuen kostenlosen Nachhilfeunterricht, für die Inklusion und für mehr Unterricht an Stadtteilschulen. Zusätzlich wurde weiteres Personal zur Verbesserung der Unterrichtsqualität und zur Entlastung der Lehrkräfte eingestellt, zum Beispiel für kleinere Grundschulklassen (Obergrenze je nach Sozialindex: 23 oder 19 Schüler pro Klasse), für eine höhere Lehrerzuweisung pro Stadtteilschulklasse, für die Berufsorientierung an Stadtteilschulen und zur Absenkung der Unterrichtsverpflichtung an Stadtteilschulen.

Aufgrund dieser Verbesserungen ist die Zahl der Vollzeitstellen für Pädagogen an Hamburgs Schulen seit 2011 um 2.760 Stellen (21%) gestiegen. Rechnet man die Personalmittel für die ganztägige Betreuung (GBS) hinzu, liegt die Steigerung sogar bei über 30%. Die Schülerzahl ist hingegen nur um 11 % von gestiegen. Umgerechnet wurden von 2011 bis 2018 rund 1.450 zusätzliche Vollzeitstellen zum Ausgleich der gestiegenen Schülerzahlen geschaffen, aber zugleich gab es weitere über 1.300 zusätzliche Vollzeitstellen „on Top“ zur Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht - und noch einmal umgerechnet rund 1.200 Vollzeitstellen bei den Trägern in GBS. Im Ergebnis kann Hamburg heute in jedem Ländervergleich eine ausgezeichnete Lehrer-Schüler-Relation erzielen.

Dies zeigt sich auch an den Einstellungszahlen: Seit dem Schuljahr 2011/12 liegt die Anzahl der Einstellungen von Lehrkräften kontinuierlich über der Anzahl der Abgänge. Wurden 2008 noch 681 neue Lehrkräfte in den Hamburger Schuldienst eingestellt, so liegen die Einstellungszahlen seit 2010 kontinuierlich zwischen 800 und über 1.100 Lehrkräften pro Jahr. Da die so genannte „Pensionswelle“ in Hamburg bereits vorüber ist, rechnet die Schulbehörde künftig mit einem kontinuierlichen Einstellungsbedarf von rund 750 bis 800 Lehrkräften pro Jahr.


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