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Hessen macht Schule. Zugewanderte Kinder und Jugendliche bleiben oft draußen.

Bildung ist Menschenrecht? Für jugendliche Flüchtlinge und junge Einwanderer trifft das kaum zu. Oft traumatisiert durch Kriegserlebnisse und Flucht und entwurzelt, kennen sie weder unsere Sprache noch unseren Lebensstil. Einige haben noch nie eine Schule besucht.

01.10.2014 Pressemeldung GEW Hessen

Welche Perspektiven haben sie? Haben sie überhaupt eine Perspektive? Die GEW Hessen hatte gemeinsam mit Landesausländerbeirat (agah), Diakonie Hessen, der Kom-munalen Ausländerinnen- und Ausländervertretung Frankfurt (KAV) am 1. Oktober zu einer Aktion vor dem Hessischen Kultusministerium in Wiesbaden eingeladen.

Mit einer bunten Aktion machten sie auf die Situation junger Flüchtlinge und Seiteneinsteiger auf-merksam. Mit einigen anwesenden Landtagspolitikern gemeinsam überwanden die Anwesenden hohe Bildungshürden direkt vor dem Hessischen Kultusministerium. Am Ende standen sie dann jedoch vor einer hohen Mauer, die ihnen den Zugang zur Schule final versperrte. Diese Mauer wurde schließlich gemeinsam eingerissen und überwunden.

Dass es auch im richtigen Leben anders geht, beweist Michael Stenger aus München. Er hat die SCHLAU-Schule (www.schlau-schule.de) gegründet, die schulanalogen Unterricht für junge Flüchtlinge anbietet. Seit 2001 unterstützt die Stadt München sein Projekt. Denn Stengers Fazit aus langer Arbeit mit Flüchtlingen überzeugte auch staatliche Stellen: Jugendliche Flüchtlinge ohne Chance auf Bildung und Beruf haben als Lebensoption nur den Erhalt der Grundsicherung. Das sei weder mit ihrem Recht auf Bildung noch mit dem Ziel, Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren, vereinbar. Und gerade Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 27 Jahren brauchen Perspektiven und die Chance, Wurzeln zu schlagen. "Das SCHLAU-Schulkonzept könnte und sollte auch in Hessen Schule machen", so Birgit Koch, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen. "Allerdings als öffentlich getragene und finanzierte Schule."

Das Bündnis aus GEW Hessen, Landesausländerbeirat (agah), Diakonie Hessen, Kommunale Aus-länderinnen- und Ausländervertretung Frankfurt (KAV) fordert gute Bildung für alle:

Und konkret:

  • ein Gesamtkonzept mit allen an der Integration der Schülerinnen und Schüler involvierten Bereiche (Bildungspolitik, Sozial- und Kultusministerium, Schule, Jugendhilfe, Migrationsbe-ratung …),
  • Ganztagsschulangebote mit individueller Förderung, kostenloser Verpflegung und eine Heranführung an die bestehenden Angebote der Städte, Landkreise und Gemeinden,
  • Deutsch als Zweitsprache bzw. als Fremdsprache und interkulturelles Lernen als feste Be-standteile der Lehrerausbildung,
  • flankierende, auskömmliche Jugendhilfeleistungen,
  • flankierende, intensive Elternarbeit, die Eltern oder Erziehungsberechtigte durch Sprach-kurse, den Einsatz von Dolmetscherinnen und Dolmetschern und verständliche mutter-sprachliche Informationen eine Teilhabe am Schulleben ermöglicht,
  • eine Kombination von separater Beschulung in Form von Sprachintensivklassen und eine in-tegrative Beschulung in Form von ergänzenden Sprachangeboten von Anfang an,
  • "Sprachbildung" und interkulturelles Lernen als einen integralen Bestandteil und eine zen-trale Aufgabe des gesamten Unterrichts und
  • das Recht auf Schulbesuch für 16- bis 21-jährige zugewanderte junge Menschen auch über die Schulpflicht hinaus. Sollten diese Jugendlichen in ihrem Herkunftsland weniger als acht Schulbesuchsjahre absolviert haben, verlängert sich das Recht auf den Schulbesuch auf das 25. Lebensjahr.

Ansprechpartner

GEW Hessen

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