Heterogenität als Chance

Gemeinsame Resolution der Fachausschüsse für Haupt-, Realschulen und Gymnasien vom 23. bis 25. April 2004 in Soest

25.04.2004 Pressemeldung Bundeselternrat

Die Schulleistungsuntersuchungen der letzten Jahre und die Diskussion darüber haben gezeigt, dass die Schule dringend reformiert werden muss.

Kein Kind darf verloren gehen oder aufgegeben werden!

In einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess muss die Schule als Lern- und Lebensraum für Schülerinnen und Schüler gestaltet werden. Für Schülerinnen und Schüler von heute ist die Qualitätsverbesserung des Unterrichts vorrangig. Gleichzeitig müssen Schulen über Anreizsysteme ermutigt und befähigt werden, neue Wege bis hin zu einer "Schule für alle" zu gehen.

Auf diesem Wege brauchen wir:

1. Verbesserung der Unterrichtsqualität

  • Der Schüler mit seinen Stärken und in seiner individuellen Entwicklung steht im Mittelpunkt des Unterrichts.
  • Nachhaltiges und angstfreies Lernen anstelle von Lernen für Prüfungen, Tests und Vergleichsarbeiten.
  • Leistungsbewertungen, -beschreibungen und Entwicklungsgesprüche sollen die individuelle Entwicklung des Schülers widerspiegeln und fördern.
  • Schluss mit dem Sitzenbleiben und dem Aussortieren
  • Das gemeinsame Lernen leistungsstärkerer und leistungsschwächerer Schüler ermöglicht höhere Lernfortschritte für die Schwächeren und ein vertiefendes Lernen der Stärkeren.

2. Verbesserung der Kommunikationsstrukturen

  • Die Kommunikation aller an Schule Beteiligten - Schüler, Lehrer und Eltern - hat zentrale Bedeutung für die Entwicklung der Schüler und erfordert Zeit. Diese muss in der Gestaltung des Schullalltags und der Lehrerarbeitszeit eingeplant werden.
  • Regelmäßige Gespräche über die Entwicklung, die Selbsteinschätzung des Schülers und seine weitere Lernplanung zwischen Eltern und Lehrern unter Einbeziehung des Schülers müssen stattfinden.

3. Verbesserung der äußeren Rahmenbedingungen

  • Schulen müssen selbstständig werden und die Verantwortung für den Lernerfolg der Schüler übernehmen.
  • Die Schule muss, sowohl vom Raumprogramm her als auch im Blick auf die Zeitstruktur (z.B. Ganztagsschulen) so gestaltet werden, dass Schüler und Lehrer sich im Lebensraum Schule wohlfühlen und ein positives Lernklima geschaffen wird.
  • In Bau- und Gestaltungsmaßnahmen sind Lehrer, Eltern und Schüler immer einzubeziehen.

Um den Entwicklungsprozess zu selbstständigen Schulen und zur Verbesserung der Unterrichtsqualität zu fördern und gleiche Bildungschancen in allen Regionen Deutschlands zu ermöglichen, ist die begonnene Entwicklung nationaler Bildungsstandards als Mindeststandards auf der Grundlage nationaler Kerncurricula fortzusetzen.

Die beginnende Reform der Lehrerbildung, die der Bundeselternrat seit Jahren immer wieder gefordert hat, muss sich an den Erfordernissen einer zukunftsfähigen Gesellschaft orientieren und sicherstellen, dass Schüler in ihrer Unterschiedlichkeit und nicht Fächer unterrichtet werden.

Diese Weiterentwicklung kann nur gesamtgesellschaftlich erreicht werden. Partei- und verbandspolitische Interessen müssen hinter dem gemeinsamen Ziel einer besseren Schule für alle zurückgestellt werden. Einer nationalen Bildungsagentur sollen die Kompetenzen für die Vorbereitung bildungspolitischer Entscheidungen übertragen werden.

Jedem Kind muss die bestmögliche Bildung und Erziehung ermöglicht werden. Entscheidend ist nicht, dass alle Kinder zur gleichen Zeit das Gleiche lernen, sondern dass sie mit- und voneinander lernen, Kompetenzen erwerben und ihnen eine individuelle Entwicklung ermöglicht wird.

Ansprechpartner

Bundeselternrat

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden