Im Kinderland gibt es kaum Förderunterricht

Die Bildungsgewerkschaft GEW rechnet damit, dass im neuen Schuljahr mehr Unterricht ausfallen wird und viele Klassen größer werden. "Die ersten Rückmeldungen aus den Schulen zeigen, dass vor allem ergänzende Angebote wie Förderunterricht reduziert werden oder ganz gestrichen werden müssen. Wenn die Landesregierung nicht schnell neue Stellen schafft und tatenlos zusieht, wie sich die Lernbedingungen in den Schulen weiter verschlechtern, kann sie ihr Projekt Kinderland beerdigen. Zumindest die 870 eingesparten Stellen müssen sofort wieder besetzt werden", sagte am Mittwoch (05.09.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

05.09.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Bisher sind für das Hauptschulprogramm nur 305 gesperrte Stellen frei gegeben worden, davon nur 115 für das kommende Schuljahr. Die Landesregierung hat 521 Stellen durch eine Stellensperre und 349 Stellen durch eine höhere Unterrichtsverpflichtung für Referendare eingespart. "Nach unseren Protesten angesichts der katastrophalen Lehrereinstellung und den ersten alarmierenden Meldungen zur Unterrichtsversorgung hat das Kultusministerium immerhin reagiert und mit dem Hauptschulprogramm und neuen Geldern für Vertretungen für etwas Entspannung gesorgt. Die Unterrichtsversorgung bleibt aber schlecht und die Investitionen der Landesregierung sind angesichts der Diskussionen um Fachkräftemangel ein Armutszeugnis der Regierung Oettinger", sagte Dahlem.

Dahlem geht davon aus, dass die Diskussion über integrative Schulen im kommenden Schuljahr weiter gehen wird. "Das gegliederte Schulwesen wird weder durch kosmetische Korrekturen noch durch eine weitere Zergliederung in Praxis- und Werkrealschulzug noch durch pädagogische Assistenten an Hauptschulen überleben", so Dahlem.

Zur Situation an den einzelnen Schularten

Bei einem Schülerrückgang von bis zu 22.000 an den Grund- und Hauptschulen haben zwar Milchmädchen die richtige Rechnung aufgemacht, dass 1.000 Stellen eingespart werden können. Dabei wurde aber übersehen, dass es 2.400 Schulen in Baden-Württemberg gibt, darunter viele kleine Schulen, an denen bei geringeren Schülerzahlen genauso viele Lehrerstunden benötigt werden. Die Folge ist zum Beispiel, dass an größeren Schulen Klassen zusammengelegt werden und es vor allem in den Grundschulen überfüllte Klassenzimmer geben wird.

Positiv ist der Ausbau der Stundentafel in den fünften Klassen der Hauptschule durch die 115 entsperrten Stellen im Rahmen des Hauptschulprogramms der Landesregierung. Allerdings gibt es gerade in den großen städtischen Hauptschulen zu volle Klassen und zu wenig Förderunterricht. Die ursprüngliche Idee von Kultusminister Helmut Rau, den Klassenteiler in den Hauptschulen auf 28 zu senken, fand in der CDU-Fraktion keine Mehrheit. Dazu wären 600 zusätzliche Stellen notwendig gewesen.

An den Realschulen werden die Schülerzahlen voraussichtlich um 300 zurückgehen. Bei etwa 450 Realschulen im Südwesten können durch diesen Schülerrückgang von nicht einmal einem Schüler pro Schule keine Klassen eingespart werden. Trotzdem hat das Kultusministerium durch die Stellensperre 40 Stellen an den Realschulen eingespart.

An den Sonderschulen steigen die Schülerzahlen voraussichtlich um 100. Das bedeutet angesichts des hohen Lehrerstundenbedarfs je Schüler/in auch eine bemerkenswerte Größe, zumal die Sonderschulen seit Jahren weniger Lehrerstellen erhalten als zur Sicherung des Pflichtunterrichts notwendig wäre.

An den Gymnasien und Beruflichen Schulen müssten alleine 1.150 Stellen geschaffen werden, um lediglich die Überstunden abzubauen, die dort von den Lehrerinnen und Lehren geleistet werden. An den Beruflichen Schulen gibt es außerdem ein strukturelles Unterrichtsdefizit zwischen vier und fünf Prozent, das nur durch die Einstellung von etwa 900 Lehrer/innen behoben werden könnte. An den Gymnasien werden wohl weitere Arbeitsgemeinschaften und Fördermaßnahmen gestrichen werden müssen.

"Schöpfmittel und Schulpsychologen"

Die GEW begrüßt, dass die so genannten "Schöpfmittel" (Gelder aus Stellen, die wegen Elternzeit, Urlaub, Pensionierung nicht mehr ausbezahlt werden) jetzt für Einstellungen verwendet werden dürfen. Allerdings wurden 2,5 Millionen Euro aus den Mitteln für Krankheitsvertretung eingespart, um 50 Schulpsycholog/innen einzustellen. Ein Teil soll offenbar am 1. Oktober mit der Arbeit beginnen. Bisher ist allerdings noch unklar, aus welchen Mitteln die Schulpsycholog/innen ab 2008 finanziert werden sollen.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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