Saarland

Inklusion: Landesregierung bringt Gesetzentwurf zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Schulwesen auf den Weg

Am heutigen Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen hat die saarländische Landesregierung den von Bildungsminister Ulrich Commerçon vorgelegten Gesetzentwurf zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an den saarländischen Schulen angenommen und gleichzeitig der Einleitung der externen Anhörung zugestimmt. Ziel des Gesetzentwurfes ist es, allen Schülerinnen und Schülern einen gleichberechtigten, ungehinderten und barrierefreien Zugang zu den öffentlichen saarländischen Schulen der Regelform zu gewährleisten.

03.12.2013 Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

"Mit dem heute erfolgten Beschluss der Landesregierung beschreiten wir im Saarland den ersten Schritt auf dem Weg zu einem inklusiven Schulsystem. Inklusion ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess des Ermöglichens und des Mitnehmens, der über mehrere Generationen verlaufen wird. Damit dieser Weg allerdings erfolgreich eingeleitet werden kann, müssen wir die entscheidenden Schritte heute gehen und die Potentiale für eine gerechtere Gesellschaft im Blick haben.", so Bildungsminister Commerçon. Er betonte, durch die UN-Behindertenrechtskonvention sei Inklusion nicht ins Belieben der Politik gestellt: "Vielmehr ist sie in Deutschland geltendes Recht und verpflichtet die Bundesländer dazu, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um ein inklusives Bildungssystem zu entwickeln. Mit dem Gesetzentwurf tragen wir jedoch den Erfahrungen anderer Bundesländer Rechnung und gehen einen behutsamen und nachvollziehbaren Weg."

Ab dem Schuljahr 2014/2015 sollen im Saarland grundsätzlich alle Kinder im Einzugsbereich einer Grundschule in die Klassenstufe 1 aufgenommen werden. Ab dem Schuljahr 2015/2016 finden die Regelungen auch auf die allgemeinbildenden weiterführenden Schulen Anwendung. Mit Beginn des Schuljahres 2020/2021 sollen schließlich die beruflichen Schulen einbezogen werden. Im Rahmen des Elternwahlrechtes können Eltern von Schülerinnen und Schülern mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung jedoch weiterhin grundsätzlich wählen, ob ihre Kinder eine allgemeinbildende Schule der Regelform oder eine Förderschule besuchen sollen.

Eine Schuleingangsphase mit flexibler Verweildauer von ein bis drei Jahren wird eingeführt. Gleiches gilt für Förderschulen, die einen zielgleichen Bildungsgang anbieten. Eine Versetzungsentscheidung in der Grundschule soll erstmals am Ende der Klassenstufe 3 erfolgen, in den Förderschulen entsprechend der Regelung für die Gemeinschaftsschulen erstmals am Ende der Klassenstufe 8. In diesem Zusammenhang wird auch die Möglichkeit eröffnet, jahrgangsübergreifende Lerngruppen einzurichten. Die Jahrgangsmischung kann den Schülerinnen und Schülern ein längeres Verweilen in der Lerngruppe ermöglichen. "Jedes Kind erhält damit die für seine Entwicklung erforderliche Kontinuität und Stabilität sowie die bestmögliche individuelle Förderung.", so Commerçon.

Das jetzt schon mögliche Überspringen einer Klassenstufe wird in der Schuleingangsphase durch die Entscheidung der Klassenkonferenz über das einjährige Durchlaufen der Schuleingangsphase ersetzt. Das Wiederholen einer Klassenstufe in der Schuleingangsphase wird durch die Entscheidung des dreijährigen Durchlaufens der Schuleingangsphase ersetzt. Bei einer dreijährigen Verweildauer wird das dritte Jahr nicht auf die Dauer der Schulpflicht angerechnet.

In der Schuleingangsphase werden in Zukunft sonderpädagogische Kompetenzen eingebunden. Förderschullehrkräfte werden ab dem Schuljahr 2014/2015 fest einer Schule zugeteilt und die Lehrkräfte der Grundschulen vor Ort in ihrer Arbeit unterstützen. Damit soll eine optimale Förderung der Schülerinnen und Schüler gewährleistet werden.

Der Bildungsminister hob hervor, die vorhandenen Ressourcen an Förderschullehrkräften könnten damit in Zukunft effektiver eingesetzt werden: "Schülerinnen und Schüler, die sonderpädagogische Unterstützung benötigen, werden in Zukunft von Beginn ihrer Schulzeit an sonderpädagogisch betreut und müssen nicht mehr warten, bis ihnen Förderbedarf zugeteilt wird. Dadurch besteht nun die Möglichkeit, dass Lehr- und Förderschulkräfte gemeinsam präventiv und begleitend arbeiten können. Unsere Leitidee dabei ist: "Jedes Kind hat Förderbedarf!" – und zwar unabhängig von besonderen Begabungen oder bestimmten Beeinträchtigungen."


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden