Inklusion

Inklusiver Unterricht: lauter, diverser, aber nicht stressiger

Die Arbeit an inklusiven Schulen stellt für Lehrerinnen und Lehrer eine ganz besondere Herausforderung dar, denn je heterogener eine Gruppe ist, desto komplizierter wird die Umsetzung eines Unterrichts, der den Bedürfnissen aller SchülerInnen gerecht wird.

19.10.2018 Bundesweit Pressemeldung Deutsche Sporthochschule Köln
  • © www.pixabay.de

Mit einer Befragung haben das SportlehrerInnenausbildungszentrum der Deutschen Sporthochschule Köln und das Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln nun nachgewiesen, dass die meisten Lehrkräfte gut mit den Besonderheiten der Inklusion umgehen können. Nicht einmal der Sportunterricht in inklusiven Klassen wird als besonders stark belastend wahrgenommen.

Befragt wurden insgesamt 574 Lehrkräfte aus den Fachbereichen Sport, Englisch und Deutsch, die mehrheitlich angaben, dass messbare Belastungsfaktoren wie ein höherer Lärmpegel oder ein Mangel an Disziplin im inklusiven Unterricht häufiger auftreten, als in Schulen ohne Schüler mit zusätzlichem Förderbedarf. Auch die Heterogenität der Gruppen wird als Problematisch empfunden, Lehrkräfte in inklusiven Klassen sind demnach objektiv belasteter.

Besonders Sportlehrerinnen und -lehrern fällt im Unterricht an inklusiven Schulen die erhöhte Lautstärke auf, dennoch zeigen die Sportlehrkräfte aber geringere Erschöpfungswerte als die befragten Englisch- und DeutschlehrerInnen. Daraus folgern die ForscherInnnen, dass die Umsetzung des Inklusionskonzeptes zwar eine vermehrte Belastung hinsichtlich der Disziplin und der Heterogenität der Klassen mit sich bringt, diese Belastungen werden aber nicht als höhere subjektive Beanspruchung empfunden. Die Lehrkräfte haben demnach das Gefühl mit den zusätzlichen Belastungen gut umgehen zu können, in allen Fächern.

Entscheidend für das individuelle Belastungsempfinden ist weniger die Frage, ob Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf betreut werden müssen, als die persönliche Ressourcen der Lehrerinnen und Lehrer: ein guter Umgang mit Stress und schulbezogene Faktoren, wie der Grad der Autonomie bei Entscheidungen oder die Anerkennung durch Kollegen, Kolleginnen SchülerInnen oder Eltern. Für einen besseren Umgang mit Belastungen sollte demnach an der Stärkung dieser persönlichen Ressourcen gearbeitet werden.


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Ein Kommentar vorhanden

  • Felten Michael 01.11.2018 18:16 Uhr
    "Inklusiver Unterricht (...) nicht stressiger" - schön wär's. Aber wir lesen ja auch nur die Pressemeldung zu einer (wie ich vor Ort recherchieren konnte) nicht repräsentativen Befragung. Eine Positivauslese ist also nicht auszuschließen, sei es weil die Antwortenden „Inklusion“ als Prinzip unbedingt befürworten, sei es weil sie die Gnade außergewöhnlich guter Bedingungen hatten. Da der genaue Forschungsbericht erst später veröffentlicht werden soll, sind viele Fragen noch nicht zu klären. Die berichtete Bilanz, es komme auf die „persönlichen Ressourcen“ der Lehrkräfte an, könnte aber jetzt schon zu dem Fehlschluss verleiten, ein paar Stressseminare würden die Defizite einer teil gehörig unterfinanzierten, teils fachlich umstrittenen Schulreform beheben. Und man könnte vergessen, dass die Hauptfrage gar nicht zur Debatte stand: Ob die Schüler sich eigentlich im Rahmen von inklusivem Unterricht günstiger entwickeln - oder nicht.

    Michael Felten
    www.inklusion-als-problem.de
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