Schleswig-Holstein

Inszenierte Debatte um Ziffernnoten

Staunend verfolgt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die medial inszenierte Aufregung um Interview-Äußerungen von Bildungsministerin Prof. Dr. Wende zu Ziffernnoten in Schulen. "Es überrascht, dass eine pädagogische Allerweltsweisheit der Bildungsministerin in einem Interview ("Die Schüler, die nicht so gut bewertet werden, sind schnell frustriert.") genutzt wird, um eine Geisterdebatte um Ziffernnoten zu inszenieren", sagte GEW-Landesvorsitzender Matthias Heidn am Freitag, 24.8.2012 in Kiel.

24.08.2012 Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

Inhaltlich liegen die Nachteile von Ziffernnoten für den GEW-Landessvorsitzenden auf der Hand: "Wer individuelle Förderung und Inklusion Ernst nimmt, darf die Schülerinnen und Schüler nicht über einen Kamm scheren. Das geschieht aber bei der Vergabe von Ziffernnoten. Individuelle Rückmeldungen und Förderhinweise eignen sich daher wesentlich besser als Instrumente der Leistungsbewertung."

Für eine Illusion hält Matthias Heidn den weit verbreiteten Glauben, Ziffernnoten würden zu besseren Leistungen führen. "Genauso wenig wie man das Singen der Nationalhymne vorm Spiel zur Fußballeuropameisterschaft führt, führen Ziffernnoten zu besseren Schülerleistungen." Schülerinnen und Schüler könnten auch gute Leistungen in der Schule erbringen, ohne dass Notendruck dahinter stehe. Das ließe sich in allen Schulen beobachten, die auf die Bewertung durch Noten verzichteten. Auch als Disziplinierungsinstrument für unwillige Schülerinnen und Schüler seien Ziffernnoten ungeeignet. "Die Drohung mit der "Fünf" im Zeugnis hat dauerhaft noch aus keinem schlechten Schüler einen guten gemacht."

Der GEW-Landesvorsitzende hob allerdings auch hervor: "Die Schulen haben zurzeit andere Sorgen. Dazu zählen die unzureichende personelle Ausstattung, zu große Klassen und zu hohe Arbeitbelastung für die Lehrkräfte." Aus Sicht der GEW gebe es im Augenblick keinen Grund, sofort die bisherigen Vorschriften zu ändern.

Info:

Auszug aus Gemeinschaftsschulordnung (§5)
(3) Spätestens am Ende der Jahrgangsstufe 8 erhält die Schülerin oder der Schüler ein Notenzeugnis mit einem schriftlichen Hinweis auf den zu erwartenden Abschluss in der Sekundarstufe I oder auf den möglichen Übergang in die gymnasiale Oberstufe auf der Grundlage ihres oder seines Leistungsstandes. Bei binnendifferenzierendem und in leistungsdifferenziertem Unterricht findet die Übertragungsskala gemäß § 4 Abs. 3 der Zeugnisverordnung vom 29. April 2008 (NBl. MBF. Schl.-H. S. 146), zuletzt geändert durch Verordnung vom 4. Juli 2011 (NBl. MBK. Schl.-H. S. 146) Anwendung.

Auszug aus Grundschulordnung (§6)
(3) Die Schulkonferenz kann beschließen, dass in der Jahrgangsstufe 3 abweichend von Absatz 2 Satz 3 Notenzeugnisse mit verbaler Ergänzung zur Entwicklung der Sach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz erteilt werden. (5) In der Jahrgangsstufe 4 werden Notenzeugnisse mit verbaler Ergänzung zur Entwicklung der Sach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz erteilt.

Ansprechpartner

GEW Schleswig-Holstein

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