Bayerischer Lehrerverband

Intensivierungsjahr ist nur eine Scheinlösung

Das Konzept eines zusätzlich eingeschobenen Intensivierungsjahres zwischen der 8. und 11. Jahrgangsstufe ist keine dauerhafte Lösung für die massiven Probleme an bayerischen Gymnasien. "Wie dieses Jahr, mit dem die bestehenden Einführungsklassen für Realschüler jetzt auch für Gymnasiasten geöffnet werden sollen, die Probleme in der Unter- und Mittelstufe lösen soll, ist rätselhaft", wandte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, heute in München ein.

13.03.2012 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Der für die Schüler und Lehrer so belastende Druck werde dadurch jedenfalls nicht gemildert. Ein Intensivierungsjahr sei wenig hilfreich. "Eigentlich ist es paradox. Denn wenn an den Gymnasien ein Wiederholungsjahr institutionalisiert wird, können wir auch gleich wieder zum G9 zurückkehren. Es ist, als wäre eine Wandergruppe unterwegs und müsse dabei ein viel zu schnelles Tempo einhalten. Nachdem ein paar Wanderer umgekippt sind, andere nur noch mit Hängen und Würgen weiterkommen, heißt es plötzlich, sie dürfen nach zweidrittel des Weges ein paar Wegstrecken wiederholen und die Aussicht genießen. Dieses Bild macht anschaulich, worum es gehen muss: um eine grundlegende Reform aller Jahrgangsstufen." "Grundsätzlich begrüßt es der BLLV, wenn mit diesem Vorschlag die Diskussion um die Zukunft des Gymnasiums weiter voran getrieben wird", betonte der BLLVPräsident.

Er erinnerte daran, dass der BLLV bereits mehrfach eine intensive und sachliche Auseinandersetzung um eine innere Reform des Gymnasiums angemahnt hat.

Mit dem Vorschlag eines Intensivierungsjahres würden allerdings nur äußere und strukturell gedachte Lösungen angeboten. "Er lässt die als extrem belastend empfundene Lern- und Arbeitssituation der Schüler und Lehrer insgesamt unberücksichtigt und gibt keine Antwort auf zentrale Fragen, etwa wie künftig gelernt werden und um welche Inhalte es angesichts globaler Herausforderungen gehen muss. Letztlich gibt er auch keine Antwort auf die Frage, wie die Qualität des bayerischen Gymnasiums erhalten bzw. verbessert werden kann", stellte Wenzel fest. Vielmehr werde ein neuer Begriff für die bestehenden Einführungsklassen erfunden. "Er kaschiert, dass sich nichts Grundlegendes verändern soll. Dieses Festhalten an überkommenen Strukturen ist letztlich verantwortlich für die massiven Probleme an bayerischen Gymnasien."

Positiv bewertete Wenzel die angekündigte Überarbeitung der Lehrpläne, etwa im Fach Geschichte. Auch der geplante Ausbau gebundener Ganztagszüge sei ein Schritt, der in die richtige Richtung weise.

"Das Gymnasium der Zukunft muss zu einer Schule entwickelt werden, in der sich Schüler und Lehrer in jeder Jahrgangsstufe wohl fühlen und nachhaltig lernen können, in der sie sich entfalten und positiv entwickeln können", betonte Wenzel. Voraussetzung hierfür ist neues Lern- und Leistungsverständnis, das die wachsende Heterogenität der Schülerschaft als Chance begreift und ein neues Bewertungssystem etabliert. Es stellt Diagnose- und Fördermöglichkeiten in den Mittelpunkt und begreift Lernen als individuellen Prozess, bei dem es um die Erarbeitung und Vertiefung vielfältiger Kompetenzen geht. Vorrangig sollte auch der Ausbau des Gymnasiums zur rhythmisierten Ganztagsschule sein.

Das Diskussionspapier des BLLV "Aufbrechen. Gymnasium neu denken" ist im Internet unter folgender Adresse zu finden: gymnasium.bllv.de/diskussionspapier


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