Karg-Preis 2013 geht an die Evangelische Schule Berlin Zentrum

Die Evangelische Schule Berlin Zentrum erhält den mit 50.000,- Euro dotierten Karg-Preis der Karg-Stiftung. Aus zahlreichen Nominierungen wählte eine unabhängige Jury die Berliner Schule aus. Das in der Hochbegabtenförderung ungewöhnliche Gemeinschafts- und Reformschulkonzept der Ev. Schule Berlin Zentrum (ESBZ) überzeugte mit seinem wegweisenden Modell einer partizipativen und persönlichkeitsbildenden inklusiven Hochbegabtenförderung.

18.03.2013 Pressemeldung Karg-Stiftung

Die Entscheidung:

"Die Evangelische Schule Berlin Zentrum beweist eindrucksvoll, dass die Förderung von Jugendlichen mit besonderen Lern- und Leistungsbedürfnissen nicht auf bestimmte Schulformen und segregative Konzepte beschränkt sein darf. Eine begabungsfördernde Pädagogik hat ihren Platz auch in Gemeinschaftsschulkonzepten – Gemeinschaftsschulen sind nicht Verwahranstalten von Bildungsverlierern. Hochbegabte sind an der ESBZ auch nicht Objekte zur Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen aller Art; Hochleistung ist dort nicht Selbstzweck. Hochbegabte sind an der Ev. Schule Berlin Zentrum vielmehr Gestalter ihrer eigenen Bildungsbiografie; ihre Förderung dient keinem anderen Zweck als ihrer Persönlichkeitsbildung" – so Dr. Ingmar Ahl, Mitglied der Jury des Karg-Preises und Vorstand der Karg-Stiftung zur Begründung der Entscheidung.

Die Preisträgerin

Lernen – Wissen zu erwerben, Lernen – zusammen zu leben, Lernen – zu handeln, das sind die tragenden Säulen der Ev. Schule Berlin Zentrum. Sie bietet als Sekundarstufe der Gemeinschaftsschule ab Klasse 7 bis zum Abitur auch Hochbegabten Bildungs-, Beziehungs- und Bindungserfahrungen, die es ihnen möglich machen, ihre besonderen Potenziale zu entfalten. Träger der Schule ist die Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin, Brandenburg, Oberlausitz.

Nicht leistungsbezogene Performanz, sondern ein inklusives Bildungsverständnis und ein multidimensionaler Leistungs- bzw. Kompetenzbegriff stehen im Vordergrund. Das in der Hochbegabtenförderung ungewöhnliche Reformschulkonzept arbeitet mit Jahrgangsmischung statt Klassen, mit dem Mentor statt dem Lehrer, mit individuellen Lernarrangements statt zerstückeltem Stundenplan, mit dialogischen Verfahren, Zertifikaten und Logbuch statt Noten, mit Werkstatt- und Projektarbeit. Eine wertschätzende Beziehungs- und Anerkennungskultur prägt den Geist der Schule. Jeder Jugendliche hat einen Lehrer als persönlichen Mentor und Coach an der Seite. Erfahrungslernen im Leben an ernsthaften Aufgaben ist mit den "Fächern" Verantwortung und Herausforderung strukturell in jedem Jahrgang verankert. Hier werden Metakompetenzen wie Organisations- und Teamfähigkeit, Planungs- und Strategiekompetenz, Verantwortung und Gemeinsinn, Unternehmensgeist, Handlungs-Mut und Gestaltungskompetenz erworben. Die ESBZ ermöglicht allen Kindern und Jugendlichen, und dabei auch Hochleistern wie Underachievern, eine gelingende schulische Bildungsbiografie und Erfahrungen von Sinnhaftigkeit und Selbstwirksamkeit. "Ich weiß wovon ich rede: Hochbegabte werden oft nur mit Wissen vollgestopft. Hier lernen wir fürs Leben" – so Marie M. während der Jurypräsentation, die von einem "Elitegymnasium" in die ESBZ wechselte. "Für uns als Pädagogen ist die Hochbegabtenförderung selbstverständlich. Dabei geht es nicht um Klassifizierung und Segregation, sondern um bestmögliche individuelle Förderung für alle" so Margret Rasfeld, Leiterin der ESBZ. Weiteres zur ESBZ: www.ev-schule-zentrum.de/

"Eingebettet in die Berliner Schullandschaft ist sie als Gemeinschaftsschule Reformmotor für Schule und Unterricht an sich und weist so eben auch der Hochbegabtenförderung weitere Wege. Die ESBZ beweist, dass sich Inklusion auf alle Kinder, auf diejenigen, die mehr brauchen, und diejenigen, die mehr wollen, bezieht", – so Dr. Ingmar Ahl weiter.

Die übrigen Nominierten

Nominiert für den Karg-Preis 2013 waren ferner das Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting, das innerhalb seiner Begabtenklassen für die Jahrgangsstufen 5-10 speziellen Förderunterricht für Hochbegabte, und in seiner Oberstufe mit dem TUM-Kolleg eine optimale akademische Hochbegabtenförderung bietet: www.ovtg.de/ und www.edu.tum.de/schule/tumkolleg/.

In der näheren Auswahl stand auch das "Schülerpaten-Modell SH" der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) und des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein, das hochbegabten Schülern, hochbegabte Schülerpaten zur Seite stellt, die peer-to-peer, die Bildungsbiografie Hochbegabter orientieren helfen: schuelerpaten-modell.schleswig-holstein.de/

Der Karg-Preis

Der Karg-Preis zeichnet exzellente Hochbegabtenförderung aus – Konzepte, die auf För-derdefizite aufmerksam machen und beispielhafte Praxis zu ihrer Behebung erarbeitet haben. Anlässlich des 20. Geburtstags der Karg-Stiftung gestiftet, wird er alle zwei Jahre ausgeschrieben und vergeben. Akteure aus Wissenschaft und Praxis im Thema Hochbegabung nominieren dabei geeignete Kandidaten aus ganz Deutschland. Ein Gremium aus Fachwissenschaft und Praxis entscheidet über den Preisträger. Der Karg-Preis versteht sich als Förderpreis und ermöglicht mit seiner Preissumme von € 50.000,- eine Weiterentwicklung des Projekts bzw. der Einrichtung.

Die Preisverleihung

Der Preisverleihung findet im Rahmen des Fachtages Hochbegabung der Karg-Stiftung und der Goethe Lehrerakademie der Goethe-Universität am 08. Oktober 2013 in Frankfurt am Main statt. Dort wird die Ev. Schule Berlin Zentrum näher vorgestellt – und die Hochbegabtenförderung in Gemeinschaftsschulkonzepten und Unterrichtskonzepten Gegenstand sein. Der Fachtag richtet sich an Experten aus Bildungs- und Beratungspraxis, Bildungswissenschaft und Bildungsverwaltung. Nähere Informationen folgen. Das Preisgeld in Höhe von EUR 50.000,- soll der ESBZ helfen, ihre Arbeit in der Hochbegabtenförderung zu erweitern und zu übertragen.

Die Karg-Stiftung

Die Karg-Stiftung engagiert sich für hochbegabte Kinder und Jugendliche seit 1989. Ihr Ziel ist die Weiterentwicklung und Wegbegleitung des Bildungssystems in der Förderung Hochbegabter. Die Schwerpunkte liegen dabei in der Innovation der Hochbegabtenförderung und der Information und Qualifizierung pädagogischer und psychologischer Fachkräfte. Die Karg-Stiftung wurde von dem Unternehmer Hans-Georg Karg und seiner Frau Adelheid errichtet und ist die bundesweit größte in der Hochbegabtenförderung tätige Stiftung.

Ansprechpartner

Karg-Stiftung
Sabine Wedemeyer
Ressortleiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Lyoner Straße 15
60528 Frankfurt am Main
Telefon: +49 69 874 027-27
Fax: +49 69 874 027-50
E-Mail: sabine.wedemeyer@karg-stiftung.de
Web: www.karg-stiftung.de


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