Kategorisierung von Grundschülern vom Tisch?

Mit Genugtuung und Freude nimmt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) zur Kenntnis, dass die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag die umstrittene Kategorisierung des Lern-, Arbeits- und Sozialverhaltens in Grundschulzeugnissen zurückgenehmen will. Der BLLV hatte die Regelung, das Verhalten von Kindern mit den indirekten Noten A bis D zu bewerten, von vorneherein abgelehnt. Bereits im Oktober 2005 forderte der BLLV in einer Resolution das Kultusministerium auf, die Maßnahme umgehend zu widerrufen. "Das Verfahren war pädagogisch diskriminierend, empirisch nicht haltbar und rechtlich fragwürdig", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Grundschullehrer/innen können nun aufatmen, denn mit der Abschaffung der Kategorisierung werden die Zeugnisse auch kürzer. "Die Zeit, die sie für das Erstellen der Zeugnisse verwenden mussten, kann nun wieder in die Unterrichtsvorbereitung fließen."

20.12.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Die Beurteilung des Verhaltens von Grundschulkindern in die Kategorien A bis D diente weder dem Bildungsprozess noch der Persönlichkeitsentwicklung. Zudem ergaben sich rechtliche Probleme", betonte Wenzel. An den Grundschulen hatte die Maßnahme immer wieder zu massivem Unmut geführt. Wenzel: "Nicht wenige Lehrerinnen und Lehrer hätten sich aus Gewissensgründen geweigert, die Regelung umzusetzen - sie hatten sich bereits mit der Rechtsabteilung des BLLV in Verbindung gesetzt." Der BLLV-Präsident betonte, dass Beobachtung und Diagnose von Schülern grundsätzlich wichtig seien für die Lern- und Persönlichkeitsentwicklung. "Notwendig ist jedoch eine entsprechende individuelle Förderung im Anschluss - doch diese blieb aus. Viele Lehrerinnen und Lehrer hätten sich daher nach dem Nutzen der zeitraubenden Maßnahme gefragt.

Der BLLV hatte die Pläne zur Kategorisierung bereits im April 2004 abgelehnt. Erste Erfahrungen hätten die Bedenken des BLLV nicht entkräftet, sondern gerade die vom BLLV bemängelte pädagogische und auch rechtliche Fragwürdigkeit bestätigt, erklärte Wenzel. Der Zeitaufwand für die Beurteilungen sei für Lehrerinnen und Lehrer unerträglich gewesen. Der pädagogische Sinn der Kategorisierung habe sich niemandem wirklich erschlossen - zumal der aufwendigen Bewertung keinerlei pädagogische Konsequenzen folgten.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden