Lehrerbildung BW

Kein Mut für grundlegende Reformen

Die grün-rote Landesregierung wird die Lehrerbildung nicht wesentlich verändern. "Die Reform der Lehrerbildung hätte die angestrebten Schulreformen nachhaltig unterstützen und für den Erfolg einer grün-roten Landesregierung stehen können. Ich bin enttäuscht, dass die Landesregierung nicht den Mut hat, die Empfehlungen der Expertenkommission umfassend umzusetzen", sagte Doro Moritz, GEW-Landesvorsitzende am Dienstag (03.12.) in Stuttgart.

03.12.2013 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Die Expertenkommission für Lehrerbildung hatte der Landesregierung unter anderem vorgeschlagen, alle Lehramtsstudiengänge auf 10 Semester zu erweitern, sowie ein Lehramt für eine schulartenübergreifende Sekundarstufe I einzuführen. Die GEW unterstützt diese beiden wichtigen Forderungen. Dazu Moritz: "Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Landesregierung diese zentralen Empfehlungen nicht umsetzt und so den Erfolg der Reform aufs Spiel setzt."

Die Landesregierung hat entschieden, dass das Lehramt für Grundschulen als einziges wissenschaftliches Lehramt nur eine Regelstudienzeit von insgesamt acht Semestern haben soll. "Ein fachlich geringer qualifizierendes Studium der Grundschullehrer/innen ist sachlich nicht gerechtfertigt und für die GEW inakzeptabel. Es gibt kein Argument, warum die Lehrer/innen an Grundschulen kürzer studieren und weniger Qualifikationen erwerben sollen", sagte Moritz. "So wird es nicht gelingen, die besten Studierenden für die Arbeit in den Grundschulen gewinnen."

Die Landesregierung will die Trennung der Lehrämter für künftige Haupt-, Real-, und Werkrealschul- und Gemeinschaftsschullehrer/innen sowie für künftige Gymnasiallehrer/innen beibehalten. "Mit dieser Entscheidung zementiert die Landesregierung das dreigliedrige Schulsystem. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum bei gleicher Studiendauer bei einem Lehramt nur die Lehrbefähigung für die Sekundarstufe I, beim anderen Lehramt jedoch die Lehrbefähigung für Sekundarstufe I und II erworben werden kann", so Moritz. "Wie Lehrer/innen an Gemeinschaftsschulen mit dieser Ausbildung gymnasiale Standards unterrichten sollen, bleibt das Geheimnis von SPD und Grünen."

PISA-Studie zeigt: Grundlegende Reform der Lehrerbildung nötig

Die GEW begrüßt, dass die Landesregierung den Umgang mit Inklusion und Diagnosefähigkeit als Teile des Lehramtsstudiums, in allen Lehrämtern stärken will. Offen bleibt jedoch noch, wie die Landesregierung dies im Detail verankern will.

Die Landesregierung will im nächsten Schritt, die Details ausarbeiten. Bereits im Wintersemester 2015/16 sollen die ersten Studierenden nach der neuen Reform ihr Studium beginnen. "Der Landesregierung muss klar sein, dass die Hochschulen bei der Umsetzung personelle und finanzielle Unterstützung benötigen, sonst kann die Reform nicht gelingen", sagte Moritz. Die forschungsbasierten Fachdidaktiken und die Schulpädagogik an den Universitäten müssen dringend aufgebaut werden.

Auch wenn sich die PISA-Ergebnisse der deutschen Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren etwas verbessert haben, bleibt die soziale Auslese bestehen. Die Reform der Lehrerbildung kann leider nicht dazu beitragen, den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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