"Keinen Schüler zurücklassen"

Bildungsminister Holger Rupprecht hat heute den Bericht zu "Fördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler" im Landtag präsentiert. "Aus dem Bericht wird deutlich, dass das Land der Förderung aller Schülerinnen und Schüler bereits jetzt hohe Aufmerksamkeit widmet. Ziel ist es, keinen Schüler und keine Schülerin zurückzulassen", so Rupprecht. "Wir werden jedoch die Fördermaßnahmen zur Vermeidung der Nichtversetzung weiter auszubauen. Unser Ziel ist, die Wiederholerquote in Brandenburg weiter zu senken, ohne dabei die Qualität und die Anforderungen des Unterrichts zu beeinträchtigen."

13.09.2007 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Zentrale Aufgabe jeder Schule ist die Förderung jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers im Unterricht. Diese Förderung zielt vorrangig auf die Weiterentwicklung der individuellen Lernkompetenz. Insbesondere die leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler benötigen einen auf Individualisierung und Differenzierung ausgerichteten Unterricht. Die Lehrkräfte haben dabei viele Möglichkeiten zur Unterrichtsgestaltung. Beispielsweise können sie:

  • die systematische Wiederholung länger zurückliegender Themen in die Erarbeitung und Sicherung neuer Inhalte integrieren und auf diese Weise zu regelmäßigem und intensivem Üben anleiten,
  • Wochenpläne gezielt zur individuellen Förderung nutzen,
  • zusätzliche, individuelle Hausaufgabenkontrollen durchführen, ggf. Fehlerkarteien anfertigen lassen und Fehleranalysen durchführen,
  • Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten – möglicherweise im Rahmen eines vereinbarten individuellen Förderplanes – spezielle Lern- und Übungsmaterialien bereitstellen,
  • leistungsstarke Schülerinnen und Schüler dazu motivieren, Mitschülerinnen und Mitschüler zu unterstützen (Tutor-System).

Zudem haben auch die Schulen selbst zahlreiche Möglichkeiten, Fördermaßnahmen anzubieten, wie etwa:

  • Flexible Stundenplangestaltung und Schwerpunktbildung: Im Rahmen der Kontingentstundentafel können die Schulen unterschiedliche Schwerpunkte setzen. So können sie durch Umverteilung von Stunden einzelne Fächer oder Lernbereiche stärken.

  • Zusätzliche Förderangebote: Die Schulen können zusätzlich zur Grundausstattung für den Unterricht vom staatlichen Schulamt Förderstunden erhalten. Im Schuljahr 2005/2006 wurden die öffentlichen Schulen mit insgesamt 3.925 zusätzlichen Stunden für Förderunterricht ausgestattet.

  • Beratungsangebote für versetzungsgefährdete Schülerinnen und Schüler und deren Eltern: Sind Schülerinnen und Schüler versetzungsgefährdet, wird ihnen ein Beratungsgespräch angeboten. Sie erhalten dort konkrete Hinweise, in welchen fachlichen Leistungsbereichen sie sich weiterentwickeln müssen, wie sie dies erreichen und worauf sie aufbauen können, wie sie ihre Lern- und Arbeitsprozesse effektiver gestalten können und wie Eltern und Lehrer sie dabei unterstützen.

  • Gezielte Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Teilleistungsstörungen: Die Lehrkräfte sind verpflichtet, Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben oder Rechnen zusätzlich zu fördern.

  • Qualitätsgespräche mit der Schulaufsicht und externe Evaluation: Die Schulaufsicht führt mit den Schulen regelmäßige Qualitätsgespräche auf der Basis der aktuellen Daten der Schulen durch. Hierbei werden Förderangebote für Wiederholer und Maßnahmen, um die Nichtversetzung zu verhindern, beraten.

  • Weitere Maßnahmen: Schulen haben darüber hinaus vielfältige Möglichkeiten der Förderung, beispielsweise die Organisation einer Hausaufgabenhilfe und -betreuung durch Schülerinnen und Schülern höherer Klassen und Jahrgangsstufen ("Schüler helfen Schülern") oder das Angebot einer schulischen Nachhilfe, durchgeführt beispielsweise durch pensionierte Lehrerinnen und Lehrer, durch Referendarinnen und Referendare oder außerschulische Fachkräfte.

  • Ausweitung der Stundentafel: Mit der Ausweitung der Stundentafel für Gesamtschulen und Oberschulen wird der Unterricht vorrangig in den Fächern Mathematik, Deutsch und im Lernbereich Naturwissenschaften verstärkt. Bereits zum Schuljahr 2006/2007 wurde die Stundentafel in der Jahrgangsstufe 7 an allen Schulen der Sekundarstufe I von 30 auf 32 Stunden erhöht. Ab dem kommenden Schuljahr wird die Erhöhung auf die Jahrgangsstufe 8 ausgedehnt und in den Folgejahren auch auf die Jahrgangsstufen 9 und 10. Damit erhalten die Schülerinnen und Schüler insgesamt sieben Stunden mehr Unterricht als in der Vergangenheit.

  • Schülercamps zur Reduzierung von Nichtversetzungen: Erfahrungen aus den USA und aus Bremen zeigen, dass die Überbrückung längerer Lernpausen ein erfolgreicher Beitrag zur Förderung lernschwacher Schülerinnen und Schüler sein kann. Daher werden einzelne Schulen im Rahmen der Initiative Oberschule auch so genannte "Ostercamps" durchführen können.

Die Wiederholerquote an den Gymnasien liegt seit Jahren unter 1 Prozent (0,8 Prozent im Schuljahr 2005/2006) und damit unter den Quoten der anderen Länder. Der Bundesdurchschnitt liegt in diesem Bereich bei 2,8 Prozent.

Auch bei den zum Zeitpunkt der Erhebung noch vorhandenen Realschulen hatte Brandenburg im Vergleich mit anderen Ländern mit 3,0 Prozent die niedrigste Wiederholerquote. Der Bundesdurchschnitt lag fast doppelt so hoch (5,5 Prozent).

An den integrierten Gesamtschulen ist die Wiederholerquote in der Sekundar- stufe I bei 5,5 Prozent relativ hoch. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 3,0 Prozent. Einige Bundesländer liegen aber deutlich höher (Berlin: 6,0 Prozent; Sachsen-Anhalt 6,9 Prozent; Mecklenburg-Vorpommern: 11,6 Prozent)

Da sich die Oberschulen seit ihrer Einführung erst im zweiten Jahr befinden, können noch keine Aussagen zur Wiederholerquote getroffen werden.


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