Studie

Kinder frühzeitig und individuell unterstützen

Fast jedes dritte Grundschulkind in Deutschland hat Probleme, das Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen zu erlernen - mit besorgniserregenden Folgen für die individuelle Entwicklung und für die Gesellschaft.

06.06.2017 Bundesweit Pressemeldung Bundesministerium für Bildung und Forschung
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Bei etwa der Hälfte der Kinder sind die Lernschwierigkeiten so erheblich, dass bei ihnen eine schulische Entwicklungsstörung (Lese-, Rechtschreib- oder Rechenstörung) diagnostiziert wird. Das sind Ergebnisse einer vom Bundesbildungsministerium geförderten Studie, die vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, der Universität Hildesheim, der Universität Frankfurt am Main und der Universität Oldenburg durchgeführt wurde.

"Es ist unbedingt notwendig, dass Schwierigkeiten beim Lesen-, Schreiben- oder Rechnenlernen möglichst frühzeitig erkannt werden und den Kindern schon zu Beginn ihrer Schulzeit mit individueller Förderung geholfen wird. Nur wenn sie diese wichtigen Kulturtechniken beherrschen, können sie an allen Aspekten des gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens teilhaben und alle Bildungschancen wahrnehmen. Hier liegt eine große Verantwortung der Länder und ihrer Schulen. Mit unserem neuen Forschungsvorhaben wollen wir sie dabei wirksam unterstützen", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka zum Auftakt des Forschungsvorhabens, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in den kommenden vier Jahren mit rund fünf Millionen Euro gefördert wird.

In dem Projekt werden wissenschaftlich fundierte Diagnose- und Förderinstrumente entwickelt und im Anschluss erstmals auf einer Online-Plattform zur Verfügung gestellt. So können sich künftig Schulen, Schulpsychologen, Lerntherapeuten, kommunale Jugendämter und Eltern über die Instrumente informieren und diese nutzen. Ziel ist es, dass evidenzbasierte Informationen sowie Instrumente und Konzepte der Diagnostik möglichst vielen Kindern und Jugendlichen mit schulischen Entwicklungsstörungen helfen.

Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München, und Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main, leiten das Projekt "Entwicklung und Implementation einer Online-Plattform zur Diagnostik und Förderung von Kindern mit einer umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten (OnDiFoe)".

Auch für die besonderen Bedürfnisse von Kindern, die Deutsch als Zweitsprache erlernen und Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben entwickeln, werden Möglichkeiten der schulischen Förderung erarbeitet. Besonders wichtig sind dem Forscherteam die schulischen Hilfen und die bisher vernachlässigten psychischen Belastungen, insbesondere von Ängsten der Schulkinder mit Lernstörungen. Denn wer Angst vor Mathe und dem Vorlesen hat, traut sich weniger zu und verliert immer mehr die Motivation am Lernen.

In allen Bereichen arbeitet das Wissenschaftlerteam eng mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis zusammen, sodass alle Diagnose- und Förderinstrumente gut anzuwenden sein werden. So stellen die Forscherinnen und Forscher etwa Tests zur Verfügung, mit denen bereits in der Grundschule Risiken für Lernstörungen und psychische Belastungen festgestellt werden können. Hierzu entwickeln sie Fragebögen für Lehrkräfte, mit denen sie schnell und zuverlässig die Risiken für Lernschwierigkeiten eines Kindes feststellen können.

Immer größere Bedeutung in der Lernförderung bekommen Computerspiele (sogenannte "Serious Games"), die basierend auf evaluierten Fördermethoden den Kindern spielerisch helfen, sich im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen zu verbessern. Dabei passen sich die Spiele dem individuellen Lernstand an und motivieren die Kinder durch eine schnelle Rückmeldung über Lernerfolge.

Mehr Informationen:
http://www.empirische-bildungsforschung-bmbf.de/de/302.php


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Ein Kommentar vorhanden

  • Peter Walden 09.06.2017 07:01 Uhr
    Bis ein Lehrer die Abweichung zur Lern-Norm bei einem Kind diagnostiziert, hatte dieser in deutschen Schulen selten einen Einblick in die komplexen Zusammenhänge. Dabei haben wir längst Software, die alle Beteiligten einfach miteinander verknüpft und sowohl individuell als auch systematisch frühzeitig erkennen lässt, wo Schule, Eltern oder Lehrplan gegensteuern müssen. Ich bin mir nicht sicher, ob Bildungsminister und Direktoren öffentlicher Schulen diese Transparenz trotz deutlicher Entlastung haben wollen? Den Kindern würde vernetzes Talent-Management helfen!
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