Kinder haben ein Recht auf richtiges Lernen

Die schulischen Anforderungen, die heute an Kinder gestellt werden, sind zu hoch. Auf kindliche Bedürfnisse kann kaum noch Rücksicht genommen werden "Für die Lehrerinnen und Lehrer ist es unter den gegebenen Voraussetzungen fast unmöglich, kindgerecht zu arbeiten", stellte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, anlässlich des Weltkindertages am 20. September fest. Vor allem die Grundschulen leiden unter dem Diktat der frühen Auslese. Daran kann auch ein wie immer gestaltetes neues Übertrittsverfahren wenig ändern.

18.09.2009 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Wer den Lehrkräften zuhört, die über Tränen bei der Note Drei berichten, über Versagensängste und Selbstzweifel Zehnjähriger, bekommt eine Vorstellung davon, wie es an den Grundschulen zugeht." Der Druck setzt sich an den Realschulen und Gymnasien fort und begleitet die Heranwachsenden die gesamte Schulzeit. Viele Eltern und Lehrer wünschen sich deshalb eine andere Schule. Eine Schule, in der die Bedürfnisse der Kinder und ihre Förderung im Mittelpunkt stehen. Wenzel forderte die bayerische Staatsregierung zur Kehrtwende in der Schul- und Bildungspolitik auf: "Schulen im 21. Jahrhundert müssen Lebensräume werden, in denen sich alle Kinder - unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft - wohl fühlen und entfalten können."

"Den Herausforderungen der Gesellschaft im 21. Jahrhundert kann nur begegnet werden, wenn die Politik auf Integration, nicht auf Segregation setzt", betonte der BLLV-Präsident. "Eine Gesellschaft, die auch und gerade in der Schul- und Bildungspolitik Trennung und Abgrenzung in den Mittelpunkt rückt, gefährdet sich letztendlich selbst. Kinder dürfen nicht zum Opfer gemacht, sondern müssen gestärkt werden. Kinder stärken bedeutet, ihnen Selbstwertgefühl zu vermitteln. Weil Bildung der Schlüsselfaktor für gesellschaftlichen Zusammenhalt ist, muss genau hier vorausschauende, verantwortungsbewusste und demokratische Schul- und Bildungspolitik ansetzen."

Wenzel gab zu bedenken, dass es bei einer längeren gemeinsamen Schulzeit besser gelingt, soziale Ungerechtigkeit abzubauen. "Eine Tatsache, die Schul- und Bildungspolitiker auch in Bayern zur Kenntnis nehmen müssen." Integrative Schulsysteme reduzieren zudem die Zahl sog. Risikoschüler und sind bei der individuellen Förderung von Schülern allen differenzierenden Systemen überlegen. Voraussetzung sind allerdings kleine Klassen und genügend pädagogisches Fachpersonal.

Der Wunsch nach Veränderung ist inzwischen bei vielen groß. Eindrucksvoll belegt dies auch die im Juli an Landtagspräsidentin Barbara Stamm übergebene BLLV-Petition für eine "bessere Grundschule". In nur wenigen Monaten gelang es, über 100.000 Unterschriften zu sammeln - u. a. für eine längere gemeinsame Schulzeit, kleinere Klassen, mehr Personal und Verbesserungen in der Lehrerbildung.

"Viele Eltern spüren, dass ihre Kinder unter dem Druck leiden - und leiden mit ihnen", sagte Wenzel. "Sie befinden sich in einer schier ausweglosen Situation: Einerseits wollen sie natürlich, dass ihr Kind einen hohen Schulabschluss erwirbt, weil es nur dann Chancen auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt hat, andererseits wollen sie ihrem Kind nicht die Unbeschwertheit nehmen. In vielen Familien dominiert die Schule den Alltag - immer öfter verbunden mit Stress, Streit und Leid. Das ist eine Realität, vor der wir nicht die Augen verschließen dürfen. Wir dürfen es nicht länger hinnehmen, dass sich bereits Grundschulkinder vor dem sozialen Abstieg fürchten, wenn sie nicht auf ein Gymnasium oder mindestens auf eine Realschule wechseln können. Wir dürfen Kindern nicht ihre Unbekümmertheit nehmen, das ist nicht kinderfreundlich."


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