Klassenteiler Grundschulen: Uneinigkeit in der CDU

In den Grundschulen in Baden-Württemberg wird es im nächsten Schuljahr entgegen erster Ankündigungen des Kultusministeriums offenbar keine kleineren Klassen geben.

17.03.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Der neue Klassenteiler 28 soll nach Angaben des Ministeriums jetzt nur bei jahrgangsübergreifenden Klassen gelten. Für die große Mehrheit der Klassen, die nicht jahrgangsübergreifend unterrichtet werden, bleibt es beim Klassenteiler 31. "Angesichts der pädagogischen Herausforderungen ist dies keine Verbesserung. Ausgerechnet für die jüngsten Schülerinnen und Schüler gibt es keine zusätzlichen Mittel für Innovationen. Die Eltern und Lehrkräfte wurden mit der Ankündigung kleinerer Klassen getäuscht", sagte am Freitag (17.03.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Offenbar gibt es über den Klassenteiler aber weiter Uneinigkeit zwischen Kultusministerium und CDU-Fraktion: Fraktionsvorsitzender Stefan Mappus hielt noch am Mittwoch im Gegensatz zu Kultusminister Helmut Rau auf einer Wahlkampfveranstaltung am Klassenteiler 28 für alle ersten und zweiten Klassen fest. Hintergrund der Verwirrung ist wohl ein Schnellschuss: Das Kultusministerium hatte offensichtlich die Auswirkungen des ursprünglich geplanten neuen Klassenteilers für alle ersten und zweiten Klassen falsch eingeschätzt.

Die GEW hatte die Mogelpackung entlarvt und vorgerechnet, dass an vielen Grundschulen weniger Klassen mit mehr Kindern entstanden wären. Eine Umfrage in den Landratsämtern ergab nach den bis jetzt vorliegenden Rückmeldungen, dass durch einen gemeinsamen Klassenteiler 28 für erste und zweite Klassen in jedem Landratsamt zahlreiche Klassen eingespart und größere Klassen als mit dem alten Klassenteiler 31 entstehen würden. In keinem Landratsamt müssten insgesamt mehr Klassen gebildet werden. "Offenbar sollte hier eine angebliche pädago¬gische Verbesserung benutzt werden, um Lehrerstellen einzusparen, die vermutlich für den Ausbau der Ganztagsschulen benötigt werden", so Dahlem.

Zum Hintergrund:

Die GEW setzt sich generell für kleinere Klassen ein und will erreichen, dass der Klassenteiler 28 ab dem nächsten Schuljahr für alle ersten und zweiten Klassen gilt, unabhängig davon, ob sie jahrgangsübergreifend unterrichten.

Ursprünglich hatte das Kultusministerium geplant, bei der Berechnung des neuen Klassenteilers 28 immer die Schüler/innen der ersten und zweiten Klassen zusammen zu rechnen. Für viele Grundschulen hätte dies zu einer Verschlechterung geführt, da dort weniger Klassen gebildet und die Klassenzimmer sogar voller geworden wären als mit dem Klassenteiler 31.

"Wir sind uns mit dem Kultusministerium einig, dass mit jahrgangsübergreifenden Klassen gute Erfahrungen gesammelt wurden. Die Einführung des gemeinsamen Unterrichts darf nicht von oben verordnet werden. Vorher müssen die Lehrerinnen und Lehrer entsprechend fortgebildet und das neue Konzept muss gründlich und in Zusammenarbeit mit den Eltern vorbereitet werden", sagte der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem.

Jahrgangsübergreifender Unterricht wird bisher an 200 Modellschulen in Baden-Württemberg praktiziert. Nur in drei Prozent der Grundschulklassen in Baden-Württemberg werden Schüler/innen aus verschiedenen Jahrgängen unterrichtet. Im Südwesten gibt es 2.500 Grundschulen. Expert/innen empfehlen für jahrgangsgemischte Klassen einen kleineren Klassenteiler bei höchstens 25 Schüler/innen. In diesem Schuljahr gilt in den Grundschulen noch der Klassenteiler 31.

So genannte "Zwerg-Schulen", an denen schon bisher aufgrund niedriger Schülerzahlen "Kombinationsklassen" gebildet werden, erhalten derzeit sieben Stunden pro Woche zusätzlich. Größere Schulen, die freiwillig jahrgangsübergreifende Eingangsstufen einführen, bekommen keine zusätzliche Zeit. "Jahrgangsübergreifender Unterricht gelingt nur, wenn die Lehrerinnen und Lehrer mehr Zeit für die individuelle Förderung bekommen. Wenn das Kultusministerium das Modell ausbauen will, brauchen die Schulen Unterstützung", so Dahlem.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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