Klassenteiler Grundschulen: Weiter Unklarheiten

In den Grundschulen Baden-Württembergs herrscht Verunsicherung, ob und zu welchen Bedingungen im nächsten Schuljahr jahrgangsübergreifender Unterricht eingeführt werden soll.

22.08.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Uns erreichen nach wie vor viele Anfragen von Eltern, Lehrkräften und selbst aus der Schulverwaltung. Viele befürchten eine Verschlechterung der Bedingungen durch größere Klassen. Jahrgangsübergreifender Unterricht macht nur Sinn, wenn er nicht landesweit verordnet wird, die Lehrerinnen und Lehrer gründlich fortgebildet und die Klassen zwischen 22 und 25 Schülerinnen und Schüler haben", sagte am Dienstag (22.08.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Anfang September will sich eine Arbeitsgruppe im Kultusministerium mit dem Thema befassen. Im Juli hat eine Arbeitsgruppe "Schulanfang auf neuen Wegen" dem Kultusministerium empfohlen, den Teiler 25 für jahrgangsgemischte Klassen einzuführen und den Organisationserlass entsprechend zu ändern. Bisher gilt für jahrgangsgemischte Grundschulklassen der Teiler 28, für alle anderen der Teiler 31.

"Wenn der Schulanfang auf neuen Wegen Erfolg haben soll, müssen dafür die Voraussetzungen geschaffen werden. Die guten Leistungen der Grundschulen können mit den ursprünglich im Organisationserlass und dem Fortbildungsbereich vorgesehenen Rahmenbedingungen nicht gehalten und schon gar nicht verbessert werden. Wir brauchen bessere Bedingungen, die dem Anspruch Baden-Württembergs ein Kinderland zu sein gerecht werden", so Dahlem.

Die GEW setzt sich generell für kleinere Klassen ein und will erreichen, dass der Klassenteiler 28 für alle ersten und zweiten Klassen gilt. Für jahrgangsübergreifende Klassen soll der Teiler 25 gelten.

Zum Hintergrund:

Im Landtagswahlkampf hatten CDU-Politiker zuerst kleinere Klassen in den Grundschulen versprochen und den Klassenteiler 28 für alle ersten und zweiten Klassen angekündigt. Es blieb jedoch beim Klassenteiler 31, für jahrgangsübergreifende Klassen gilt der Teiler 28. Es gibt Pläne, grundsätzlich die Schülerzahlen der ersten und zweiten Klassen zusammen zu zählen und dann den Klassenteiler 28 anzuwenden. Dadurch soll erreicht werden, dass mehr Schulen jahrgangsübergreifend unterrichten. Dies kritisiert die GEW als "Mogelpackung". Eine GEW-Stichprobe in einigen Landratsämtern ergab, dass durch einen gemeinsamen Klassenteiler 28 für erste und zweite Klassen zahlreiche Klassen eingespart und größere Klassen als mit dem alten Klassenteiler 31 entstehen würden. In keinem Landratsamt müssten insgesamt mehr Klassen gebildet werden. Was sich für Schulen mit 29 bis 31 Schülern in Klasse 1 und 2 im Einzelfall positiv auswirken könnte, hätte für eine Reihe von Schulen negative Konsequenzen. Zweizügige Grundschulen mit rund 40 Schülern je Jahrgang könnten zum Beispiel nur noch drei Klassen bilden, wenn sie mit ihrer Gesamtschülerzahl in Klasse 1 und 2 unter der Zahl 84 blieben, die für vier Klassen künftig erforderlich wäre. Das würde zur Bildung von drei jahrgangsgemischten Klassen mit bis zu 28 Schülern führen, statt zu bisher vier Jahrgangsklassen mit rund 20 Schülern.

Bisher 200 Modellschulen – 2.500 Grundschulen in Baden-Württemberg

Jahrgangsübergreifender Unterricht wird bisher an 200 Modellschulen in Baden-Württemberg praktiziert. Im Südwesten gibt es 2.500 Grundschulen. So genannte "Zwerg-Schulen", an denen schon bisher aufgrund niedriger Schülerzahlen "Kombinationsklassen" gebildet werden, erhalten derzeit sieben Stunden pro Woche zusätzlich. Größere Schulen, die freiwillig jahrgangsübergreifende Eingangsstufen einführen, bekommen keine zusätzliche Zeit. "Jahrgangsübergreifender Unterricht gelingt nur, wenn die Lehrerinnen und Lehrer mehr Zeit für die individuelle Förderung bekommen. Wenn das Kultusministerium das Modell ausbauen will, brauchen die Schulen Unterstützung", so Dahlem.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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