Kompetenzanalyse an Haupt- und Sonderschulen / Flächendeckende Einführung bis zum Schuljahr 2009/2010

"In Zukunft werden alle Haupt- und Sonderschüler durch die flächendeckende Einführung der Kompetenzanalyse Profil Assessment-Center (AC) an Schulen noch gezielter in der Berufsorientierung unterstützt", sagten Kultusminister Helmut Rau MdL, Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz MdL und die Leiterin der Regionaldirektion Eva Strobel heute (19. Mai) in Stuttgart bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die Kompetenzanalyse in den Klassenstufen 7 der Haupt- und Sonderschulen hat zum Ziel, für die Schülerinnen und Schüler ein individuelles Stärken- und Schwächenprofil zu erstellen. Das Profil bildet die Bandbreite der Kompetenzen ab, die über fachliches Wissen hinausgehen. Die Kompetenzanalyse wird landesweit bis zum Schuljahr 2009/2010 an Haupt- und Sonderschulen eingeführt.

19.05.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Die flächendeckende Einführung der Kompetenzanalyse wird durch den Einsatz von ca. 7,5 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds möglich, die das Arbeits- und Sozialministerium aus seinem zentralen Förderbereich zur Verfügung stellt. Ministerin Stolz betonte: "Wir wollen, dass alle unsere Haupt- und Sonderschüler die Schule ausbildungsreif verlassen. Gemeinsames Ziel von Sozialministerium und Kultusministerium ist es, den Übergang von der Schule in den Beruf noch besser und möglichst nahtlos zu gestalten." Dazu passe das Motto "Chancen fördern", das Baden-Württemberg in den Jahren 2007-2013 für den Europäischen Sozialfonds gewählt habe. "Uns liegt besonders an der Verhinderung von Jugendarbeitslosigkeit, an einem erfolgreichen Übergang von den Schulen in den Beruf und somit auch an der Stärkung der Hauptschulen im Land", sagten Stolz und Rau.

Die 24 Arbeitsagenturen in Baden-Württemberg unterstützen finanziell die Kompetenzanalyse, da sie dabei hilft, den Übergang von den Haupt- und Sonderschulen in den Beruf zu verbessern. "Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler sicherer für ihre Berufswahl zu machen", sagte Eva Strobel. So könnten Ausbildungsabbrüche vermieden werden. Die Kompetenzanalyse sei eine gute Ergänzung zum Angebot der Agenturen: "Wir informieren junge Menschen über Berufe, beraten sie im Entscheidungsprozess und vermitteln Ausbildungsplätze", betonte die Arbeitsmarktexpertin. Kerngedanke der Berufsorientierung sei: Prävention statt Reparatur. Das bedeutet, durch frühzeitige Förderung der Berufsorientierung den späteren Einsatz von nachbessernden Maßnahmen zu vermeiden. Gerade im Südwesten haben gut ausgebildete junge Menschen beste Voraussetzungen für ihre berufliche Zukunft.

Das Verfahren Kompetenzanalyse Profil AC an Schulen umfasst standardisierte Einzel- und Gruppenaufgaben in fünf Kompetenzfeldern mit 21 Merkmalen. Dabei sollen im Bereich Methodenkompetenz die Planungsfähigkeit, die Ergebnisorientierung, die Problemlöse- und Präsentationsfähigkeit erfasst werden. Bei der kulturtechnischen Kompetenz stehen der Umgang mit Sprache, Zahlen, Schrift sowie Computer und Internet im Mittelpunkt. Die Aufgaben des Themengebiets Fach- und Sachkompetenz legen einen Schwerpunkt auf Hand- und Fingergeschick, Ordentlichkeit, Arbeitstempo, Figurerfassung und Sorgfalt. Der Bereich Sozialkompetenz beinhaltet die Kommunikations-, Kritik-, Konflikt- und Teamfähigkeit. Der Abschnitt personale Kompetenz befasst sich mit der Zuverlässigkeit, Flexibilität, Selbstständigkeit und Konzentrationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler.

Für die Kompetenzanalyse ist ein Bearbeitungszeitraum von ein bis drei Wochen vorgesehen. In Gruppen (maximal acht Schüler) werden in den Hauptschulen acht und in den Sonderschulen zehn Aufgaben bearbeitet. Pro Aufgabe stehen jeweils maximal 45 Minuten zur Verfügung. Im Anschluss an die Aufgaben füllen die Schüler einen Selbsteinschätzungsbogen am Computer aus. Jede Gruppe wird bei der Bearbeitung der Aufgaben von zwei Lehrkräften begleitet, die ihre Beobachtungen schriftlich festhalten und sie in einem Beurteilungsbogen zusammenfassen. Die Lehrkräfte beraten über die Ergebnisse der Testaufgaben. Mit Hilfe der Software für das Analyseverfahren wird dann für jeden Schüler das individuelle Kompetenzprofil erstellt.

Gemeinsam besprechen Lehrer und Schüler das aus dem Verfahren ermittelte Profil. Förderziele und Fördermaßnahmen werden erarbeitet und in einem Förderplan gesammelt. Es wird auch vereinbart, für welche Fördermaßnahmen der Schüler eigenverantwortlich zuständig ist. Das Kompetenzprofil, als wichtiges Element der Berufswegeplanung, zeigt Fähigkeiten und Talente der Schülerinnen und Schüler auf, die ein Zeugnis nicht abbilden kann. Das Profil soll auch ein Instrument dafür sein, Berufsvorstellungen zu entwickeln, die den Stärken der Jugendlichen besonders entsprechen.

Für die Durchführung der Kompetenzanalyse und die anschließende Förderung soll die Kontingentstundentafel der Hauptschule ab dem Schuljahr 2009/2010 um eine Stunde aufgestockt werden. Bis die Regelung in Kraft tritt, sollen die beteiligten Hauptschullehrkräfte im Schuljahr 2008/2009 um eine Wochenstunde pro Klasse entlastet werden. Die Hauptschulen können darüber hinaus ab dem kommenden Schuljahr eine weitere Wochenstunde aus der Kontingentstundentafel zur individuellen Förderung verwenden.

Die Vorbereitung der Lehrkräfte auf die neue Aufgabe zur Umsetzung des Profil AC an den Schulen führt das Christliche Jugenddorfwerk e.V. (CJD) durch. Die Maßnahmen erfolgen sukzessive in drei Jahren: 2008 werden 720, bis Frühsommer nächsten Jahres 2 000 und bis Frühsommer 2010 nochmals 2 200 Lehrkräfte geschult. Die ersten Schulungen haben im April begonnen. Die Kompetenzanalyse wird stichprobenartig mit Hilfe von Fragebögen und Interviews evaluiert. Zusätzlich fließen die Rückmeldungen von 55 000 Schülerinnen und Schülern sowie 4 700 Lehrkräften in eine wissenschaftliche Qualitätsprüfung durch das Tübinger Unternehmen "Mensch Technik Organisation" (MTO) ein. Ab September 2008 unterstützen regional 48 Verfahrensexperten die Haupt- und Sonderschulen und wirken an der Weiterentwicklung des Profil AC mit.

Hinweis für die Redaktion:

Weitere Informationen zur Durchführung der Kompetenzanalyse finden Sie auf dem Kultusportal unter www.kultusportal-bw.de/servlet/PB/-s/xxx/menu/1229437/

Europäischer Sozialfonds (ESF)

Der Europäische Sozialfonds (ESF) ist das Hauptfinanzinstrument der EU für Investitionen in Menschen. Seit 1957 stellt der ESF den Mitgliedstaaten Mittel zur Verbesserung des Arbeitsmarktes zur Verfügung. Aufgabe des ESF ist es, Arbeitslosigkeit zu verhindern und zu bekämpfen, die Arbeitskräfte und Unternehmen auf neue Herausforderungen in der Arbeitswelt vorzubereiten und zu verhindern, dass arbeitslose Menschen den Kontakt zum Arbeitsmarkt verlieren. Dem Land Baden-Württemberg stehen für die neue Förderperiode 2007 bis 2013 im Rahmen des Europäischen Sozialfonds (ESF) Fördermittel in Höhe von insgesamt 266 Mio. Euro zur Verfügung.

Weiterführende Informationen zum ESF finden sich auf der Homepage des Sozialministeriums (www.sozialministerium-bw.de) oder unter www.esf-bw.de


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