Kuckucksei für Lehrkräfte zum Ferienbeginn

Heimlich, still und leise zum Ferienbeginn hat das Bildungsministerium im Nachrichtenblatt die neue Grundschulordnung veröffentlicht. Ab dem kommenden Schuljahr sollen die Kinder in den Klassen 1 und 2 zum Halbjahr und zum Schuljahreswechsel ein Berichtszeugnis erhalten. Gleichzeitig werden die Lehrkräfte im Halbjahresrhythmus zu verbindlichen Elterngesprächen verpflichtet.

12.07.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

"Da hat die Landesregierung den Grundschullehrerinnen und –lehrern als Feriengruß ein richtig dickes Kuckucksei ins Nest gelegt", sagte Matthias Heidn, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Donnerstag, den 12.7.07 in Kiel. Weitere Berichtszeugnisse und verbindliche Elterngespräche bedeuteten eine große Mehrbelastung. Eine Grundschullehrerin sitze zum Beispiel an einem Berichtszeugnis zwischen einer und zwei Stunden. Vorbereitung und Durchführung eines Elterngespräches erforderten ebenfalls viel Zeit. "Für die Lehrkräfte an den Grundschulen ist das Maß voll. Sie haben die meisten Pflichtstunden und verdienen das wenigste Geld. Aber ständig werden ihnen neue Aufgaben wie zum Beispiel die Einführung der verlässlichen Grundschule und der flexiblen Eingangsphase aufgebürdet, ohne dass die Schulen ausreichende Mittel erhalten."

"Pädagogisch fragwürdig" sei es außerdem, den Kindern schon nach einem halben Jahr ein schriftliches Zeugnis auszustellen, so Matthias Heidn. Schließlich hätten sich die Kinder in dieser Zeit gerade erst einigermaßen an den Schulbesuch gewöhnt.

Kein Verständnis zeigte der GEW-Landesvorsitzende für die Eile, mit der die Landesregierung die neue Verordnung im Gegensatz zu anderen Schulverordnungen bereits zum 1. August 2007 in Kraft setzt. Überraschend sei zudem die erhebliche Verschärfung der Grundschulverordnung gegenüber der Anhörungsfassung. Dort waren für die erste und zweite Klasse zum Halbjahr nur verbindliche Elterngespräche vorgesehen, zum Schuljahresende Berichtszeugnisse, die auch in tabellarischer Form abgefasst sein durften. Dass die Landesregierung tabellarische Berichtszeugnissen in Klasse 1 und 2 ablehne, obwohl diese präzise die Leistungen der Kinder wiedergeben könnten, stieß bei Heidn ebenfalls auf ratloses Achselzucken.

Die bisherige Praxis sah zum Schuljahreswechsel und zum Halbjahr im zweiten Schuljahr Berichtszeugnisse vor, die aber in tabellarischer Form abgefasst sein durften.

Ansprechpartner

GEW Schleswig-Holstein

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