Kultusministerin Karin Wolff: "Unterrichtsgarantie bleibt gewährleistet"

Der Stundenplan der hessischen Schülerinnen und Schüler entspricht auch im kommenden Schuljahr der gültigen Stundentafel. "Die Unterrichtsgarantie ist und bleibt die Grundlage für mehr Bildungsqualität in Hessen", erklärte Kultusministerin Karin Wolff heute in Wiesbaden. Den Staatlichen Schulämtern sei es unter weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen gelungen, die Unterrichtsversorgung zu garantieren, wofür sich die Ministerin ausdrücklich bedankte.

31.08.2005 Hessen Pressemeldung Hessisches Kultusministerium

Trotz der bundespolitisch bedingt schlechten wirtschaftlichen Lage mit dramatischen Einnahmeausfällen der öffentlichen Hand und der damit verbundenen angespannten Situation auf dem Ausbildungsmarkt setze Hessen seinen Weg zum Bildungsland Nummer 1 unbeirrt fort. "Bildungspolitik hat in Hessen einen ungebrochen hohen Stellenwert. Unsere Schulen bleiben von den Belastungen des Landeshaushalts verschont", erklärte Wolff. Die Ministerin verwies darauf, dass im Haushalt 2005 zusätzliche 280 Lehrerstellen enthalten seien. Sie werden unter anderem für Ganztagsschulen, SchuB-Klassen (Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb) und die Verkürzung des gymnasialen Bildungsgangs eingesetzt.

Für den reinen Vertretungsunterricht stehen insgesamt 26,1 Millionen Euro im Haushalt 2005 bereit. Mit dem Geld können alle dringend erforderlichen kurzfristigen Vertretungen, vor allem bei plötzlicher Erkrankung einer Lehrkraft, flexibel organisiert und bezahlt werden.

Zu einer deutlichen Entspannung beim Einstellungsverfahren habe in diesem Jahr die frühe Planungssicherheit der Staatlichen Schulämter beigetragen: Bereits im Februar konnten für 90 Prozent der zu besetzenden Stellen feste Zusagen gemacht werden. "Das Risiko, Bewerber an andere Bundesländer zu verlieren, ist dadurch deutlich minimiert worden", hob die Ministerin hervor.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den allgemein bildenden öffentlichen Schulen und im beruflichen Bereich wird im Schuljahr 2005/06 voraussichtlich leicht ansteigen und sich auf rund 852.000 erhöhen, wobei neben Zuwächsen auch Abnahmen zu verzeichnen sind. Während die Zahl der Erstklässler und Fünftklässler insgesamt rückläufig ist, erhöht sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler im gymnasialen Bereich in der Sekundarstufe I und in der Oberstufe sowie im beruflichen Vollzeitbereich. "Der Trend, dass gerade in den personalintensiven Schuljahrgängen die Schülerzahlen wachsen, setzt sich auch in diesem Schuljahr fort", erläuterte Wolff. Die mittleren Klassengrößen blieben hingegen weiterhin stabil. In allen Schulformen nehmen sie im Schnitt um rund 0,3 Schülerinnen und Schüler zu.

Starke Zuwächse verzeichnen im Schuljahr 2005/06 die Gymnasien: Die Zahl der Fünfklässler an Gymnasien und den entsprechenden Zweigen der Kooperativen Gesamtschulen wird sich von rund 21.100 im vergangenen Schuljahr um 1.400 auf rund 22.500 erhöhen. "Der Trend, die Schulform mit dem höchstmöglichen Abschluss zu wählen, setzt sich offenbar fort", sagte Wolff. Die Ministerin appellierte an die Eltern, den Wechsel von der Grundschule in die allgemein bildende Schule sorgfältig abzuwägen: "Im hessischen Schulsystem gibt es keine Sackgassen: Der Weg zum Abitur bleibt auch im verkürzten gymnasialen Bildungsgang offen für Schülerinnen und Schüler, die bei entsprechenden Leistungen nach der zehnten Klasse von der Realschule oder der Integrierten Gesamtschule in die gymnasiale Oberstufe wechseln", erläuterte die Ministerin.

Im beruflichen Bereich ist in diesem Jahr erneut mit einem Schüleranstieg zu rechnen: "Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die nach ihrem Schulabschluss in die Vollzeitberufsschule wechseln, weil sie keine Lehrstelle bekommen, wird sich wieder in einer ähnlichen Größenordnung bewegen wie im letzten Jahr", erklärte Wolff. Im Schuljahr 2004/05 hätten die beruflichen Schulen in diesem Bereich knapp 2.700 Schülerinnen und Schüler mehr verkraften müssen als im Vorjahr. Die Zahlen im Teilzeitbereich waren hingegen rückläufig. Verlässliche Prognosen seien derzeit allerdings schwierig, da die Ausbildungsverträge teilweise erst im September oder Oktober abgeschlossen würden. "Diese unnötigen Warteschleifen frustrieren die Jugendlichen und belasten den Etat", sagte die Ministerin. Im Gegensatz zu Teilzeitberufsschülern, die 12 Stunden Unterricht erhielten, hätten Schüler im Vollzeitbereich mindestens 32 Wochenstunden.

Zum Schuljahresbeginn waren 1.569 Stellen zu besetzen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir auch die derzeit noch offenen 187 Stellen in Kürze mit jungen Referendaren besetzen können", sagte die Ministerin. Im September/Oktober werden rund 1.100 Referendarinnen und Referendare ihre Ausbildung abschließen und für die Einstellung in den Schuldienst bereitstehen. Nach dem neuen Hessischen Lehrerbildungsgesetz werden die Einstellungen in den Vorbereitungsdienst jeweils zum 01.02. und zum 01.08. eines Jahres durchgeführt, um die Übergangszeit zwischen Studium und Referendariat sowie zwischen Referendariat und Schuldienst zu verkürzen.

Die im vergangenen Schuljahr für den überplanmäßigen Unterrichtsbedarf abgeschlossenen BAT-Verträge in einer Größenordnung von 500 Stellen könnten bereits ab dem nächsten Jahr in Beamtenstellen umgewandelt werden, fuhr die Ministerin fort. "300 Stellen werden im kommenden Haushaltsjahr umgewandelt, die übrigen folgen 2007, damit die Lehrkräfte ihren Klassen erhalten bleiben und persönlich Planungssicherheit bekommen."

Weiterhin in Teilen problematisch sei die Lehrerversorgung nach Fächern, so Wolff weiter: "Uns fehlen nicht die Stellen, sondern die Personen." Fachlehrer seien sowohl für Chemie, Physik, Mathematik, Englisch und Musik an Haupt- und Realschulen rar als auch für Physik an den Gymnasien. Zudem fehlten in beruflichen Schulen - wie bereits in den Vorjahren - Lehrkräfte für Metall- und Elektrotechnik sowie im Berufsfeld "Wirtschaft und Verwaltung" Lehrerinnen und Lehrer für die Schwerpunkte Informatik und Fremdsprachen. "Hessen braucht nach wie vor Lehrkräfte mit den gesuchten Fächern", betonte die Ministerin. Neben der Fortsetzung der hessischen Lehrernachwuchskampagne habe Hessen zahlreiche andere Initiativen gestartet, um dieser Problematik zu begegnen. So sei der Zugang zu Mangelfächern für Seiteneinsteiger erleichtert worden: Diplomphysiker etwa könnten sich ihr Diplom als gleichwertig zum ersten Staatsexamen anerkennen lassen, um dann direkt in den Vorbereitungsdienst einzusteigen. Ähnliches gilt für alle Absolventen von Universitäten in den Mangelfächern. Für das Lehramt an beruflichen Schulen wird Fachhochschulabsolventen in den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau ein Aufbaustudiengang angeboten.

"Die Unterrichtsgarantie ist die Grundlage für unser umfassendes Reformkonzepts im hessischen Bildungswesen mit dem Ziel, Schule und Unterricht konsequent zu modernisieren", betonte die Ministerin. Auch das Schuljahr 2005/06 bringe zahlreiche Neuerungen, allen voran die Verkürzung der Gymnasialzeit und die umfassende Neugestaltung der Lehrerbildung in Hessen. "Mit der Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre erhöhen wir die Bildungschancen unserer Jugendlichen, weil sie ein Jahr früher Studium oder Berufstätigkeit aufnehmen können", sagte die Ministerin. Mit dem neuen Schuljahr befinden sich bereits 70 Prozent der Fünftklässler an Gymnasien und den entsprechenden Zweigen der Kooperativen Gesamtschulen auf dem schnellen Weg zum Abitur, weitere Schülerinnen und Schüler folgen 2006.

"Moderne Lehrerbildung ist mit ein Garant für modernen Unterricht", so Wolff weiter. Mit dem neuen Hessischen Lehrerbildungsgesetz habe Hessen auch die Lehrerbildung umfassend modernisiert. Es gewährleiste die Vernetzung aller drei Phasen der Lehrerbildung - Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung -, stelle sie in einen inhaltlichen Zusammenhang und lege klar fest, was in den einzelnen Abschnitten zu bewältigen ist. "Wir brauchen gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Qualifikation sichern und zielgerichtet ergänzen", sagte die Ministerin. Zum Schuljahresbeginn stehe den Lehrkräften bereits ein umfangreicher Katalog an Fortbildungsveranstaltungen zur Verfügung, der laufend um neue Angebote ergänzt würde.

In der vierten Ausbaustufe des "Ganztagsprogramms nach Maß" wurden trotz schwieriger Haushaltslage zum neuen Schuljahr weitere 49 Ganztagsangebote genehmigt. Damit verfügen 336 Schulen in Hessen über ein Ganztagsangebot - mehr als doppelt so viele wie noch 2001. Für die vierte Ausbaustufe stehen den ausgewählten Schulen 60 Lehrerstellen zur Verfügung. Damit hat Hessen für das "Ganztagsprogramm nach Maß" seit 2002 rund 260 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen. Das entspricht rund 13 Millionen Euro Personalkosten im Jahr.

In den Hauptschulen verstärkt Hessen die Bemühungen, die Ausbildungs- und Beschäftigungschancen der Jugendlichen zu steigern. Für Schülerinnen und Schüler, die schlechte Aussichten haben, den Hauptschulabschluss zu erreichen, wird die Zahl der so genannten SchuB-Klassen (Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb) um 40 auf insgesamt rund 60 erhöht. Neben drei Tagen Schule absolvieren die SchuB-Klässler auch zwei Praxistage in Betrieben.

Mit dem neuen Schuljahr startet auch die Erprobung des hessischen Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von 0 bis 10 Jahren. An dem Praxistest, der bis Februar 2007 dauert, beteiligen sich insgesamt 128 Tandems, die jeweils aus mindestens einer Grundschule und einer Kindertageseinrichtung bestehen. Für die wissenschaftliche Begleitung wurde ein "innerer Kreis" von 45 Tandems ausgewählt, während die übrigen Tandempartner in einem "äußeren Kreis" den Bildungsplan auf seine Praxistauglichkeit hin prüfen können.

Außerdem beginnt im kommenden Schuljahr die Pilotphase der Schulinspektion: 50 Schulen werden sich auf der Grundlage eines vom Institut für Qualitätsentwicklung erstellten Referenzrahmens einer umfassenden Qualitätsanalyse unterziehen.


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