GEW B-W

Landesweite Befragung "Arbeitssituation an Schulen"

Die Bildungsgewerkschaft GEW bezeichnet die Rückmeldungen von 3.000 Lehrerinnen und Lehrern bei der landesweiten Befragung als wichtiges Signal für die Gestaltung der Bildungspolitik in den nächsten Jahren.

09.04.2014 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Die Landesregierung hat seit 2011 einige Reformen auf den Weg gebracht und weitere angekündigt. Die Folgen dieser Entscheidungen bestimmen die Stimmung an den Schulen. Die Ergebnisse der Studie zeigen zum Beispiel, dass einerseits die Einsicht in die Notwendigkeit des Prozesses der regionalen Schulentwicklung wächst. Andererseits wird durch die fehlenden Ressourcen wie für Inklusion deren Akzeptanz und Gelingen grundsätzlich infrage gestellt. In allen Schularten fehlt Klarheit über getroffene und geplante Entscheidungen, es werden die fehlende Kommunikation und die schlechten Kommunikationswege in die Schulen sowie die mangelhafte Ausstattung kritisiert. Lehrerinnen und Lehrer erleben tagtäglich, wie sich Schule verändert und wollen auf die Herausforderungen mit guten Konzepten reagieren, doch dafür fehlt die Unterstützung. Gute Bildung braucht mehr Zeit", sagte am Mittwoch (09.04.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

An der Befragung haben landesweit knapp 3.000 Lehrer/innen aller Schularten teilgenommen und auf 139 Fragen rund um den Arbeitsplatz Schule geantwortet und Vorschläge für Verbesserungen gemacht. Mehr als 88 Prozent bezeichnen die Belastung durch Zeitmangel mit hoch bis sehr hoch. Dabei nennen Lehrer/innen an Haupt-/Werkrealschulen und Realschulen besonders häufig das Verhalten von Schüler/innen als hohen Belastungsfaktor, Elterngespräche erfordern vor allem an Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und Sonderschulen deutlich mehr Zeit. An Beruflichen Schulen und Gymnasien wird besonders der hohe Aufwand für Korrekturen und Prüfungen als "Zeitfresser" benannt.

Als Maßnahmen zur Verbesserung schlagen Lehrkräfte an Realschulen und Gymnasien am häufigsten kleine Klassen, Lehrer/innen aller Schularten sehen in der Schaffung von Arbeitsplätzen an den Schulen eine Verbesserung der Situation.

Krankheitsvertretung ausbauen und Schulleitungen stärken

Insbesondere aus den Grundschulen und den Schulen der Sekundarstufe I kommt der Wunsch nach einer geregelten Krankheitsvertretung. Zur Verbesserung der Situation an allen Schulen kann nach Meinung von 80 Prozent aller Befragten die Qualität der Schulleitung beitragen. Der Wegfall der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung wird in der Grundschule und in der Gemeinschaftsschule als sehr wichtige Verbesserung eingeschätzt, in der Realschule und im Gymnasium wird dies als "weniger wichtig" bewertet. Alle Lehrkräfte messen der Altersermäßigung eine hohe Bedeutung zu, die regionale Schulentwicklungsplanung wird allgemein als wichtige Maßnahme bewertet.

Klare Konzepte für viele Baustellen nötig

Die GEW sieht Baustellen in allen Schularten in Baden-Württemberg und setzt sich für klare Konzepte ein. "Mehr als 10.000 Lehrkräfte an Haupt- und Werkrealschulen erwarten endlich klare Perspektiven für ihre Zukunft, wenn Schulstandorte aufgelöst werden, die fehlende Unterstützung für die Lehrerinnen und Lehrer an Realschulen beim Umgang mit den heterogenen Klassen löst dort Ängste und Widerstand aus, an Sonderschulen herrscht Ratlosigkeit angesichts der fehlenden Konzepte für Inklusion und an Beruflichen Schulen und Gymnasien schieben die Lehrerinnen und Lehrer eine Bugwelle an Überstunden vor sich her. Die pädagogischen Profis erwarten nicht, dass die Landesregierung alle Probleme sofort löst, aber sie haben nach drei Jahren Regierungszeit Anspruch auf klare Konzepte und Zeitpläne", sagte Moritz.

Ergebnisse der Befragung:www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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