Studie

Lehrerberuf hat in Deutschland das mieseste Image in ganz Europa

Lediglich jeder Fünfte würde seinem Kind empfehlen, Lehrer zu werden. Nur 22 Prozent der Deutschen meinen, dass Lehrkräfte von den Schülerinnen und Schülern respektiert werden.

20.11.2018 Bundesweit Pressemeldung Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V. (BvLB)
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„Lehrkräfte erbringen tagtäglich Höchstleistungen vor, im und nach dem Unterricht. Mit dem Beruf geht eine ungeheuer große Verantwortung einher. Das Engagement und die Belastung der Lehrkräfte müssen in der Öffentlichkeit stärker gewürdigt werden“, so die beiden Bundesvorsitzenden Maiß und Straubinger.

„Die Klassen an beruflichen Schulen sind in den letzten Jahren zunehmend heterogener geworden. Eine Unterrichtsstunde erfordert intensive Vorbereitungen, da die Lehrkräfte auf die Lernenden individuell eingehen müssen und wollen. Dazu kommen weitere Herausforderungen wie Inklusion, Digitalisierung der Bildung u.a. Nach der Studie der Varkey-Stiftung führt dies zu Arbeitszeiten von mehr als 45 Stunden“, führt Bundesvorsitzender Joachim Maiß aus. 

„Unsere Lehrkräfte, die diese umfangreichen Aufgaben bewältigen, haben höchsten Respekt und Dank verdient. Hier besteht höchster Handlungsbedarf, um auch in Zukunft an beruflichen Schulen einen erfolgreichen und zukunftsorientierten Unterricht sicherzustellen. Wir brauchen mehr junge Menschen, die sich für ein Lehramt an beruflichen Schulen entscheiden“, so Bundesvorsitzender Eugen Straubinger. 

Die Bedingungen für die Lehrkräfte an beruflichen Schulen müssen sich spürbar verbessern. Dazu zählen eine Verringerung der Unterrichtsverpflichtung, kleinere Klassen, bessere Beförderungsmöglichkeiten usw. „Lehrkräfte brauchen Leistungsanreize. Mit dreißig Jahren in eine Gehaltsgruppe einzusteigen, die man mit 60 immer noch hat, ist nicht besonders motivierend. Es bedarf eines Systems an Beförderungen und es sollte Prämien und Zulagen geben“, fordert Maiss.

„Materielle Anreize sind wichtig. Lehrkräfte wollen jedoch vor allem Anerkennung. Dann und wann spricht ein Bundespräsident diese aus. Aber das reicht nicht! Es ist jetzt Handeln angesagt. Wir setzen auf die Politik, wir erwarten eindeutige politische Signale“, so Straubinger.


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Ein Kommentar vorhanden

  • Eva Barbara 21.11.2018 15:56 Uhr
    Ich dachte immer, es sei nur in Afrika so! Das Schlimmste für mich ist, dass in meinem Land die monatliche Rente nach drei-plus Jahrzehnten Lehrberuf nur 38% (statt der allgemein üblichen 60%) des letzten Monatsgehalts beträgt - wovon man nicht leben und nicht sterben kann - und daher weiterarbeiten muss (wenn man nicht von irgenwoher noch ein anderes Einkommen hat).
    Ausserdem haben die hiesigen Staatsschulen übergrosse Klassen (z.B. über 40 ERSTklässler in einem Klassenraum). Zusätzlich kommt hinzu, dass unsere Regierung in ihrer durchlauchten ('honourable') Weisheit die durch jahrelange Misswirtschaft und Korruption verursachten Finanzdefizite durch rigorose Sparmassnahmen beim Bildungssystem sowie beim Gesundheitssystem zu beheben sucht - währen die Politiker weiterhin Bombengehälter und -vorteile geniessen und kaum Steuern zahlen. Ich rate also hierzulande niemandem dazu, fürs Lehramt zu studieren.
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