G8/G9

Lernzeit sinnvoll nutzen

Bayern: Für BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann lässt die gymnasiale Reform viele Fragen offen. Individuelle Bedürfnisse der Schüler müssen berücksichtigt werden.

05.04.2017 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
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An die Entscheidung der Staatsregierung, zum neunjährigen Gymnasium zurückzukehren, knüpft die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, konkrete Erwartungen: „Ich hoffe, dass jetzt die Chance endlich genutzt wird für eine grundlegende Reform des Gymnasiums. Entscheidend wird sein, welchen Stellenwert im neuen Gymnasium die Pädagogik haben wird. Wie wird gelernt, und wie werden Schüler/innen individuell gefördert?“

Nach den ersten Verlautbarungen steht allerdings zu befürchten, dass nach wie vor zu viele Inhalte in zu vielen Fächern in zu kurzer Zeit zu schnell behandelt und zu häufig abgeprüft werden. „Der überholte Lern-und Leistungsbegriff für das Gymnasium muss endlich überwunden werden“, forderte Fleischmann. Weil die Erwartungen an das G9 vollkommen unterschiedlich seien - weniger Nachmittagsunterricht, entschleunigtes Lernen, bei gleichzeitig neuen Fächern und Inhalten - seien zudem Enttäuschungen vorprogrammiert.  „Qualität und Niveau erreicht man nicht durch mehr Stoff, sondern nur mit Hilfe von vertieftem, verständnisorientiertem und anwendungsbezogenem Lernen.“

Ein 9-jähriges Gymnasium müsse die unterschiedlichen Motive der Schülerinnen und Schüler für eine verlängerte Schulzeit berücksichtigen. „Während der eine mit der Stoffmenge und dem Lerntempo überfordert ist, will der andere mehr Freizeit und weniger Nachmittagsunterricht. Der Dritte kann mit der Struktur des G8 gut leben und will weiter nach 12 Jahren das Abitur machen.“ Genau hier habe der BLLV mit dem Modell der Modularisierung angesetzt und gezeigt, dass  es möglich sei, unterschiedliche Motivlagen zu berücksichtigen und flexibel darauf zu reagieren. „Wir erwarten, dass der Gedanke eines flexibleren Angebots durch modulare  Elemente in der Konzeption des 9-jährigen Gymnasiums aufgegriffen wird“, forderte die BLLV-Präsidentin. Ziel müsse sein, eine tatsächliche Individualisierung der Lernzeit zu ermöglichen.

Hinzu kommen Fragen der Lehrerversorgung: „Auch hier zeichnet sich jetzt schon eine kritische Entwicklung ab.“ Der Mehrbedarf an Planstellen für das Gymnasium werde erst dann wirksam, wenn der erste G9-Jahrgang in die 13. Klasse käme. Bis dahin werde sich im Gegenteil durch die niedrigere Wochenstundenzahl je Jahrgangsstufe der Lehrerbedarf sogar verringern. „Das bedeutet, dass sich die nächsten acht Jahre die sowieso schon desolate Anstellungssituation für Gymnasialreferendare weiter verschlechtern wird. Das immer wiederkehrende Problem des Schweinezyklus bleibt ungelöst.“


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