Philologenverband zum IQB-Ländervergleich 2015

Lob für Fortschritte in Englisch und Sorge wegen Verfall der Orthographiekenntnisse

Als gemischtes Ergebnis mit Warnsignalen und Hoffnungszeichen hat der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, die Ergebnisse des IQB-Ländervergleichs der Neuntklässler in den Fächern Deutsch und Englisch bezeichnet.

31.10.2016 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)
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Als besonders schmerzlich bezeichnete er die Tatsache, dass im Bereich Orthographie dokumentiert werde, dass die Rechtschreibleistungen der getesteten Schülerinnen und Schüler deutschlandweit signifikant um neun Punkte schlechter geworden seien.

Äußerst besorgniserregend sei der Verfall einer korrekten Rechtschreibung an den Schulen in Baden-Württemberg und NRW. Mit Ausnahme Brandenburgs habe sich kein Land bei den Rechtschreibleistungen signifikant verbessert. "Ich halte es für wichtig, dass hier eine ehrliche Ursachenforschung betrieben wird, insbesondere was falsche Lehrmethoden an Grundschulen, aber auch die systematische Vernachlässigung der Rechtschreibung in neuen Lehrplänen bzw.
die unzureichende Leseförderung dazu beigetragen haben!", betonte Meidinger.

Als besonders negatives Beispiel nannte der Verbandschef das Land Baden-Württemberg, das gegenüber den Leistungswerten von 2009 deutlich Federn lassen musste. "Der signifikante Leistungseinbruch Baden-Württembergs in Deutsch kann kein Zufall sein. Es liegt nahe, hierfür die seit 2009 massiv und überstürzt in Gang gesetzten Schulreformen mitverantwortlich zu machen, in denen nicht die Frage der Leistungsorientierung, sondern einer falsch verstandenen Bildungsgerechtigkeit im Vordergrund stand. Wir wissen aber, dass die Überforderung eines Bildungssystems mit Reformen, die gegen den Willen der Betroffenen durchgeführt werden, Gift für die Leistungsfähigkeit und Effektivität von Schulen ist", so Meidinger.

Als positiv wertete der Verbandsvorsitzende, dass sich die Kompetenzwerte der getesteten Schülerinnen und Schüler im Fach Englisch deutschlandweit signifikant verbessert haben. Hier zahle sich die verbesserte Ausbildung der Englischlehrkräfte an nichtgymnasialen Schularten in einigen Bundesländern aus.

Als größtes Ärgernis des IQB-Ländervergleichs bezeichnete es Meidinger, dass es zwischen den Bundesländern so eklatante Leistungsunterschiede gebe, die in den getesteten Bereichen zwischen den besten und schlechtesten Bundesländern mehrere Schuljahre betragen können. Gerade im Bundesland Bremen müsse man Sorge haben, ob nicht der in beiden Testschwerpunkten festgestellte niedrige Leistungsstand der Bremer Schülerinnen und Schüler eine schwere Hypothek für deren weiteren Lebensweg sein werde.


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