Mehr Personal für jahrgangskombinierte Klassen

Die Einführung jahrgangskombinierter Grundschulklassen darf nicht länger auf dem Rücken der Lehrer und Schüler ausgetragen werden", forderte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel. Er kritisierte, "dass die dringend erforderliche personelle Aufstockung immer noch auf sich warten lässt." Die derzeit 325 jahrgangskombinierten Klassen an bayerischen Grundschulen - 100 mehr als im Vorjahr - sind kein pädagogischer Fortschritt, sondern ein Sparmodell.

03.01.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

" Eltern und Lehrer werden den Kombiklassen solange skeptisch gegenüber stehen, bis die Rahmenbedingungen verbessert werden. Pro kombinierter Klasse sind mindestens zehn zusätzliche Lehrerstunden erforderlich, wie diese in den Modellversuchen zur Verfügung gestellt wurden. Die Klassen dürften auch nicht mehr als 20 Schüler umfassen. Andernfalls können die Potentiale der Schüler nicht optimal gefördert werden. Wenzel: "Angesichts der ohnehin viel zu kurzen Grundschulzeit ist dies pädagogisch absolut unverantwortlich."

Grundsätzlich steht der BLLV jahrgangskombinierten Klassen nicht ablehnend gegenüber. "Die pädagogischen Vorteile im erzieherischen und sozialen Bereich stehen außer Frage. Hinzu kommt, dass die Lernformen in heterogenen Klassen differenzierter und individueller als in homogenen Klassen sind. Jahrgangskombinierte Klassen dienen auch dem Zweck der Standortsicherung von Grundschulen - "auch dagegen ist nichts einzuwenden", erklärte Wenzel und betonte: "Die Rahmenbedingungen müssen aber stimmen. Wenn dies nicht der Fall ist, können die Schüler nicht von den eigentlichen Vorteilen profitieren, jahrgangskombinierte Klassen sind dann kontraproduktiv."

Das Kultusministerium wird nicht müde, die pädagogischen Vorteile jahrgangskombinierter Klassen hervorzuheben. Mit Verwunderung nimmt der BLLV zur Kenntnis, dass diese Vorteile nach der Grundschulzeit offenbar nichts mehr Wert sind. Im Gegenteil: nach den vierten Klassen werden die Schüler aufgeteilt und getrennt, jahrgangskombinierter Unterricht ist an den weiterführenden Schulen kein Thema. "Da drängt sich schon der Verdacht auf, dass mit Kombiklassen eingespart werden soll - zu Lasten der Grundschulkinder- und Lehrer/innen." Es ist daher durchaus nachvollziehbar, wenn viele Eltern der Zusammenlegung erster und zweiter oder dritter und vierter Jahrgangsstufen skeptisch gegenüberstehen und sie ablehnen." Als Sparmodell stehen Kombiklassen in einem eklatanten Widerspruch zu dem Ideal des BLLV: einer bestmöglichen Lern- und Leistungsförderung in der Grundschule. "Personalmangel an Grundschulen darf damit nicht kaschiert werden."


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