Minister Reiche stellt Bildungsstandards für Kitas vor

Die "Grundsätze elementarer Bildung in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung im Land Brandenburg", wurden heute von Steffen Reiche, Minister für Bildung, Jugend und Sport, zusammen mit Manfred Helbig, dem Vorsitzenden der LIGA der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege Brandenburg, und Frau Petra Völkel, Mitautorin des Werks, vorgestellt.

01.06.2004 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

"Mit den Bildungsstandards für Kitas setzen wir als eines der ersten Bundesländer eine Empfehlung des Forum Bildung um, den Bildungsauftrag der Kindertageseinrichtungen zu definieren und zu verwirklichen", sagt Bildungsminister Reiche. "Wir brauchen in der Entwicklungsphase der Kinder, in denen sich die Lernvoraussetzungen verfestigen, einheitliche aber nicht uniformierende Bildungsziele. Die Kitas sind der ideale Ort für frühkindliche Bildungsprozesse. Der Schwerpunkt des Bildungsauftrags liegt in der frühzeitigen Stärkung individueller Kompetenzen und Lerndispositionen, der Erweiterung, Unterstützung sowie Herausforderung des kindlichen Forscherdrangs, in der Werteerziehung, in der Förderung, das Lernen zu lernen und in der Weltaneignung in sozialen Kontexten."

Zielsetzung

Ziel der "Grundsätze elementarer Bildung in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung im Land Brandenburg" ist es sicherzustellen, dass allen Kindern in den Tageseinrichtungen des Landes die erforderlichen und ihnen angemessenen Bildungsmöglichkeiten eröffnet werden. Die Grundsätze bestimmen dafür thematisch gegliederte Bildungsbereiche, die den vorhandenen Bildungsfähigkeiten von Kindern entsprechen. Sie fordern die Träger und die Fachkräfte in den Einrichtungen auf, den Mädchen und Jungen Erfahrungen in diesen Bildungsbereichen zu eröffnen und diese in unterstützender und herausfordernder Weise pädagogisch zu begleiten. Die "Grundsätze elementarer Bildung geben der Bildungsarbeit in Brandenburger Kindertageseinrichtungen einen Rahmen.

"Aus sich selbst heraus besitzen Kinder umfassende Fähigkeiten, sich zu bilden. Ob sie diese Bildungsfähigkeiten entfalten können, hängt vorrangig von den Bildungsmöglichkeiten ab, die ihnen die Umwelt bereitstellt", sagt Bildungsminister Reiche. "In der frühen Kindheit stehen die Eltern und das familiäre Umfeld im Zentrum. Einrichtungen der Kindertagesbetreuung mit ihrem Auftrag, vielfältige und anregungsreiche Bildungsmöglichkeiten zu schaffen, erweitern den Erfahrungsraum der Kinder. Als ein der Schule vor- und nebengelagerte Bildungsort hat die Kindertageseinrichtung die Aufgabe, mit den Kindern den Übergang in die Schule vorzubereiten; die Schule tritt in vorangegangene Bildungsprozesse ein, knüpft an sie an und setzt sie mit ihren Möglichkeiten fort."

Die Vorarbeiten

Aufbauend auf Vorarbeiten wie dem Projekt "Zum Bildungsauftrag von Kindertagesstätten" lag im Dezember 2002 das Gutachten "Entwurf eines "Normativen Rahmens für die Bildungsarbeit in Brandenburger Kindertagesstätten" vor. Im Jahr 2003 entwickelte sich ein intensiver Diskussionsprozess in der Fachöffentlichkeit der Kindertagesbetreuung im Land Brandenburg, der das hohe Interesse am Thema verdeutlichte. Der Text der "Grundsätze elementarer Bildung in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung im Land Brandenburg" wurde von Ludger Pesch und Petra Völkel bearbeitet. Er wurde entsprechend einer Vielzahl von Anregungen aus der Fachöffentlichkeit im Land Brandenburg, einer Arbeitsgruppe sowie zwei Fachtagungen des Sozialpädagogischen Fortbildungswerks des Landes Brandenburg mehrfach überarbeitet.

Die Bildungsbereiche

Den Kern der "Grundsätze elementarer Bildung" stellen die Bildungsbereiche dar. Diese bestimmen keine im Erleben der Kinder abgrenzbaren Sachgebiete und stellen auch keine Fächer im schulischen Sinn dar. Vielmehr überschneiden sich die einzelnen Bildungsbereiche schon in der Beschreibung; mehr aber noch durchdringen sie sich im komplexen Alltag der Kindertagesstätte. So wie die Naturerfahrung ohne Sprache nicht auskommt und Sprachförderung beim Spielen und Gestalten geschieht, bestehen auch erwiesene Zusammenhänge zwischen körperlicher und kognitiver Entwicklung. Erst in der Verbindung und Durchdringung der Bildungsbereiche zeigt sich die Güte der pädagogischen Arbeit. Trotzdem wird in der Benennung von Bildungsbereichen die Möglichkeit gesehen, Grundsätze elementarer Bildung zu bestimmen. Bildungsbereiche geben dem pädagogischen Konzept einen Rahmen, der Planung eine Orientierung, der Beobachtung und der Reflexion ein Auswertungsraster.

Bei den sechs Bildungsbereichen der Grundsätze elementarer Bildung in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung im Land Brandenburg handelt es sich um

  • Körper, Bewegung und Gesundheit,
  • Sprache, Kommunikation und Schriftkultur,
  • Musik,
  • Darstellen und Gestalten,
  • Mathematik und Naturwissenschaft,
  • Soziales Leben.

Diese Bildungsbereiche sind untereinander gleichrangig.

Jeder Bildungsbereich ist wie folgt gegliedert:

  1. Grundverständnis: Was ist mit dem Bildungsbereich gemeint? Ausgangspunkt für die Beschreibung der Bildungsbereiche sind die Fähigkeiten des Kindes, sich aktiv und auf vielfältige Weise mit seiner gegenständlichen und sozialen Umwelt auseinander zu setzen. Es wird darauf eingegangen, wie sich diese Bildungsfähigkeiten bei Mädchen und Jungen alters- und entwicklungsgemäß darstellen, verändern und ausdifferenzieren, und es gibt Anregungen dafür, wie sich die Prozesse bei Kindern durch die Erzieherin anregen, unterstützen und begleiten lassen.

  2. Ebenen der Umsetzung: Wie kann die Einrichtung der Kindertagesbetreuung die Bildungsfähigkeiten der Kinder pädagogisch begleiten?
    In Einrichtungen der Kindertagesbetreuung im Land Brandenburg haben Kinder die Möglichkeit, sich in jedem der genannten Bereiche zu bilden. Die Qualität der pädagogischen Begleitung wird in jeder Einrichtung gesichert:

 

  • Die Einrichtung legt in ihrer Konzeption dar, wie die individuellen Fähigkeiten der Mädchen und Jungen pädagogisch begleitet werden.
  • Die Kompetenzen der Kinder werden in den einzelnen Bildungsbereichen durch regelmäßige Beobachtungen erfasst und gezielt reflektiert. So wird eine Unterstützung der individuellen Kompetenzen eines jeden Mädchens und Jungen möglich.
  • Jede/r Erzieherin/Erzieher überprüft ihr/sein Selbstverständnis und entwickelt seine/ihre pädagogische Kompetenz weiter. Wichtige Instrumente sind dabei die Aktualisierung des Fachwissens, Selbstreflexion und Unterstützung im Team.
  • Die Material- und Raumgestaltung eröffnen den Mädchen und Jungen vielfältige Bildungsmöglichkeiten.

3. Beispiele der Umsetzung in der Praxis der Kindertagesbetreuung Abschließend werden Beispiele vorgestellt, die die Bildungsfähigkeit der Kinder im jeweiligen Bildungsbereich in besonderer Weise unterstützen und den Blick für Bildungssituationen im Alltag jeder Kindertageseinrichtung öffnen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Internetangebot unter "Kinder und Jugend / Kindertagesbetreuung", und zwar unter dem Stichwort "Pädagogik/Zum Bildungsauftrag von KIndertageseinrichtungen" oder direkt
www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/detail.php?template=kita_geruest_n


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden