Netz gegen Scheitern fehlt

Nach den tragischen Vorgängen an einer Emsdettener Realschule warnt der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger vor "populistischen Kurzschlüssen". "Wer nach verschärftem Jugendschutz ruft, muss sich fragen lassen", so Eckinger, "was er zum Beispiel tut, um die geplante neue EU-Fernsehrichtlinie zu verhindern. Der VBE hält den Entwurf für völlig inakzeptabel, weil das darin verankerte Herkunftslandprinzip für ein Fernsehen ohne Grenzen die bisherigen Standards des Kinder- und Jugendschutzes in Deutschland zu untergraben droht."

21.11.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

Der VBE habe in einer Anhörung Mitte September klar gestellt, dass dieser EU-Richtlinienentwurf sowohl das deutsche Jugendmedienschutzsystem als auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien grundsätzlich in Frage stelle. Eckinger weiter: "Der Entwurf verbietet den EU-Mitgliedsländern aus Gründen des Jugendschutzes und der Bekämpfung der Aufstachelung zum Hass aufgrund von Rasse, Geschlecht, Glauben oder Nationalität von den Mindeststandards abzuweichen und sich auf strengere nationale Standards zu berufen. Jeder Politiker, der jetzt herumtönt und nach Verboten ruft, sollte zuvor klarstellen, was er gegen den EU-Richtlinienentwurf unternimmt."

Der VBE-Bundesvorsitzende erklärt: "Schulen sind Brenngläser der Gesellschaft. Unsere Schülerinnen und Schüler leben unter einem permanenten Erwartungsdruck. Öffentliche Leitbilder suggerieren die Pflicht zum Erfolg, bewerten Fehler als Versagen und nicht als notwendige Suche nach Erkenntnis. Unter diesen Rahmenbedingungen stellen sich die Schulen dem Auftrag, zu Mündigkeit und Selbstvertrauen zu erziehen." Eckinger betont, es sei kontraproduktiv, aus PISA die vorrangige Konsequenz zu ziehen, Schülerinnen und Schüler immer häufiger zu vermessen. "Unter dem Deckmantel von Schulqualitätsentwicklung bahnt sich ein technokratischer Umgang mit Schulen an. Mit der Ausrichtung auf die Erfüllung der Bildungsstandards drohen die weichen Faktoren einer Schulentwicklung wie Schulklima und Schulkultur ins Abseits zu geraten." Die Schule müsse auf Unterstützungssysteme zurückgreifen können, um ein Scheitern von Schülerinnen und Schüler aufzufangen. Eckinger kritisiert in dem Zusammenhang, dass solche Präventivkonzepte auf Druck der Finanzminister bislang keinerlei Rückhalt in der Bildungspolitik der Länder hätten. Der Fokus werde mehr denn je aufs Messen und Wiegen der Schulen gelegt.

Eckinger wies Schuldzuweisungen an die Lehrerinnen und Lehrer zurück. "Wir stellen uns dem Ethos unseres Berufes. Jedes Kind, jeder Jugendliche hat ein Recht auf Erziehung, ein Recht auf Anerkennung, ein Recht auf Bildung."


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