Neue Grundschul-Rahmenlehrpläne, erstmals Zentralabitur und Einstieg in e-Learning an Schulen

Bildungsminister Steffen Reiche stellte heute die wichtigsten Neuerungen für das anstehende Schuljahr 2004/2005 vor. "Auch in diesem Jahr ist die Verbesserung der schulischen Qualität das Leitbild der Neuerungen", sagt Bildungsminister Reiche. "Die Umsteuerung im Bildungsbereich mit der Bildungsoffensive wird konsequent weitergeführt. Der Prozess der Umsteuerung zu zentralen Prüfungen, verbindlichen Rahmenlehrplänen und zu mehr Selbstständigkeit von Schule muss und kann jedoch nur schrittweise und nicht abrupt erfolgen. Nur so konnte es bislang gelingen, die einzelnen Maßnahmen aufeinander abzustimmen und aufbauend einzuführen. Wir haben den umfangreichen Abschnitt zu den bildungspoli-tischen Vorhaben im Koalitionsvertrag umgesetzt."

06.08.2004 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Die Neuerungen zum Schuljahr 2004/2005 im Einzelnen:

1. Neue Grundschul-Rahmenlehrpläne

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wurden länderübergreifende Rahmenlehrpläne für die Grundschule entwickelt. Das heißt, es ist gelungen, einheitliche Grundschulpläne mit Gültigkeit für die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern zu erarbeiten.
Das, was im Verlaufe der Grundschulzeit zu erreichen ist, wird in den vorliegenden Plänen unter dem Begriff Standards ausgewiesen. Die Standards beschreiben die Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende ihrer Grundschulzeit erworben haben sollen. Sie beschreiben damit einen Bildungsanspruch an die Grundschule, denn diese ist verpflichtet, die Schülerinnen und Schüler so zu fördern, dass sie diese Kompetenzen erreichen können. Die Standards werden in allen Fächern beschrieben. Damit gehen die Verfasser der Rahmenlehrpläne sogar über die Beschlüsse der Kultusminister-Konferenz (KMK) hinaus, da die KMK die Bildungsstandards in der Grundschule zurzeit nur für die Fächer Mathematik und Deutsch formuliert.

Mit dem gemeinsamen Projekt soll eine höhere Vergleichbarkeit von Bildungsangeboten in den unterschiedlichen Bundesländern gesichert werden. Darüber hinaus zielt das länderübergreifende Projekt auch auf eine höhere Akzeptanz bei Eltern und Lehrkräften und auf ein breiteres Angebot von Unterrichtsmaterialien, die an diese Rahmenlehrpläne angepasst sind.

2. Zentralabitur

Erstmals werden Schülerinnen und Schüler in diesem Schuljahr ein Zentralabitur im Land Brandenburg schreiben. Leistungen werden direkt vergleichbar. Die Vorbereitungen für diese wichtige Einführung waren langfristig und strategisch angelegt. Die notwendigen inhaltlichen und methodischen Grundlagen für die zentrale Abiturprüfung in den festgelegten 10 Fächern sind seit Januar 2003 in Form der Verbindlichen curricularen Vorgaben für den Unterricht in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe durch das LISUM veröffentlicht. Die Fachkonferenzen in den Schulen haben auf dieser Grundlage die schulinternen Curricula für die Jahrgangsstufen 12 und 13 präzisiert.
Seit Juli 2003 stehen den Lehrkräften durch das LISUM herausgegebene Beispiele für Aufgabenstellungen in der schriftlichen Abiturprüfung im jeweiligen Fach und differenziert nach Grund- und Leistungskurs zur Verfügung.
Im November 2003 sind durch das MBJS die Fachkommissionen in den 10 Fächern des Zentralabiturs berufen worden und haben ihre Arbeit aufgenommen.
Gleichzeitig ist ein Informationsblatt Zentralabitur. Informationen für Schülerinnen, Schüler und Eltern in einer Auflagenhöhe von 23.000 Exemplaren durch das MBJS herausgegeben worden.
Die Information der Lehrkräfte über jeweilige Sachstände erfolgt durch regelmäßige Dienstberatungen mit den Schulrätinnen und Schulräten. Diese haben den Beratungspunkt Zentralabitur in ihre routinemäßigen Dienstberatungen mit den Schulleitungen aufgenommen.
Im Januar 2004 wurde das Rundschreiben zur Vorbereitung der Klausur unter Abiturbedingungen im November 2004 durch das MBJS erstellt und an die Schulen versandt. In 13/1, also in diesem Herbst, wird eine Klausur unter Abiturbedingungen als Probe für alle Beteiligten für das Zentralabitur in 2005 durchgeführt. Die Prüfungsschwerpunkte für das Zentralabitur in 2005 wurden durch das MBJS bereits im vergangenen Schuljahr herausgegeben.

3. VERA

Im Schuljahr 2004/2005 werden erstmals Vergleichsarbeiten in der 4. Klasse an brandenburgischen Grundschulen geschrieben. Stück für Stück wird derzeit ein System der Qualitätsentwicklung an brandenburgischen Schulen aufgebaut. Kerngedanke dabei ist, dass Leistungen unter Schulen vergleichbar werden müssen und dass die Schulen Leistungsdefizite erkennen und darauf reagieren können. Lernstandsmessungen, zentralen Prüfungen und Vergleichsarbeiten werden dazu an brandenburgischen Schulen eingeführt. Im besonderen Blickfeld steht dabei die Grundschule, die wir weiter stärken wollen. Die sechsjährige Grundschule als gemeinsame Schule für alle Kinder prägt wesentlich die Einstellung der Kinder zu Lernen und Bildung. Sie legt die Grundlagen ihrer Lern- und Leistungsbereitschaft.

Auch die Einführung von Vergleichsarbeiten als diagnostische Tests am Ende der Jahrgangsstufe 2 seit 2003 und Vergleichsarbeiten zu Beginn der Jahrgangsstufe 4 ist eine Maßnahme zur Förderung der Leistungsfähigkeit der Grundschule.
Im Schuljahr 2004/05 werden die VERA-Aufgaben in einer Schulstichprobe von 78 Grundschulen des Landes eingesetzt. Im darauffolgenden Schuljahr erfolgt dann die flächendeckende Einführung in allen Grundschulen des Landes. Die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler ist durch §44 Absatz 4 des Brandenburgischen Schulgesetzes als verbindlich festgelegt.
Am 28. September 2004 wird die Arbeit im Fach Deutsch (Bereiche "Leseverständnis", "Schreiben" und "Sprache untersuchen") und am 30. September 2004 im Fach Mathematik (Bereiche "Arithmetik", "Geometrie" und "Sachrechnen") geschrieben. Die Bearbeitungsdauer beträgt zwischen 50 und 90 Minuten.
Die Vergleichsarbeiten VERA werden auch in sechs anderen Bundesländern geschrieben: Rheinland-Pfalz Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein

4. Neue Ganztagsschulische Angebote

Insgesamt 53 brandenburgische Schulen können mit Beginn des kommenden Schuljahres 2004/2005 neue Ganztagsschulangebote anbieten. Bereits im April waren 29 Ganztagsschulangebote an Schulen genehmigt worden, 24 weitere Schulen erhielten noch eine Nachbesserungsfrist für ihren Antrag bis Mitte Mai. Diese Nachbesserungen führten dazu, dass auch diese 24 Schulen ihre Ganztagsschulangebote vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport genehmigt bekamen. Bei den Investitionen werden die in diesem Jahr zur Verfügung stehenden rund 32 Millionen Euro vom Bund nach derzeitigem Planungsstand vollständig abgerufen.

5. Einführung der Kontingentstundentafel

Mit Beginn des Schuljahres 2004/2005 wird die neue Sekundarstufen I-Verordnung in Kraft gesetzt. Die wesentliche Neuerung stellt dabei die Einführung der Kontingentstundentafel dar. Diese ermöglicht den Schulen Spielräume für eine eigene Profilierung bzw. Schwerpunktsetzung zu nutzen. Im Rahmen der Kontingentstundentafel kann Schwerpunktunterricht angeboten werden oder es können Stunden innerhalb der Kontingente verteilt werden bzw. zwischen den Schuljahren 7 und 8 und 9 und 10 im bestimmten Rahmen verändert werden. Eine zum Ende des Schuljahres veranlasste Befragung der Schulen zur Nutzung der Stundentafelkontingente wird derzeit im MBJS ausgewertet. Ohne die abschließende Auswertung vorwegzunehmen, zeichnet sich bereits jetzt ab, dass zahlreiche Schulen von den Möglichkeiten gebrauch machen werden, in dem beispielsweise Stunden verlagert, die Kernfächer gestärkt oder andere Schwerpunkte gesetzt werden.

6. Jahr des Schulsports

Durch einen gemeinsamen Beschluss das Europäische Parlament und des Europäischen Rates auf Initiative von mir wurde das Jahr 2004 zum "Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport" (EJES) ausgerufen. Mit dem Schuljahr beginnt in Brandenburg auch das "Jahr des Schulsports im Land Brandenburg". Insofern stehen der Schulsport und seine Wettkämpfe in diesem Jahr unter einem ganz besonderen Augenmerk. Vom 13. bis zum 29. August 2004 werden 10.500 Athletinnen und Athleten in Athen die Spiele der XXVIII: Olympiade feierlich erleben. Schulen sind aufgerufen, für diesen Zeitraum eine Olympischen Woche an der Schule zu veranstalten. Beginnen könnte die Woche mit einer Eröffnungsfeier. Die folgenden Schultage können der Projekt- und Workshoparbeit in den Klassen bzw. Jahrgangsstufen vorbehalten sein. Den Abschluss bildet der Olympiatag als Höhepunkt.
Zu Beginn des Schuljahres 2003/2004 wurden für alle Schülerinnen und Schüler jeweils drei Stunden pro Woche als Sportunterricht festgeschrieben.

"Wir sind damit das erste Land in Deutschland, das drei Stunden Sport verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 13. Klasse festgeschrieben hat", sagt Bildungsminister Reiche. "Diese Wertschätzung des Sports zahlt sich in einer überproportionalen Beteiligung brandenburgischer Kinder an den Wettkämpfen von 'Jugend trainiert für Olympia' und den Erfolgen bei der Spitzensportförderung in den Sportschulen aus."

7. Online-Angebot an erster Schule im Land Brandenburg

Erstmals startet in diesem Schuljahr ein Unterrichtsfach in der gymnasialen Oberstufe an einer brandenburgischen Schule als e-Learning-Angebot. Weite Teile des Unterrichts, der Hausaufgaben und auch Prüfungen können online von den Schülerinnen und Schülern am heimischen PC erfolgen. Entwickelt wurde das e-Learning-Angebot für die gymnasiale Oberstufe als "Pilotprojekt e-Learning im Fach Recht" von Lehrkräften der Gesamtschule "Peter Joseph Lenné" in Potsdam. Das Fach kann regulär in der gymnasialen Oberstufe belegt und in die Noten zum Abitur eingebracht werden. Die technologische Basis für das Projekt "Recht Online" wurde vom Cornelsen Verlag entwickelt.

"Mit dem Pilotprojekt zum e-Learning stoßen wir die Tür zu einem neuen Zeitalter des schulischen Lernens auf", sagt Bildungsminister Reiche. "Es geht dabei jedoch nicht um die Ersetzung von Schule durch Online-Lernen, sondern um ergänzende Unterrichtsfächer. Online-Lernen oder Fernlernen erschließt perspektivisch vor allem Schülerinnen und Schülern in ländlichen Gebieten mit kleinen Schulen zusätzliche attraktive Unterrichtsfächer."


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