Gastbeitrag

Ohne Kabelsalat

Alle Schulen in einer Kreisstadt sind miteinander vernetzt, Lehrkräfte verschiedener Schulen arbeiten zusammen: Das Schulnetzwerk Unit21 in Unna zeigt, wie das funktionieren kann.
Text und Interviews Tina Sprung

14.06.2017 Bundesweit Artikel didactaDIGITAL - Aktuelles rund ums Lehren & Lernen mit neuen Technologien
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Unna ist eine kleine Stadt an der Grenze des Ruhrgebietes mit 1000-jähriger Geschichte. Knapp 60 000 Einwohner leben dort. 15 Kilometer weiter westlich liegt die Großstadt Dortmund – im größten Ballungsraum Deutschlands. Doch nicht dort, sondern in der kleinen Stadt Unna wurde ein Schulnetzwerk entwickelt, das als Vorzeigemodell gilt. Einer seiner Wegbereiter ist Uwe Kornatz, 64 Jahre. Damals war er noch als Schuldezernent tätig. „Wenn ich sagen würde, dass unser Schulnetzwerk eine Musterlösung ist, wäre das Eigenlob“, sagt er. „Aber viele Stellen haben unserem Schulnetzwerk genau das bestätigt.“ Alle 20 Schulen in der Kreisstadt Unna sind über ein zentrales Rechenzentrum miteinander verbunden und verfügen über eine einheitliche Ausstattung. Der Kerngedanke des Konzeptes ist, über einen zentralen Schulserver und ein zentrales IT-Management einzelne Klassen, ganze Schulen, die Schulen einer Stadt oder einer Region als ein Schulnetz zu steuern.

Bloß nicht individuell

Kornatz entwickelte vor über 14 Jah­ren zusammen mit Schulleitern das Schulnetzwerk in Unna in Nordrhein-Westfalen. „Jede der damals noch 21 Schulen hatte ein eigenes Netzwerk. Doch wer soll so viele Netzwerke betreuen?“, erinnert er sich an die Diskussionen im Stadtrat. Unterschiedliche Schulausstattung, eine Vielzahl von Betriebssystemen – die Medienausstattung hinkte ähnlich wie bei vielen anderen Kommunen hinterher. Noch bis 2002 wurden jährlich über 110.000 Euro an jede Schule verteilt. „Statt die Gelder in individuelle Lösungen für jede Schule zu investieren, entschieden wir uns für ein Schulnetzwerk für die gesamte Stadt“, erzählt Kornatz. Ein Softwareunternehmen richtete an jeder Schule des Netzwerks die Infrastruktur ein und betreut heute das Schulnetz, speichert alle Daten und ist zuständig für die Software. Das Computerwirrwarr mit unterschiedlichen Betriebssystemen oder zeitraubende Updates gibt es nicht mehr. „Die Schulen müssen sich nicht mehr um Antivirusprogramme oder um den Jugendschutz kümmern, denn die Rechner werden zentral durch einen privaten Anbieter gesteuert. Da wird ihnen eine große Last abgenommen“, erzählt Kornatz. Die Schulen können eine Hotline anrufen, wenn sie Probleme haben.

Jede Schule bekam zudem von der Kreisstadt zwei Notebook-Wagen als mobile Lerneinheiten. Jeder Wagen ist ausgestattet mit 17 Laptops, Drucker und Beamer. Braucht ein Lehrer die Laptops, muss er nur den Wagen in das Klassenzimmer schieben, denn alle Räume aller Schulen verfügen über ein leistungsfähiges WLAN. Neben dem Einsatz der kommunalen Notebooks können sich die Schülerinnen und Schüler Notebooks mieten. „Wenn sich Eltern entscheiden, ihre Kinder in den Notebook-Klassen anzumelden, dann erklären sie sich bereit, die Geräte zu mieten. Das kostet 29 Euro im Monat“, erklärt Kornatz. Schwierigkeiten für Schüler aus sozial schwächeren Familien, die sich die Miete nicht leisten können, gibt es nicht. „Wir unterstützen die Eltern finanziell – über einen Sozialfonds.“ Falls ein Gerät kaputt geht, bekommt der Schüler ein neues.

Alles wird gespeichert

Alle Geräte verfügen über eine einheitliche Software und haben die gleichen Beschränkungen. So kann garantiert werden, dass die Schüler nicht auf verbotenen Seiten surfen. „Natürlich gibt es Kinder, die es dennoch versuchen“, sagt Kornatz. Falls etwas passieren sollte, kann der private Anbieter den Laptop ausfindig machen. „Die sind in der Lage zu sagen: ,Das war im Unterricht, 10:30 Uhr an dem Rechner des Schülers XY.‘ Wir können alles zurückverfolgen.“

Während vor dem Schulnetzwerk jede Schule auf sich allein gestellt war, können die Lehrkräfte mittlerweile von den Synergien profitieren und Unterrichtsmaterialien aus­tauschen. Die Lehrkräfte bilden sich gemeinsam fort und tauschen über die Plattform Ideen und gelungene Unterrichtskonzepte aus. „Nun hat die Lehrkraft Zeit, zu unterrichten, anstatt zu schrauben und zu installieren“, sagt Kornatz. Die Schulen einigten sich auf gemeinsame Lernsoftware. Während vor dem Schulnetzwerk beispielsweise über 100 verschiedene Mathematik-Programme auf den Rechnern installiert waren, konnten die Verantwortlichen des Netzwerks, also der private Anbieter, die Zahl auf drei reduzieren. Nun stehen allen die drei Programme Mupad, Dynageo und Excel zur Verfügung. Auch die Planungen für den Stundenplan und die Schulverwaltungssoftware sind vereinheitlicht. Kornatz ist von dem Konzept überzeugt: „Die Lehrkräfte empfinden das Netzwerk als sehr nützlich und es gab während der Umsetzung keine Probleme.“ 550 der 620 Lehrkräfte nutzen das System aktiv.

Auszeichnung

Das Schulnetzwerk ist für viele Schulen Vorbild. München, Köln, Bremen und ein Internat in der Schweiz haben das System mittlerweile adaptiert. Auf der didacta Bildungsmesse wurde Unit21 dreimal mit dem eLearning Award ausgezeichnet. „Für uns war damals klar: Wir wollen in Bildung investieren und die Schulen für die Zukunft rüsten. Das haben wir auch geschafft“, sagt Kornatz. Er ist zufrieden mit dem Netzwerk Unit21, das die Schüler auf die digitale Welt vorbereitet.

Eine der Schulen, die von dem Schulnetzwerk Unit21 profitiert, ist die Werner-­von-Siemens-Gesamtschule Königsborn. Ein Interview mit der didaktischen Leiterin Jennifer Lach und weiterführende Informationen finden Sie hier.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in:
didacta DIGITAL – Aktuelles rund ums Lehren & Lernen mit neuen Technologien, Ausgabe 1/2017, S.6-8, www.didacta-magazin.de


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