PISA-Ländervergleich: Baden-Württemberg stagniert

"Der vierte Platz Baden-Württembergs im PISA-Bundesländervergleich bedeutet im europäischen Vergleich Mittelmaß und für die Entwicklung in unserem Land Stagnation. Dass offenbar andere Bundesländer größere Fortschritte machen, hängt mit der Flickschusterei der CDU/FDP-Bildungspolitik zusammen. Dieser Stillstand ist für die Landesregierung im Land der Innovationen eine Ohrfeige und zeigt, dass ständige Reparaturen an einem maroden Gebäude nicht ausreichen, sondern wir einen grundlegenden Neubau für unsere Schulen und Kindertageseinrichtungen brauchen", sagte am Dienstag (18.11.) in Stuttgart Doro Moritz Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

18.11.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Die Bildungsgewerkschaft weist darauf hin, dass Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren zum Beispiel die Mittel für die Lehrerfortbildung gekürzt hat. "Kein Betrieb würde in Zeiten grundlegender Umstrukturierung die Mittel für die Qualifizierung des Personals reduzieren. In Baden-Württemberg werden Reformen eingeführt, ohne die Mittel für For¬bildungsangebote entsprechend zu erhöhen", so Moritz.

2007 kürzte die Landesregierung die regionalen Fortbildungsmittel für die Schulen um fast 135.000 Euro auf gut 1,8 Millionen Euro. Die Einführungsfortbildung für neue Schulleiter/innen wurde von 4,5 Wochen auf 17 Tage verringert. An den Gymnasien wurden etwa 130 Euro pro Lehrkraft für die Lehrkräftefortbildung ausgegeben. Für die Lehrer/innen an Grund- und Hauptschulen standen etwa 80 Euro pro Person zur Verfügung.

Die GEW macht sich für eine sachliche und differenzierte Diskussion der Ergebnisse stark. "Die aktuelle Studie hat 435 Seiten, nur wenige davon befassen sich mit Rankings. Das ist genug Material, das sich für die Verbesserung unserer Schulen nutzen lässt. Wer aus den Vergleichsstudien lernen will, muss sich mit den Ergebnissen sorgfältig befassen", so Moritz.

Herkunft der Kinder bestimmt Bildungserfolg

Die GEW-Chefin erinnert daran, dass erst durch den internationalen Vergleich deutlich wurde, wie ungerecht es an deutschen Schulen zugeht und wie stark der Bildungserfolg auch in Baden-Württemberg von der Herkunft der Kinder bestimmt wird. "Das sind unstrittige Ergebnisse, die zum Handeln zwingen. "Wir brauchen eine offene Diskussion über die Weiterentwicklung von individueller Förderung, von Schulstrukturen und Ganztagsschulen im Südwesten, um allen Kindern bestmögliche Lernbedingungen bieten zu können", so Moritz.

Wie viele Schüler haben mitgemacht?

Die nationale Vergleichsstudie wurde von der Kultusministerkonferenz in Auftrag gegeben. Für Pisa-E wurden 57.000 Schüler im Alter von 15 Jahren aus rund 1500 Schulen getestet - fast zehnmal so viele wie für die internationale Studie in Deutschland.

Wie läuft der Test für die Schüler ab?

Zur Beantwortung der Pisa-Aufgaben hatten die Schüler zwei Stunden Zeit. Neben den fachlichen Untersuchungen wurden die Schüler auch über ihre Wahrnehmung von Schule und Unterricht sowie über Familie und Freunde befragt. Auch die Schulleitungen werden befragt.

Was wurde diesmal gefragt?

Der Schwerpunkt dieser Pisa-Studie, deren Daten 2006 erhoben wurden, ist das naturwissenschaftliche Verständnis. Etwa die Hälfte der Testaufgaben umfasst Fragen aus den Bereichen Physik, Chemie, Biologie und Geowissenschaften. Jeweils ein Viertel der Textaufgaben stammt aus den Bereichen Lesen und Mathematik.

Was ist Pisa-E?

Pisa-E ist eine Erweiterungsstudie zum weltweit größten Schultest Pisa (Programme for International Student Assessment) und soll Aufschluss geben über die Leistungsfähigkeit der Schulsysteme in den 16 Bundesländern. Die Ergebnisse werden quer durch die Schularten nach den gleichen Standards verglichen wie bei der internationalen Hauptuntersuchung der OECD und im 435 Seiten starken Gesamtwerk "Pisa 2006 in Deutschland" veröffentlicht.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Zusammenfassung PISA-E

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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