Planung spart Zeit und Nerven

Die Trainerin für erfahrungsorientiertes Lernen und Referentin der SchiLf Akademie Stephanie Bartsch hält ein umfassendes Portfolio in der Hand, mit dem sich die Herausforderungen im Schulalltag besser meistern lassen. In unserem Interview verrät sie einige Tricks und erklärt, wie sich in kollegialer Kooperation ein besseres Schulklima entwickeln lässt.

08.02.2017 Bundesweit Pressemeldung SchiLf Akademie
  • © SchiLf Akademie Stephanie Bartsch ist Schulentwicklungsberaterin, Trainerin für erfahrungsorientiertes Lernen, Coach und Mediatorin. Beratung für Lehrkräfte mit dem Arbeitsschwerpunkt Burnout-Prävention ist neben Schulentwicklungsberatung und hypnosystemischem Coaching einer ihrer Tätigkeitsbereiche. Bei der SchiLf Akademie leitet sie unter anderem das Seminar „Handeln in herausfordernden Situationen in der Schule“.

Mit welchen besonderen Herausforderungen sehen sich Lehrkräfte heute konfrontiert?
Auf der einen Seite benehmen sich viele Kinder und Jugendlichen ihnen gegenüber häufig respektlos. Auf der anderen Seite stehen sehr fordernde Eltern, die selbst kaum Verantwortung für die Erziehung und den schulischen Erfolg ihrer Kinder tragen wollen. Die Schule soll richten, was in der Gesellschaft nicht funktioniert.

Wie sieht das im Schulalltag aus?
Es gibt ein besonders weites Feld, das ich „Angst, das Gesicht zu verlieren“ nennen möchte. Die Schülerinnen und Schüler setzen alles daran, in einem Machtkampf mit den Lehrkräften zu gewinnen. Sobald ich als Lehrkraft aber anfange, mich auf Einzelkämpfe einzulassen, kann ich nur verlieren.

Wenn ich also zum Beispiel eine Schülerin habe, die fortlaufend den Unterricht stört und mich provoziert – welche Strategie hilft mir in einer solchen Situation?
Wichtig ist es, das Problem nicht auszudiskutieren, sondern zu vertagen. Oft kann es erfolgreich sein, seine Aufforderungen unaufgeregt – quasi wie eine kaputte Schallplatte – zu wiederholen. In einem nächsten Schritt sollten Konsequenzen angekündigt und durchgesetzt werden. Ich nenne dies „Kontrolliert eskalierende Beharrlichkeit“.

Meinen Sie damit Nachsitzen oder Strafarbeiten?
Nein! Sehen Sie: Als Lehrerin oder Lehrer muss ich hinterfragen, welchen Umgang ich mit meiner Klasse haben möchte und welchem Leitbild ich folge. Und ich muss mich fragen: „Wofür werde ich bezahlt?“ Die Antwort ist, dass ich meinen Teil dazu beitrage, die Zukunft der Gesellschaft zu entwickeln. Die Schule sollte der letzte Zufluchtsort sein, an dem sich die Kinder auf der Beziehungsebene frei entwickeln können. Aber wie könnte sich durch Strafe eine gute Beziehung entwickeln?

Aber was wäre in dieser Situation dann wirksam?
Ich habe gute Erfahrungen mit dem so genannten Trainingsraum gemacht. Schulen, die über einen solchen Platz verfügen, der mit geschultem Personal – wie einer Sozialpädagogin – besetzt ist, profitieren enorm. Hier reflektieren die Kinder und Jugendlichen nach wiederholtem Regelverstoß, was sie tun können, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen, ohne die anderen zu beeinträchtigen.

Sechs Tipps für ruhigeres Lernen

  1. Beginnen Sie den Unterricht mit Musik. Das setzt einen klaren Startpunkt und fördert die Konzentration.
  2. Lehren Sie in 60 oder 90 Minuten Einheiten.
  3. Eine Sitzordnung in Hufeisenform, bei der die Schülerinnen und Schüler zunächst vor den Tischen sitzen, schafft Präsenz. Zum Arbeiten drehen sie sich zu ihren Tischen um.
  4. Nutzen Sie einen Tageslichtprojektor – dann müssen Sie der Klasse nicht den Rücken zukehren.
  5. Wenn Sie im Unterricht durch die Klasse gehen, können Sie sich Tuschlern einfach nähern – und fordern sie so nonverbal zur Ruhe auf.
  6. Schaffen Sie – wenn nötig und möglich – eine pädagogische Insel, indem Sie eine Stellwand im Klassenzimmer aufstellen. Kinder und Jugendlichen, die Schwierigkeiten haben sich zu konzentrieren, dürfen dort in Ruhe arbeiten.

Das klingt überzeugend. Haben Sie auch Tipps, die leichter umzusetzen sind?
Daneben gibt es viele weitere effektive Methoden. Zum Beispiel einfach vor dem Unterricht Musik laufen zu lassen. Das Ende der Musik gibt den Auftakt zum Lernen. Ebenso ist es ist sehr gewinnbringend in 60 oder 90 Minuten Einheiten zu lehren. Denn in der klassischen 45 Minuten Stunde entsteht oft Hetze. Die Schülerinnen und Schüler benötigen ja schon die ersten 10 Minuten, bis alle mit der Arbeit beginnen. Ebenfalls habe ich mit der Sitzordnung in Hufeisenform gute Erfahrungen gewonnen. Zu Beginn der Stunde sitzen alle Schülerinnen und Schüler mit ihren Stühlen vor den Tischen. So entsteht gleich zu Anfang eine hohe Präsenz. Und zum Arbeiten drehen sie sich einfach zu ihren Tischen um. (Anm. d. Red: Diese und viele weitere Tipps finden sich im Infokasten) Im Grunde ist es egal, was man macht – hauptsache konsequent.

Was kann ich neben solchen organisatorischen Maßnahmen verbessern?

Seit der Hattie-Studie wissen wir, dass sich von aktiven, leidenschaftlichen und engagierten Menschen am besten lernen lässt. Die Persönlichkeit der Lehrkraft entscheidet also über die Qualität des Lernens und sie gilt es zu bilden. Wie ich etwas Gutes für mich tun kann, das ist ganz individuell: etwa durch ein schönes Konzert oder einen Spaziergang. Zudem halte ich es für enorm wichtig, in einer guten Beziehung mit den Kindern zu bleiben, eine positive Atmosphäre zu schaffen und auch schwierigen Kindern Zugehörigkeit zu vermitteln. Wenn dies gelingt und die Klasse schließlich harmoniert, macht der Unterricht Freude.

Sie entwickeln Konzepte in kollegialen und kooperativen Teams vor Ort. Welche Vorteile hat dieses Vorgehen?
Wenn ich kontinuierlich die Kultur an einer Schule gemeinsam und transparent entwickle, lassen sich deutliche Verbesserungen erzielen. Ein schulinternes Seminar – wie „Handeln in herausfordernden Situationen in der Schule“ – bildet dazu den Startpunkt. Entscheidend ist die Kontinuität. Und die Investition in Prävention lohnt in jedem Fall.

Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Andrea Stickel

Über die SchiLf Akademie
Die SchiLf Akademie bietet direkte Lösungen und individuelle Beratung für den Schulalltag. Fachlich fundiert richten sich die Angebote an den konkreten Anforderungen der jeweiligen Schule aus und berücksichtigen dabei die Dynamik des gesamten Kollegiums. Gemeinsam mit einem Beirat aus schulerfahrenen Fachleuten – Lehrern und Schulleitern, Wissen¬schaftlern und Seminarleitern – bietet die Akademie ein praxisorientiertes Weiterbildungsprogramm. Die erfahrenen Referenten – allesamt Praktiker – wissen genau, wovon sie sprechen und schneiden ihr Fortbildungsangebot gezielt auf die jeweilige individuelle Situation zu. www.schilf-akademie.de

Ansprechpartner

AAP Lehrerfachverlage GmbH
Stephanie Brey
Niederlassung Augsburg
Memminger Straße 6
86159 Augsburg
Telefon: 0821.599 779 - 52
Fax: 0821.599 779 - 95
E-Mail: s.brey@schilf-akademie.de
Web: www.schilf-akademie.de


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