Erste Hilfe

Prüfen, rufen, drücken

Ein Lehrer oder Schüler bricht plötzlich zusammen, wird ohnmächtig. Dann ist schnelles Handeln gefragt. Von Silvia Schumacher und Tina Sprung

14.11.2018 Bundesweit Artikel didacta – Das Magazin für lebenslanges Lernen
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Erschreckende Zahlen fasst Dr. Heidrun Thaiss von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zusammen: „10 000 Menschen könnten in Deutschland jedes Jahr gerettet werden, wenn Angehörige oder Passanten bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen würden.“ Die Gründe, warum Menschen nicht helfen, sind vielfältig: Überforderung, Unsicherheit, Fehler zu machen und rechtlich belangt zu werden. „Viele trauen sich nicht, aus Angst“, sagt Thaiss. Dabei ist es strafbar, wegzusehen. 

Spätestens beim Führerschein belegen Erwachsene einen Erste-Hilfe-Kurs – die Grundlagen geraten aber schnell wieder in Vergessenheit, auch, weil ein Auffrischungskurs nicht verpflichtend ist. Deswegen empfiehlt nicht nur der ADAC, die Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen. Auch der Bund wurde aktiv. 2016 rief der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung das „Nationale Aktionsbündnis Wiederbelebung“ ins Leben, um die Menschen aller Altersgruppen über Reanimation zu informieren und die Reanimationsquote durch Laien in Deutschland zu steigern. Denn in Sachen Erste Hilfe zählt Deutschland in der EU zu den Schlusslichtern – nur 20 Prozent helfen. 

Deswegen sollten sich bereits Kinder und Jugendliche mit dem Thema auseinandersetzen. 2014 empfahl die Kultusministerkonferenz ab der 7. Klasse Erste Hilfe mit zwei Unterrichtsstunden pro Jahr in der Schule zu verankern. Denn je früher Kinder geschult werden, desto geringer ist Hemmschwelle, im Ernstfall zu handeln. Dänemark hat es vorgemacht: Nach Einführung von Erste-Hilfe-Kursen an Schulen stieg die Wiederbelebungsrate von 20 auf 45 Prozent. Frühe Förderung lohnt sich also. 

Erste Hilfe an Schulen 

Bis jetzt ist der Erste-Hilfe-Kurs in Schulen nicht verpflichtend. In den meisten Bundesländern kümmern sich die Lehrkräfte darum, in ihren Klassen einen Erste-Hilfe-Kurs zusammen mit Sanitätern anzubieten. Erste Versuche, es im Stundenplan zu verankern, gibt es bis jetzt unter anderem in Baden-Württemberg, Saarland, Sachsen, in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. 

Je nach Verletzung gibt es allerdings Vorgaben, die von der Schule umzusetzen und sicherzustellen sind. Erster Ansprechpartner für Präventivmaßnahmen sind die zuständigen Unfallversicherungsträger. „Die Einrichtung muss über ein jederzeit zugängliches Telefon mit Namen und Rufnummern von Ersthelfern wie Arztpraxen, Rettungsleitstellen oder auch einer Taxizentrale verfügen, über aktuelles Verbandmaterial, das der DIN-Norm entspricht, und über ein Verbandbuch, in dem Vorfälle und Erste-Hilfe-Leistungen festgehalten werden“, erklärt Rechtsexperte Torsten Bornemann, „Erste-Hilfe-Utensilien und die Aufbewahrungsorte der Materialien sind mit einem weißen Kreuz auf grünem Grund zu kennzeichnen.“ 

Personell müssen laut Bornemann gemäß den gültigen Unfallverhütungsvorschriften bei mehr als 20 Versicherten – dazu zählen Schüler und Lehrkräfte – grundsätzlich ein Ersthelfer je 20 Personen zur Verfügung stehen. Ersthelfer dürfen nur Personen sein, die eine Ausbildung zur Ersten Hilfe bei einer Stelle gemacht haben, die von dem Unfallversicherungsträger ermächtigt sind oder über eine sanitätsdienstliche Ausbildung oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Beruf des Gesundheitswesens haben. Ersthelfer müssen sich alle zwei Jahre fortbilden. Der Ersthelfer muss die Fortbildungen nachweisen. Je nach Gefährdungslage können weitergehende zusätzliche Aus- und Fortbildungen notwendig sein. Zudem können Schulen entscheiden, ob sie einen Schulsanitätsdienst einrichten. Dabei handelt es sich um Schüler und betreuende Lehrkräfte, die mit Sanitätsdiensten zusammen arbeiten und die Erstversorgung von Verletzten sicherstellen. 

Doch egal ob Sanitätsdienst oder jährlicher Erste-Hilfe-Kurs, wichtig ist, Schüler für das Thema zu sensibilisieren. Das rettet Leben. Das zeigt das Beispiel von Sanitäter Christian Prezioso aus Dietmannsried in Bayern. Er arbeitet bei „Globalheart – Notfalltraining und Praxisschulungen“, führt Erste-Hilfe-Kurse an Schulen durch und erzählt dem Bayerischen Rundfunk: „Ein Schüler wurde von einer Schülerin wiederbelebt. Der Junge ist im Sportunterricht umgefallen. Der Lehrer hat ihn in die stabile Seitenlage gedreht. Da hat die Schülerin gesagt: ,Nein, das ist falsch, der ist blau angelaufen, den muss man wiederbeleben.“ Sie lag richtig.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: didacta – Das Magazin für lebenslanges Lernen, Ausgabe 1/2018, S. 104-106, www.didacta-digital.de


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