GEW Schleswig-Holstein

Public Viewing im Bildungsministerium – Online-Bewerbungen für Andere einsehbar

Die Bewerberin staunte nicht schlecht. Als sie sich beim Online-Portal für Lehrerstellen registrierte, konnte sie in die Bewerbungsmappe einer anderen Bewerberin schauen. Vier Tage dauerte diese besondere Art des Public Viewing. Dann konnte die Datenpanne behoben werden. Dreißig Bewerberinnen und Bewerber waren davon betroffen, wie die Kieler Nachrichten berichteten.

21.05.2012 Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

"Es ist ein unglaubliche Panne, dass das schleswig-holsteinische Bildungsministerium Bewerberinnen und Bewerbern für den Schuldienst anscheinend keinen ausreichenden Schutz ihrer persönlichen Daten bieten kann", sagte Matthias Heidn, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Montag, 21. Mai 2012 in Kiel. "Aber irgendwie passt diese skandalöse Datenpanne gut ins Bild. Denn von Anfang an sorgt der "Online-Stellenmarkt Schule" unter Bewerberinnen und Bewerbern sowie Schulen für Verdruss. Zu weit klafft die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit auseinander."

"Seitdem Bildungsminister Dr. Klug vor gut einem Jahr den Online-Stellenmarkt als Allheilmittel gegen Lehrermangel angepriesen hat, konnte das neue Bewerbungsverfahren die hoch gesteckten Erwartungen nie erfüllen", bemängelte der GEW-Landesvorsitzende. Weder habe das Verfahren mehr Physik-Lehrerinnen an die Schulen im Kreis Steinburg gebracht, noch für mehr Französisch-Lehrer an den Schulen in Nordfriesland gesorgt. Vielmehr habe Bildungsminister Dr. Klug mit dem Verfahren versucht, die Verantwortung für Lehrermangel auf die Schulen abzuwälzen und sie in gegenseitige Konkurrenz um Lehrkräfte zu hetzen.

"Es wird eine Aufgabe der neuen Bildungsministerin sein, auch diese Altlast aus der Ära Klug beiseite zu räumen", so der GEW-Landesvorsitzende. Das Bildungsministerium müsse nicht nur bei der Datensicherheit, sondern auch in anderen wesentlichen Punkten beim Einstellungsverfahren nachbessern. So müssten schleunigst zentrale Steuerungselemente für Versetzungen und die Versorgung von "entlegeneren" und in der Regel nicht so attraktiven Schulstandorten und von Brennpunktschulen geschaffen werden. Unverzichtbar sei auch ein Ausgleich von Mehrarbeit und Schulungen für Schulleitungen und Personalräte.

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