Qualitätskonzept

Qualitätsentwicklung im Schneckentempo

Die Bildungsgewerkschaft GEW erwartet konkrete schnelle Schritte zur Qualitätsverbesserung an den Schulen und will nicht weiter "mit Reformen vertröstet werden, die erst in einigen Jahren wirken werden", sagte am Montag Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

08.10.2018 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg
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Expert/innen in der baden-württembergischen Schulverwaltung befürchten, dass das geplante Qualitätskonzept der grün-schwarzen Landesregierung keinen Beitrag zur Qualitätsentwicklung leisten und es bereits im laufenden Schuljahr zu weiteren Engpässen wegen nicht besetzter Stellen kommen wird. 

"Kultusministerin Susanne Eisenmann hat 2017 zu Recht von dringendem Handlungsbedarf gesprochen. Jetzt ist über ein Jahr vergangen und es liegt immer noch kein überzeugendes Konzept vor. Stellen werden mit Blick auf die geplante Reform nicht besetzt, darunter leidet bereits jetzt die Qualität in der Lehrerbildung und die Belastung für die Mitarbeiter/innen in der Schulverwaltung steigt.

Die Verantwortlichen zerschlagen derzeit die bestehenden Strukturen, bevor neue aufgebaut werden und verschlechtern die Arbeitsbedingungen. Die derzeit nicht besetzten Stellen insbesondere an den Staatlichen Schulämtern und den Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung müssen schnell ausgeschrieben und besetzt werden", sagte Moritz.

"Ein guter Schritt für ein Qualitätskonzept an Schulen wäre es, wenn Grüne und CDU als ersten Schritt die Kürzung der Gelder für Lehrerfortbildung um 500.000 Euro aus dem Jahr 2017 rückgängig machen würden. Jede Woche erleben Lehrkräfte, dass sie nicht an Fortbildungen teilnehmen können, weil es nicht genügend Plätze gibt. Das bisher vorgestellte Konzept für den Umbau der Schulverwaltung enthält mehr Fragen als Antworten. Neue Strukturen garantieren keine bessere Qualität. Es geht darum, Schulverwaltung und Fortbildner konsequent für neue Aufgaben zu qualifizieren und zum Beispiel nicht nur 38,81 Euro pro Monat für diese Tätigkeit extra zu zahlen", sagte Moritz.

Bei den meisten Fortbildungen erhalten die Leitungen derzeit nur 38,81 Euro brutto pro Monat zusätzlich. Deshalb ist es oft schwer, dafür qualifizierte Personen zu finden, die Fluktuation ist groß. Die GEW setzt sich dafür ein, dass in allen Schularten der Beruf des Fortbildners attraktiv gestaltet wird und alle Fortbildner wie bei den Beruflichen Schulen und Gymnasien nach der Besoldungsgruppe A 15 zu bezahlen.

Reformprozess ohne Transparenz

Die GEW erwartet im Reformprozess endlich Transparenz. "Die eingesetzten Arbeitsgruppen für die Erarbeitung des Konzepts durften nicht miteinander reden, von einer gemeinsamen Zusammenarbeit der 120 Akteure und Beteiligung der Betroffenen kann nicht die Rede sein. Die Landesregierung riskiert so, dass am 1. Januar 2019 vielleicht eine neue Struktur besteht, es aber noch Jahre dauern wird, bis in den Klassenzimmern davon etwas zu spüren ist. Der Erfolg der Reform hängt davon ab, ob für die Betroffenen ein Klima der Unterstützung oder der Kontrolle und Angst entsteht. Derzeit erlebe ich in meinen vielen Gesprächen in der Schulverwaltung, mit Fortbildnern und Lehrkräften eine große Verunsicherung", sagte Moritz.

2.000 Mitarbeiter/innen sind betroffen

Das Institut für Bildungsanalysen und das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung sollen künftig die Qualitätsentwicklung und Lehrerfortbildung für etwa 120.000 Lehrkräfte in Baden-Württemberg steuern. Die Regierungspräsidien und die Staatlichen Schulämter sollen sich künftig auf Aufsicht und Steuerung der Unterrichtsversorgung konzentrieren. 

"2.000 Personen bekommen einen neuen Arbeitsplatz, noch weiß niemand wo und was sie dort machen sollen. Der Umbauprozess wird sich Jahre hinziehen und die Arbeit beeinträchtigen. Der Übergang müsste konstruktiv gestaltet werden. Stattdessen werden die bestehenden Strukturen zerschlagen, bevor die neuen entwickelt sind. Leitungsstellen der Staatlichen Seminare werden nicht mehr ausgeschrieben, Schulratsstellen nicht oder nur sehr zögerlich besetzt. Auch die Beschäftigten in der Schul- und Kultusverwaltung brauchen funktionierende Dienststellen. Sonst können sie ihre Arbeit für die Schulen nicht machen. Eine echte Unterstützung der Schulen ist noch lange nicht in Sicht", sagte Moritz.

Fortbildungsangebote ausbauen

Die GEW hat auch Vorschläge für schnell wirkende Maßnahmen: "Jeder weiß, dass zum Beispiel der hohe Anteil von fachfremdem Unterricht insbesondere in den Grundschulen für schlechte Ergebnisse in Mathematik und Deutsch mitverantwortlich ist. Das ließe sich schnell ändern, wenn die Kultusministerium sich nicht wie in den vergangenen zehn Jahren weiter weigert, hier Fortbildungen anzubieten", sagte Moritz.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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